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Ernährung

Glyphosat im Urin - Wie gefährlich ist das Pflanzengift?

Der Fund von Glyphosat in Bier hat die Debatte um das Pflanzengift zuletzt weiter befeuert. Nun weist eine Studie Rückstände auch im Urin der Deutschen nach - und die Beratungen über die weitere Zulassung des Mittels stehen unmittelbar bevor.
Glyphosat ist ein Unkrautvernichter. Er wurde in Bier nachgewiesen, und im Urin vieler Menschen.

Glyphosat ist ein Unkrautvernichter. Er wurde in Bier nachgewiesen, und im Urin vieler Menschen.

© Frank Leonhardt

Berlin. Über den Unkrautvernichter Glyphosat wird seit langem gestritten. Aber wie belastet sind die Deutschen überhaupt mit dem Pestizid? Und wie gefährlich sind die Mengen? Für eine am Freitag veröffentlichte Studie wurde jetzt der Urin von mehr als 2000 Deutschen untersucht.

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist einer der weltweit am meisten eingesetzten Unkrautvernichter. Rund 5000 Tonnen landen jährlich auf deutschen Äckern - 15 Prozent der gesamten Pestizidmenge.

Wo wird es eingesetzt?

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums werden Herbizide mit Glyphosat vor allem benutzt, um Unkraut vor oder nach dem Anbau von Feldfrüchten zu bekämpfen. Auch vor der Ernte von Raps oder Getreide kommen sie zum Einsatz.

Warum wird darüber gestritten?

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Experten sind sich allerdings uneinig darüber, ob es tatsächlich Gesundheitsgefahren für den Menschen hat. Neben einer möglichen Bedrohung für Menschen sehen Naturschützer auch Gefahren für die Umwelt - etwa weil Tiere dadurch nicht mehr genug Nahrung finden.

Wie belastet sind die Deutschen?

Zumindest im Urin lassen sich Rückstände des Mittels nachweisen. Im Rahmen der dazu am Freitag in Berlin vorgestellten Erhebung ließen sich bei 99,6 Prozent der Probanden Glyphosat-Reste nachweisen. Bei 75 Prozent der Testpersonen waren sie mit mindestens 0,5 Mikrogramm pro Liter fünfmal so hoch wie der Grenzwert für Trinkwasser.

Wie gefährlich ist Glyphosat für den Menschen?

Das ist umstritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO (IARC) hatte das Mittel vergangenen Sommer als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Im November kam die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hingegen zum Schluss, der Wirkstoff berge vermutlich keine Krebs-Bedrohung für den Menschen. Das entspricht der Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Es betonte, nicht einmal die Maximale-Werte der Urin-Untersuchung seien gesundheitlich bedenklich. Viele Fragen sind aber offen, etwa nach Wechselwirkungen mit anderen Stoffen.

Wie kommt der Mensch mit Glyphosat in Berührung?

Durch Lebensmittel, Trinkwasser oder die Arbeit in der Landwirtschaft und im heimischen Garten. Das private Umweltinstitut München ließ kürzlich etwa Biere der 14 beliebtesten Marken Deutschlands testen und fand in allen Spuren des Unkrautvernichters. "Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken", betonte das BfR jedoch.

Darf Glyphosat auch in Zukunft genutzt werden?

Ob das Mittel auch künftig angewendet werden darf, soll in Kürze entschieden werden. Nationale Experten der 28 EU-Staaten sollen darüber voraussichtlich am 7. und 8. März sprechen. Die EU-Kommission plädiert für eine Verlängerung der Zulassung bis 2031. Die aktuelle Genehmigung läuft noch bis Ende Juni.

dpa


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