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Schönes Kleid fürs Haus - Fassadenbekleidung betont Baustil

Die Verkleidung einer Fassade beeinflusst den Stil eines Hauses oder gar der ganzen Nachbarschaft. Traditionell werden meist Materialien verwendet, die zu den Witterungsbedingungen in der Region passen.
In vielen Ortschaften ist das Bild einheitlich: Bebauungspläne oder Gestaltungssatzungen regeln die Bekleidung der Hausfassaden. Im Norden sind Backsteinhäuser verbreitet.

In vielen Ortschaften ist das Bild einheitlich: Bebauungspläne oder Gestaltungssatzungen regeln die Bekleidung der Hausfassaden. Im Norden sind Backsteinhäuser verbreitet.

© Andreas Bitterer

Düsseldorf. Kleider machen Leute. Das gilt auch für die Fassadenbekleidung. Zeitlos oder modern? Bei der Außenansicht des Hauses ist es wie bei einem Outfit für den Menschen: Es soll gut aussehen, aber auch seinen Zweck erfüllen. Besonders schön ist es, wenn es den Charakter unterstreicht.

"Eine Fassade ist immer auch ein Statement des Hausbesitzers", sagt Christian Schramm von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. "Bei aller individuellen Freiheit hat der Bauherr auch eine soziale Verantwortung für seine Nachbarschaft", betont der Architekt aber. "Denn ein Haus ist eben kein Kleidungsstück, das ein Einzelner mit sich herumträgt." Es steht in einem Umfeld, in das es sich so einfügen sollte, dass sich die Gemeinschaft damit wohlfühlt. Das bedeutet aber nicht, dass alle Häuser gleich aussehen müssen. "Man kann auch den regionalen Baustil modern und vielfältig interpretieren." Allzu großen Experimenten sind ohnehin vielerorts durch kommunale Bebauungspläne oder Gestaltungssatzungen Grenzen gesetzt.

Bei der Wahl der Fassadenbekleidung ist auch der beste Wetterschutz und eine effiziente Wärmedämmung wichtig. Und natürlich spielen ästhetische Aspekte eine Rolle. Mit verschiedenen Fassadenlösungen bekommen Gebäude völlig unterschiedliche Anmutungen: Holz macht sie warm und gemütlich, Metall oder Glas lassen sie kühler und strenger erscheinen. Experten unterscheiden zwischen großformatigen und kleinformatigen Varianten. Die Großformate bestehen zum Beispiel aus Natursteinen oder Platten, unter anderem aus Faserzement oder Harzkomposit. Kleinformatige Fassaden setzen sich etwa aus Schiefer, Faserzement, Ziegeln, Holzschindeln oder Metall zusammen.

"Es ist sinnvoll, sich an den Häusern der Nachbarschaft zu orientieren", findet Josef Rühle, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Köln. "Denn in den traditionellen Fassaden spiegeln sich jahrhundertealte Erfahrungen mit den regionalen Wetterbedingungen wider. Was sich so lange bewährt hat, kann auch heute nicht falsch sein." So trotzen Klinkerfassaden im Norden gut Starkregen und Sturm. Ziegel, Schiefer- und Dachsteinfassaden sind im Harz, aber auch im Westerwald, der Eifel, Westfalen und anderen Regionen mit Wind und Schlagregen beliebt. Und die Holzschindeln im bayerischen Raum bewahren die Häuser in Tälern und auf Bergen vor Nässe, Sturm und Hitze.

In Gegenden, die nicht durch extreme Witterungseinflüsse belastet sind, werden gerne Wärmedämmverbundsysteme eingesetzt. Das Dämmmaterial wird an der Hauswand befestigt, meist geklebt und mit einem Unterputz versehen. Dann folgen Putz und Anstrich. Diese Systeme sind meist etwas preisgünstiger als die Klassiker, halten aber nicht so lange. "Es gibt sie in vielen verschiedenen Farben, Formen und Mustern", sagt Rühle. Damit lassen sie sich regionalen ästhetischen Vorlieben und Bauvorschriften anpassen.

Wer sich für solch ein System entscheidet, sollte besonders auf Qualität achten. "Vor allem das Dämmmaterial ist wichtig", betont Rühle. "Während Polystyrol beispielsweise in dem Ruf steht, schnell in Brand zu geraten, ist Mineralwolle in dieser Hinsicht ungefährlich." Naturprodukte wie Holzfasern haben den Vorteil, dass sie die Feuchtigkeit gut aufnehmen, aber auch schnell wieder abgeben. Aber diese Dämmplatten sind schwerer als etwa Polystyrol.

In puncto Wärmedämmung brauchen sich klassische Fassadenbekleidungen in der Regel nicht zu verstecken. "Sie haben einen hohen Standard", sagt Rühle. Die meisten kleinformatigen Fassaden wie Ziegel-, Dachstein- oder Schieferbekleidungen werden als vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) angebracht. Das bedeutet, dass es zwischen gedämmter Hauswand und Bekleidung eine trennende Luftschicht gibt, so dass Hauswand und Wärmedämmung trocken bleiben.

"Regen und andere Witterungseinflüsse gelangen so nicht direkt an die Hauswand", erklärt Jan Preuß vom Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden. "Auch Bau- und Nutzungsfeuchte aus dem Hausinneren trocknen dank der Hinterlüftung schnell ab, so dass ein guter Witterungs- und Wärmeschutz gewährleistet ist." Diese Variante gibt es etwa aus Holz, Keramik, Metallblech, Glasfaserbeton, Faserzement oder gar undurchsichtiges Glas. Es werden auch Lösungen für Fassadenbegrünungen angeboten. Vorgehängte hinterlüftete Fassaden lassen sich an nahezu jedem Gebäude anbringen, im Neubau und im Bestand.

dpa


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