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Mode

"Greises Modesternchen": Fashion-Ikone Iris Apfel wird 95

Jahrzehntelang arbeitete Iris Apfel erfolgreich als Innendesignerin, unter anderem für neun Präsidenten im Weißen Haus. Mit mehr als 80 Jahren und schon in Rente wurde sie dank einer Ausstellung plötzlich als Stil-Ikone bekannt.
Iris Apfel feiert ihren 95. Geburtstag.

Iris Apfel feiert ihren 95. Geburtstag.

© Toni Albir

New York. Große runde Brille, bunte Ketten und Armreifen, kurze weiße Haare - das sind die Markenzeichen von Iris Apfel, die es seit kurzem sogar als Emojis für das Handy gibt. "Ich bin ja ein bisschen zu alt für Emojis und wusste auch nicht, was das ist", wird Apfel zitiert.

"Aber alle scheinen sie zu mögen und ich will, dass alle eine gute Zeit haben. Wenn mein Gesicht die Menschen glücklich macht, dann bin ich dabei." Neben den Emojis bringt Apfel gemeinsam mit der US-Kaufhauskette Macys's derzeit gleich auch noch eine ganze Mode- und Schmuckkollektion auf den Markt und posiert für die Werbeplakate - dabei wird die Fashion-Ikone heute 95 Jahre alt. "Wie viele andere 95 Jahre alte Covergirls kennt Ihr?"

Fans lieben Apfel, über die vor einigen Jahren der Dokumentarfilm "Iris" gedreht wurde, schon lange für ihren außergewöhnlichen Modestil und ihren scharfzüngigen Humor. Weltweit bekannt aber wurde die Diva erst mit mehr als 80 Jahren. 2005 musste das Kostüminstitut des New Yorker Metropolitan Museums kurzfristig eine Ausstellung absagen und suchte dringend nach Ersatz. Kurator Harold Koda dachte spontan an Apfel - und die zauberte aus ihren Kleiderschränken und Schmuckschachteln eine Erfolgsschau und wurde innerhalb kürzester Zeit zum Star. "Das war ein Geschenk des Himmels ehrlich gesagt, denn nachdem ich in Rente gegangen war, lag mein Sozialleben am Boden", sagte Apfel einmal dem "Guardian". "Es ist wunderbar, dass auf meine alten Tage noch mal alle so ein Bohei um mich machen."

Dabei hatte Apfel, die sich selbst inzwischen gern als "greises Modesternchen" bezeichnet, da schon eine äußerst erfolgreiche Karriere als Innendesignerin hinter sich. Gemeinsam mit ihrem Mann Carl, den sie 1948 geheiratet hatte ("Er war cool, er war kuschelig und konnte chinesisch kochen, ich hätte es also nicht besser haben können"), arbeitete sie als Designerteam und beriet unter anderem neun US-Präsidenten bei der Einrichtung des Weißen Hauses.

"Das war eigentlich ein ziemlich einfacher Job, weil alles immer so ähnlich wie nur menschenmöglich zu dem, wie es bereits war, sein sollte", erinnert sich Apfel. "Naja, bis Frau Kennedy kam. Sie stellte einen berühmten Pariser Designer ein, der das Haus so richtig französisch-schick machen sollte und die Design-Community ist durchgedreht. Danach mussten wir es alles rausschmeißen und wieder von vorne anfangen. Aber ich mochte Frau Nixon. Sie war sehr nett."

Das Designerteam Apfel lebte in New York und Florida und reiste um die Welt. Für Kinder war da kein Platz. "Ich mag es nicht, wenn ein Kind ein Kindermädchen haben muss, also war das für uns nicht drin. Aber Kinder haben ist auch wie eine Vorschrift, das wird von einem erwartet. Und das mag ich auch nicht."

Mehr als 60 Jahre lang waren Carl und Iris Apfel verheiratet, bis er im vergangenen Jahr kurz vor seinem 101. Geburtstag starb. Die Mode-Diva versucht sich seitdem, mit Arbeit abzulenken - für Werbekampagnen mehrerer Schmuck- und Kleidungsfirmen posierte sie als Model und entwirft Schmuck für ältere Menschen mit integrierter Technik, die die Gesundheit des Trägers überprüft und im Notfall einen Krankenwagen alarmiert. "Alles, was es in dieser Hinsicht schon auf dem Markt gab, war furchtbar, und wir brauchten schöne Dinge, die die Menschen zur Arbeit oder auf eine Party anziehen können."

Dass Designer die älteren Menschen vergessen, darüber beschwert sich Apfel immer wieder. "Warum diese 15-jährigen Models? Wie soll sich eine ältere Frau damit identifizieren können?" In erster Linie aber genießt die 1921 im New Yorker Stadtteil Queens geborene Mode-Ikone ihren späten Ruhm. Dem "Guardian" sagte sie weiter: "Ich glaube, dass die Menschen mich mögen, weil ich anders bin. Ich denke nicht wie alle anderen. Die Menschen sind so beschäftigt mit den schlimmsten Seiten der Technik heutzutage. Sie verbringen ihr Leben damit, auf Knöpfe zu drücken. Und sie benutzen ihre Fantasie nicht mehr."

dpa


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