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Agrar

Obst- und Gemüsebranche klagt über russisches Importverbot

Die Deutschen essen schon seit Jahren immer weniger Obst und Gemüse. Jetzt platzt das russische Import-Embargo in den angespannten Markt. Die Branche fürchtet europaweit einen Preisverfall und Firmenpleiten.
Die Vorlieben der Verbraucher wechselten und seien nur schwer oder auch gar nicht zu ergründen, klagt die deutsche Obst- und Gemüsebranche.

Die Vorlieben der Verbraucher wechselten und seien nur schwer oder auch gar nicht zu ergründen, klagt die deutsche Obst- und Gemüsebranche.

© Peter Kneffel

Düsseldorf. Die deutsche Obst- und Gemüsebranche klagt über das Anfang August von Russland verhängte Lebensmittel-Importverbot. "2013 wurden EU-weit 2,2 Millionen Tonnen Obst und Gemüse nach Russland exportiert - das ist Ware für zwei Milliarden Euro", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbandes, Andreas Brügger, am Freitag (19. September) am Rande des Deutschen Obst- und Gemüsekongresses in Düsseldorf. Die Ware belaste nach dem sehr kurzfristig umgesetzten Embargo jetzt den europäischen Markt und lasse die Großhandelspreise abstürzen.

Bei dem Kongress berät die Branche über "Instrumente zur Konsumbelebung". Die Obst- und Gemüseabsätze in Deutschland sind allen Gesundheitsappellen zum Trotz seit etwa zehn Jahren rückläufig. Beim Obst verzeichnet die Branche mit einem jährlichen Rückgang von rund zwei Prozent dabei noch stärkere Einbußen als beim Gemüse (minus 0,5 pro Jahr).

Die wechselnden Vorlieben der Verbraucher seien schwer oder gar nicht zu ergründen, sagte Brügger. So seien zum Beispiel Grapefruits und Kohl stark eingebrochen, frische Pilze, Zucchini und Cocktailtomaten verzeichneten dagegen sogar Zuwachsraten. Kopfsalate hätten früher den Markt klar beherrscht, jetzt verlangten viele Verbraucher Rucola (Rauke), der früher wegen seines scharfen Geschmacks abgelehnt worden sei. Beim Obst gibt es Zuwächse etwa bei Heidelbeeren, Himbeeren und Granatäpfeln.

Zahlenmäßig seien die deutschen Erzeuger von dem russischen Embargo nicht allzu stark betroffen, da deutsche Ware nur einen Anteil von gut einem Prozent an den EU-Obst- und Gemüseausfuhren nach Russland habe, sagte Brügger. Aber der Importstopp komme zu einem sehr ungünstigen Moment, da mehrere Produkte wie Tomaten, Gurken, Paprika und Pfirsiche wegen des hohen Angebots bereits seit Monaten unter "deutlichem Preisdruck" stünden. Auch bei Äpfeln zeichne sich eine Rekordernte ab.

Das von der EU aufgelegte Stützungsprogramm mit einem europaweiten Volumen von 125 Millionen Euro sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, kritisierte Brügger. Von dem Programm profitierten nur die Obst- und Gemüseerzeuger, nicht die Händler. Außerdem überfordere der vorgeschriebene 50-prozentige Eigenanteil manche Betriebe. "Wenn einer auf dem letzten Loch pfeift, kann er nicht die Hälfte dazutun", sagte er. "Ich gehe davon aus, dass der eine oder andere daran pleitegehen wird."

Dauerhaft bedrohlich für die europäischen Anbieter sei auch die Tatsache, dass sich Russland neue Obst- und Gemüse-Lieferanten in China und Lateinamerika suche. "Wenn sich die neuen Lieferkanäle erst mal etabliert haben, ist für EU-Ware die Tür zu."

Der Deutsche Fruchthandelsverband vertritt rund 300 Obst- und Gemüsegroßhändler und Importeure in Deutschland, die zusammen einen zweistelligen Milliardenumsatz erwirtschaften.

dpa


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