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Ernährung

Äpfel aus Deutschland sollen zum Exportschlager werden

Im Nikolausstiefel und auf dem Weihnachtsteller ist der Apfel noch immer ein Klassiker. Außerhalb dieser Zeit hat er aber keinen leichten Stand. Der Verzehr in Deutschland geht zurück.
Nicht mehr so beliebt wie früher: Die Deutschen essen im Schnitt 17 Kilo Äpfel jährlich - das sind etwa 4 Kilo weniger als im Jahr 2000.

Nicht mehr so beliebt wie früher: Die Deutschen essen im Schnitt 17 Kilo Äpfel jährlich - das sind etwa 4 Kilo weniger als im Jahr 2000.

© Angelika Warmuth

München. Der Advent ist Apfelzeit. In diesem Jahr sind die Äpfel für den Nikolausstiefel oder den Weihnachtsteller besonders günstig zu haben: Eine überdurchschnittliche Ernte in den deutschen Anbaugebieten und das Importverbot in Russland ließen die Preise abrutschen. Was die Verbraucher an der Kasse erfreut, wird für die Erzeuger zum Problem.

Der Apfel bleibt zwar das beliebteste Obst der Deutschen - bekommt aber zunehmend Konkurrenz von günstigen Südfrüchten wie Clementinen. Im Schnitt verzehren die Deutschen nur noch 17 Kilo Äpfel pro Jahr und damit nach Angaben des Agrar-Handelskonzerns Baywa etwa vier Kilo weniger als noch im Jahr 2000. Mit neuen Sorten und exotischen Namen versuchen die Händler, den Verbrauchern mehr Appetit zu machen. Pink Lady, Kanzi, Fuji oder Jazz: Rund 20 verschiedene Sorten sind derzeit im Handel. Der Verzehr legte aber trotzdem nicht zu.

Die Baywa will die Äpfel aus Deutschland deshalb verstärkt im Ausland verkaufen. Besonders in Asien wächst der Appetit rasant. Bislang werden weniger als zehn Prozent der deutschen Äpfel ins Ausland verfrachtet - doch das soll sich ändern. Einen Container mit Äpfeln vom Bodensee hat das Unternehmen vor wenigen Wochen nach Malaysia geschickt. In den kommenden Jahren sollen nach den Vorstellungen von Konzernchef Klaus Josef Lutz noch viele weitere auf die Reise gehen. "Das Wachstum auf dem Apfel-Markt spielt sich in Asien ab", sagte er.

Vor zwei Jahren hat sich das Münchner Unternehmen bereits den neuseeländischen Obst-Erzeuger Turners & Growers einverleibt und mischt seitdem als einer der großen Akteure auf dem internationalen Apfelmarkt mit. Die größten Hoffnungen ruhen auf China. Denn mit zunehmendem Wohlstand finden immer mehr Chinesen die Früchte chic. Bislang dürfen die Äpfel aus Deutschland dorthin aber nicht exportiert werden - was aus Sicht der Baywa ein Missstand ist. "Wir tun auf politischer Ebene alles, um das zu ändern", sagt Lutz. Lebensmittel aus Deutschland genießen in China besonders hohes Ansehen - die Baywa geht deshalb von enormen Wachstumschancen auf dem dortigen Markt aus. "Der Heißhunger auf neue Sorten ist riesig."

Von einer breiteren Aufstellung im Ausland erhofft sich die Baywa auch weniger Abhängigkeit von einzelnen Abnehmerländern. Dieses Jahr machte der Importstopp in Russland den Anbauern zu schaffen. Für die dortigen Verbraucher waren nach Angaben der Obstbauversuchsanstalt im Alten Land bei Hamburg besonders große und dunkelrote Äpfel angebaut worden - von denen es nun ein Überangebot gibt.

In den deutschen Supermärkten sind XXL-Äpfel hingegen nicht gefragt. Was hier in den Regalen landet, muss perfekt sein: nicht zu klein, nicht zu groß, ohne Beulen und schön gefärbt. Erzeuger in den großen Anbaugebieten am Bodensee und im Alten Land stöhnen über immer neue Wünsche der großen Handelsketten, die ihnen das Geschäft schwer machen.

In diesem Sommer wuchsen die Früchte an den Bäumen dank guter Witterung zu stattlicher Größe heran und sprengten damit die gewünschten Idealmaße von 75 Millimeter Durchmesser. "90 Millimeter sind normalerweise das Maximum, das der Handel akzeptiert", sagt Helmut Jäger, der seit Jahrzehnten in Lindau am Bodensee Äpfel anbaut und die Interessen der Erzeuger als Vorsitzender des Bayerischen Erwerbsobstbau-Verbandes vertritt. So musste er zuschauen, wie aus vielen seiner Äpfel "Industrieware" wurde, die am Ende wegen Übergröße zu Saft oder Mus verarbeitet wird und deutlich weniger Geld bringt. "Aber man kann das Wachstum ja nicht verhindern."

dpa


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