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Niedriger Preis und vermeintlich echt: Plagiate erkennen

Die beiden Sofas sind identisch, die Heißluftgebläse gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Aber das scheint nur so. Im Handel, vor allem im Internet, sind unzählige, nur schwer zu unterscheidende Produktfälschungen zu finden. Was können Verbraucher tun?
Küchenutensilien in lustiger Optik sind ebenfalls beliebt bei Markenpiraten. Sie werden kopiert und verkauft. Links ist jeweils das Original zu sehen, rechts das Plagiat.

Küchenutensilien in lustiger Optik sind ebenfalls beliebt bei Markenpiraten. Sie werden kopiert und verkauft. Links ist jeweils das Original zu sehen, rechts das Plagiat.

© Aktion Plagiarius e.V

Berlin. Bohrmaschine, Designer-Stuhl, Badarmatur: Wer sich für ein hochwertiges Markenprodukt entscheidet, freut sich über einen Promotionspreis beim Händler.

Dass so einem Schnäppchen eine Fälschung zugrunde liegen kann, merken viele erst zu Hause. "Gefälscht wird inzwischen fast alles", sagt Lennart Röer vom Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie.

Fast 100 000 Fälle von Produkt- und Markenpiraterie werden laut Tüv Süd jährlich an den EU-Außengrenzen festgestellt. Die Produktfälscher kümmern sich nicht um sicherheitsrelevante Prüfungen und täuschen mit nachgemachten Gütesiegeln. Das Problem: Wenn etwa Haushaltsgeräte nicht ausreichend isoliert sind, giftige Stoffe enthalten und die Geräte beim Gebrauch auseinanderfliegen, ist das gefährlich. "Wir hatten mal einen Fall, da wurden in einer Waschtischarmatur billige Bleirohre verwendet", berichtet Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius. "Beim Benutzen hätten die Verbraucher durch das unzulässig stark bleihaltige Wasser erkranken können." Die Aktion Plagiarius verleiht jährlich Preise für dreiste Plagiate.

"Gewährleistungs- und Schadenersatzansprüche gegenüber dem Originalhersteller bestehen natürlich nicht", erklärt Röer. Gegen den Verkäufer der Fälschungen bestehen aber zumindest Ansprüche auf Gewährleistung. "Sie lassen sich aber schwer durchsetzen, wenn der Anbieter im Ausland sitzt oder mit falschen Adressen arbeitet." Röer empfiehlt aber das Stellen einer Strafanzeige bei der Polizei, etwa wegen Betrugs. Denn: "Nachahmer stammen nicht nur aus China, wie gemeinhin angenommen, sondern auch aus Deutschland und anderen europäischen Ländern", betont Lacroix.

Plagiate gibt es oft auf Märkten. "An den Ständen vor Ort sollten Produkt und Verpackung ganz genau angeschaut werden", rät Lacroix. Ein schlechter Eindruck von Material und Verarbeitung, ein nicht korrektes Logo oder eine fehlende deutsche Gebrauchsanweisung sind Hinweise. "Aber Fälschungen sind äußerlich in den letzten Jahren besser geworden", warnt Alexander Dröge vom Markenverband in Berlin. Fälscher wissen, dass Verbraucher nach dem Aussehen kaufen.

"Das Internet ist der größte Vertriebskanal für Piraterie", sagt Dröge. "Piraten bilden hier die Originalprodukte ab, verschickt werden aber die Gefälschten." Lacroix empfiehlt, Bewertungen über den Shop zu lesen. Und wie wirkt die Seite? Sind die Beschreibungen fehlerhaft? Und der Preis? Ist er unrealistisch niedrig, sollte man Abstand vom Kauf nehmen.

Denn Preisdifferenzen von 50 Prozent und mehr zum Originalpreis haben einen Grund, wie Dröge betont. Wenn es sich nicht um den Räumungsverkauf handelt, könne es Piraterie sein. "Wenn das Produkt zusätzlich noch aus dem Ausland geliefert wird, sollte man sich spätestens dann sicher sein, dass dies für keinen deutschen Markenhersteller ein wirtschaftliches Geschäft bedeutet."

Wer sicher gehen will, kauft im stationären Fachhandel. "Hier kann man davon ausgehen, dass Originalprodukte der Hersteller verkauft werden", sagt Dröge. "Wer trotzdem online kauft, sollte sich auf die Seiten der großen Handelsfirmen begeben." Dort verkaufen seriöse Händler, gegen die man auch Regressansprüche geltend machen kann.

dpa


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