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Mode

Blick hinter die Kulissen: Schattenseiten der Modeindustrie

Ein totes Paar hält sich inmitten der Trümmer in den Armen: Im Frühjahr 2013 ging das Foto um die Welt, nachdem die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch eingestürzt war und mehr als 1100 Menschen ums Leben gekommen waren.
Eine Besucherin neben Bildern über das Leben und den Kampf von Textilarbeiterinnen. Die Ausstellung ist vom 20.03.2015 bis zum 20.09.2015 zu sehen.

Eine Besucherin neben Bildern über das Leben und den Kampf von Textilarbeiterinnen. Die Ausstellung ist vom 20.03.2015 bis zum 20.09.2015 zu sehen.

© Malte Christians

Hamburg. Jetzt hängt das Bild der Fotografin Taslima Akhter in der Ausstellung "Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode" im

Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. "Die Fast-Fashion-Industrie besitzt eine denkbar schlechte Umweltbilanz und gehört zu den Branchen mit teilweise katastrophalen Arbeitsbedingungen und Löhnen unterhalb des Existenzminimums", sagt Kuratorin Claudia Banz. Wie das auch mit uns Konsumenten zu tun hat, darüber will die Schau aufklären.

 

Eigentlich ist ein Kleidungsstück nicht so kompliziert wie ein Auto oder ein Handy - und trotzdem ist die Bekleidungsindustrie hoch komplex. "Die Verhältnisse, die wir heute in Asien und Osteuropa beklagen, so sah es bei uns im 19./20. Jahrhundert auch aus, da hat sich nicht viel verändert, wir haben die Probleme nur weiter nach Osten verlagert", sagt Banz. So wird an einer Tafel der Weg einer Jeans verdeutlicht: Vom Designentwurf in den Niederlanden bis zum Verkauf in Deutschland und der Altkleiderentsorgung in Sambia legt die Hose 40 000 Kilometer zurück - begonnen beim Baumwollanbau in Usbekistan über das Spinnen und Weben in Indien und das Färben in China bis zum Nähen in Bangladesch und der Veredelung in der Türkei.

Durch die Fast Fashion - gemeint sind vor allem die internationalen Billighandelsketten in den Fußgängerzonen und die Discounter - sei die Wertschätzung von Kleidung abhandengekommen. "Die Wertschätzung dafür, dass in der Kleidung auch Arbeit steckt, dass da Menschen dahinter stehen, das ist verloren gegangen", meint die Kuratorin. Dahinter stecke eine ausgeklügelte Marketingstrategie, die den Fashion-Victims einrede, dass sie neuen Trends hinterherlaufen müssen - und weil die Sachen so billig sind, konsumierten diese auch eifrig. Dabei hätten schon unsere Großmütter gewusst: billig ist am Ende teuer. "Entweder kaufe ich mir zehn T-Shirts für fünf Euro, die aber wegen der schlechten Qualität nicht lange halten oder ich kaufe mir ein T-Shirt für 50 Euro, das ich länger tragen kann", sagt Banz.

Die Besucher können anhand von Tafeln, Audiostationen und Dokumentarfilmen einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Textilwirtschaft werfen: So berichten Näherinnen aus Bangladesch, wie sie im Akkord in Textilfabriken schuften müssen, es wird erklärt, was mit unseren Altkleidern passiert, die entweder auf afrikanischen Märkten oder in Indien landen. Eine Grafik zeigt die Gewinnspanne von 30 Prozent an einem T-Shirt für 29,95 Euro - die Näherin erhält davon 18 Cent. Eine Computeranimation verdeutlicht, wie der Aralsee in Usbekistan durch die Baumwollproduktion zwei Drittel seiner Größe eingebüßt habe. "Wir wollen den Besuchern aber auch vor Augen führen: Du bist der Konsument. Du kannst durch dein Kaufverhalten etwas an diesen Zuständen ändern", sagt Kuratorin Banz.

Wie das funktionieren kann, zeigt die Slow-Fashion-Bewegung, die in einem extra Raum vorgestellt wird: Ähnlich wie die Slow-Food-Bewegung fordert sie Produzenten und Konsumenten zu mehr Verantwortung gegenüber Mensch, Umwelt und Produkten heraus. Dabei wird auf eine umweltschonende Herstellung der Rohstoffe und die Einhaltung von sozialen Standards Wert gelegt, einige Siegel wie für Bio-Baumwolle oder

GOTS (Global Organic Textile Standard) helfen bereits bei der Orientierung. Absolventen des Studiengangs für nachhaltige Bekleidung an der Modeschule Esmod zeigen an "Zero-Waste-Kleidung", wie Abfall vermieden werden kann, die Designerin Ina Budde präsentiert Mode aus recyceltem Polyester. Kleidung leihen statt kaufen heißt es dagegen bei Initiativen wie der

Kleiderei in Hamburg.

dpa


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