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Essen & Trinken

Äppelwoi bringt auch Gott zum Lachen

Was nach dem Dreißigjährigen Krieg vor allem für billige Räusche sorgte, gehört heute zur Landeskultur: der "Äppelwoi". Auf dem Frankfurter Lohrberg ist die Tradition lebendig.
Der landwirtschaftliche Leiter des «MainÄppelHaus», Karsten Liebelt, achtet darauf, welche Früchte in die Presse kommen.

Der landwirtschaftliche Leiter des «MainÄppelHaus», Karsten Liebelt, achtet darauf, welche Früchte in die Presse kommen.

© Alexander Heinl

Frankfurt (dpa) - "Hätt' der Adam aus dem Apfel Äppelwoi gemacht, hätt' der Herrgott net geschimpft, dann hätt' er noch gelacht" - so sang Heinz Schenk 1967 in Anspielung auf die biblische Geschichte der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies.

Die Vergärung hätte, so stellte sich das der Bembel-Showmaster vor, weitreichende Folgen gehabt: "wir wären heute alle, des ganz gewiss, liebe klaane Engelche noch im Paradies."

Der Liedtext macht deutlich: Apfelwein ist in Hessen nicht nur ein Getränk, sondern ein Kulturgut. Außerhalb der Landesgrenzen liegt der durchschnittliche Verbrauch bei nur 0,6 Litern pro Jahr. Hessen trinken immerhin das Zehnfache: 6 Liter jährlich. Durch Frankfurter Kehlen fließen im Schnitt sogar 12 Liter. 

"Apfelwein ist das hessische Nationalgetränk" sagt Karsten Liebelt, landwirtschaftlicher Leiter des "MainÄppelHaus Lohrberg Streuobstzentrum e.V.". Der gemeinnützige Verein hat sich dem Schutz der Streuobstwiesen verschrieben und bewirtschaftet 150 Hektar Land auf dem Lohrberg. Inmitten einer Kulturlandschaft, die geprägt ist von Trauben- und Obstanbau, in Sichtweite der Frankfurter Bankentürme, bringt Liebelt Interessierten bei, wie Apfelwein gemacht wird.

Die Tradition habe ihren Ursprung im Dreißigjährigen Krieg, sagt Jörg Stier, ebenfalls Kelterer, Buchautor und ausgewiesener Apfelwein-Experte. Besonders in Frankfurt habe damals zum Aufstieg des Getränks beigetragen, dass wichtige Weinanbauflächen konfisziert worden seien, um dort Wohnungen für Flüchtlinge zu bauen. "Anders als der besteuerte Rotwein vom Kaiserstuhl, war der Apfelwein auch für einfache Leute erschwinglich. Das hat zur Verbreitung beigetragen", sagt Stier. Außerdem sei die Bevölkerung zum Obstanbau zwangsverpflichtet worden. So sollte der Nahrungsknappheit begegnet werden. Auf dem Lohrberg trug zusätzlich die Reblaus dazu bei, dass Bauern vom Trauben- zum Obstanbau wechselten.

"Die Nachfrage ist immer größer als das, was wir herstellen können", sagt Karsten Liebelt über die Apfelweinproduktion des Streuobstzentrums. Das Interesse beschränkt sich nicht aufs Produkt. Jedes Jahr probieren Tausende Besucher die Obstpresse selbst aus. Manche wollen das Keltern im Detail lernen. "Die Hoffnung ist natürlich, dass ein paar dabei sind, die die Tradition am Leben halten", sagt Liebelt.

Zu Schulungszwecken nutzt er - traditionsbewusst - eine hundert Jahre alte "Korbpresse". Sie sieht aus wie ein Fass auf Metallbeinen. In der Mitte des Füllkorbes ist ein Gewinde angebracht. An dessen Kopf befindet sich die eigentliche Presse. Entlang des Gewindes lässt sie sich nach unten schrauben, um das darunter liegende Obst zu zerdrücken. Über eine Abflussrinne wird der herausgepresste Saft in Eimer geleitet.

Den gewonnenen "Süßen" vergärt Liebelt in mannshohen Stahlfässern im Weinkeller des Vereins zu Äppelwoi. Auch beider Gärung setzt er weitgehend auf Tradition: "Ich benutze keine künstlichen Zusätze", sagt er. Nur bei den Fässern macht er eine Ausnahme: "Die sind aus Stahl. Das ist hygienischer als Holz". An jedem Fass ist oben ein Stutzen angebracht, über den die Gase, die durch den Gärprozess freigesetzt werden, entweichen können. Ein süßlich-alkoholischer Geruch ist bis in den Verkaufsraum zu riechen.

Liebelt zeigt auf eines der Fässer und sagt freudig: "Das hier ist schon fast fertig". Wenn der Gärprozess abgeschlossen ist, müssten nur noch Fruchtschlamm und Hefe herausgefiltert werden, um den charakteristisch klaren Apfelwein zu gewinnen. 7000 Liter hat Liebelt so mit seinen Helfern in diesem Jahr gekeltert. "Anstich ist im Januar", sagt er - und verpasst einem der mannshohen Fässer einen "freundschaftlichen" Klaps.

dpa


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