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Wohnen

Lebenslange Begleiter: Systemmöbel machen vieles mit

Sie machen alles mit: Häufiges Umziehen und veränderte Lebenssituationen. Nach dem Baukastenprinzip konzipierte Systemmöbel sind in Zeiten zunehmender Mobilität wieder gefragt.
Das Möbel aus dem System New Order von Stefan Diez für das Unternehmen Hay bietet nicht nur Stauraum. Seine oberste Ebene ist wie ein Tablett gestaltet.

Das Möbel aus dem System New Order von Stefan Diez für das Unternehmen Hay bietet nicht nur Stauraum. Seine oberste Ebene ist wie ein Tablett gestaltet.

© Hay/Rasmus Norlander

Berlin. Sie können immer wieder verändert und ergänzt werden.

Modulmöbel machen so jeden Wandel mit und begleiten den Nutzer oft durch das ganze Leben. Neben innovativen Lösungen bietet der Markt daher auch viele etablierte Podukte an, die schon lange auf dem Markt sind und zu wahren Klassikern geworden sind - und das vom Designer.

Zu den bekanntesten Beispielen gehört das Aufbewahrungssystem Haller der Firma USM Möbelbausysteme, schon 1963 entworfen von dem Architekten Fritz Haller. Aus Skandinavien stammt das vielseitige System String, welches der schwedische Architekt Nils Strinning 1949 entwickelt hat. Und von Designfans kultisch verehrt wird das 1960 erstmals produzierte Regalsystem 606 des deutschen Designers Dieter Rams.

Statt wie bei einem Smartphone alle zwei Jahre eine neue Version auf den Markt zu werfen, verkauft der Hersteller Vitsoe das 606-System seit den 60er Jahren unverändert. Das Londoner Unternehmen hat nur einige technische Änderungen vorgenommen, die ermöglichen, das Produkt etwas preisgünstiger zu produzieren.

Die Idee des Systemmöbels ist nicht auf Regale oder Kastenmöbel begrenzt. Rams hat auch seine Sitzmöbel modular konzipiert, sie lassen sich zu Zweisitzer- oder Dreisitzersofas zusammenbauen. Die Sessel gehören sogar zur Ausstattung des Berliner Kanzleramtes.

Um das 606-Regal wie auch das Sesselprogramm ist ein reger Gebrauchtmarkt entstanden, was Vitsoe-Geschäftsführer Mark Adams ausdrücklich begrüßt. Der Gegensatz von alt und neu widerspricht der Idee des Systemmöbels genauso wie die ständige Jagd nach Trends: "Wir sind extrem unmodisch, deshalb lieben uns die Modemacher in Paris."

Bei einem Systemmöbel kann der Nutzer wie ein Kind mit seinen Bauklötzen immer wieder neue Objekte bauen. Der Berliner Designer Werner Aisslinger hält gerade diesen Aspekt für wichtig: "Design liefert heute kein fertiges Produkt mehr, sondern bezieht den Nutzer mit ein." Mit seinem Möbelprogramm Bikini für den italienischen Hersteller Moroso erwirbt der Käufer verschiedene Wohnelemente, darunter Tisch, Hocker, Behälter, Regale und Sitzflächen. Ohne dass der Designer die Planung vorgibt, kann Nutzer mit den verschiedenen Modulen ganze Wohnlandschaften individuell kreieren.

Für seine Arbeit ADD für Flötotto hat sich Aisslinger mit Verbindungssystemen für immer wieder veränderbare Stücke intensiv beschäftigt: In fünf Jahren Entwicklungsarbeit ist ein neuartiger Verbindungsknoten entstanden. Der Knoten ermöglicht es, Böden und Profile per Klick zu Regal- oder Aufbewahrungssystemen zu verbinden.

Aisslinger sieht derzeit viel Veränderung beim Wohnen: "Gewisse Möbeltypologien haben aktuell einen schweren Stand, drohen zu verschwinden", erklärt der Designer. Bücher, Schallplatten Videokassetten und andere Medienspeicher verabschieden sich aus den Wohnzimmern. Statt einer kompletten Schrankwand reicht vielen Bewohnern daher heute ein Sideboard, darüber einige freischwebende Regalelemente. Mit Modulmöbeln lassen sich solche Veränderungen auffangen, ohne dass man sich gleich komplett neu einrichten muss.

Mit der veränderten Rolle des Stauraummöbels hat sich auch der Designer Stefan Diez aus München für sein Möbelsystem New Order für den dänischen Hersteller Hay beschäftigt. "Wir haben weniger Bücher, möchten aber nicht auf Ausstellungsfläche oder Lagermöglichkeit verzichten", erklärt der Designer. Daher verfügt sein Möbel nicht mehr nur über flache Regalböden, sondern hat auch ein Tablett als Abstellfläche. Damit ist es nicht nur ein Regal zum Verstauen, sondern vor allem ein Ordnungs- und Präsentationssystem.

Solche Systemmöbel treffen für viele Menschen, die möglichst flexibel im Job und Privatleben sein wollen, den Nerv der Zeit. Sie stehen für eine Abkehr von starren Einrichtungskonzepten und ermöglichen ein auf Mobilität angelegtes Wohnen. Trotz der Langlebigkeit vieler Ideen, liefern die Designer aber auch immer wieder neue Ansätze.

dpa


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