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Aha-Erlebnis: Polizei demonstriert Einbruch durchs Fenster

Es geschah am Karfreitag, etwa zwischen Nachmittag und frühem Abend. Ein Einbrecher machte sich an der massiven Holztür am Eingang der Wohnung einer 48-Jährigen zu schaffen.
Mit Hilfe eines stabilen Schraubenziehers gelingt es Einbrechern oft ganz leicht, ein geschlossenes Fenster von außen zu öffnen.

Mit Hilfe eines stabilen Schraubenziehers gelingt es Einbrechern oft ganz leicht, ein geschlossenes Fenster von außen zu öffnen.

© Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Main. Die Tür splitterte - doch der Einbrecher gelangte nicht in die Altbauwohnung in Frankfurt am Main.

Eine Woche später steht die Frau sichtlich aufgewühlt in der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in der Frankfurter Innenstadt und will wissen, wie sie sich schützen kann. An vielen größeren Orten in Deutschland macht die

Polizei solche Angebote. Wohnungseinbrüche sind für die Beamten ein Dauerbrenner: Die Zahl der Einbrüche steigt seit Jahren kontinuierlich.

 

"18 Jahre habe ich mich sicher gefühlt", sagt die 48-Jährige, die ihren Namen nicht nennen möchte. "Jetzt fühle ich mich nicht mehr sicher." Mit den Jahren sei sie unvorsichtig geworden, habe die Balkontüre im Hochparterre nicht mehr abgeschlossen. Inzwischen verriegele sie alles, sie wolle sich zudem ein weiteres Schloss in die Haustüre einbauen lassen. Oberkommissarin Manuela Lang erklärt, wie sie am besten einen zusätzlichen Riegel an der Altbautür anbringen kann.

Neben wenigen Bundesländern mit Rückgängen bei den Einbruchszahlen melden mehrere andere Länder für das Jahr 2014 wieder deutliche Anstiege - etwa Bayern um fast 30 Prozent oder Baden-Württemberg um fast 20 Prozent. Die offizielle bundesweite Zahl liegt noch nicht vor. Nach Berechnungen der Deutschen Presse-Agentur erfasste die Polizei insgesamt mehr als 152 000 Fälle. Das ist der höchste Wert seit 16 Jahren.

"Alle vier Minuten hat sich im Jahr 2013 laut Polizeilicher Kriminalstatistik in Deutschland ein Wohnungseinbruch ereignet. Pro Fall entstand ein Schaden von rund 4500 Euro", hieß es vor wenigen Tagen in einer Bund-Länder-Mitteilung. Die gute Nachricht: "Rund 40 Prozent aller Einbrüche bleiben im Versuchsstadium stecken, nicht zuletzt wegen Verbesserungen der

Sicherungsmaßnahmen."

 

Wie einfach es ist, mit einem handelsüblichen Schraubenzieher ein geschlossenes Fenster ohne Einbruchsicherung aufzuhebeln, beweist in der Frankfurter Beratungsstelle Oberkommissar Stefan Hantschmann. Innerhalb weniger Sekunden öffnet er ein zu Demonstrationszwecken aufgestelltes Fenster. Menschen, die er berät, lässt er auch ran - für das Aha-Erlebnis, wie er sagt. "Mehr als drei Handgriffe braucht niemand, um es aufzubrechen", sagt Hantschmann. Am Fenster direkt daneben würden sich wohl auch erfahrene Einbrecher die Zähne ausbeißen. "Nicht mal ich schaffe das", scherzt Hantschmann, der zu Übungszwecken schon viele Fenster und Türen aufgehebelt hat. Das Fenster hat eine spezielle Einbruchssicherung. Der Rahmen zeigt viele Spuren vom Schraubenzieher, doch aufgebrochen hat es noch niemand.

Rund 260 kriminalpolizeiliche

Beratungsstellen gibt es in Deutschland. "Jedes Polizeipräsidium hat eine", erklärt Hantschmann. "Wir beraten vorwiegend Einbruchsopfer." Leute, in deren Nachbarschaft eingestiegen wurde, kämen aber genauso wie Bauherren, die etwa einbruchshemmende Fenster oder Türen verbauen wollen. Die Beratung ist bundesweit in der Regel kostenlos.

 

Die Frankfurter Kommissare besuchen Menschen auch Zuhause - etwa 700 Mal im Jahr. "Wir schauen uns sämtliche Öffnungen des Objekts an", erklärt Hantschmann. Bei Einfamilienhäusern seien das Fenster, Türen oder Kellerschächte. Bei Wohnungen meistens die Eingangstüren. Was zu

Einbrüchen einlädt, ist den Beamten ein Dorn im Auge. "Wir stellen den Leuten dann verschiedene Varianten zur Sicherung dar - die auch preisgünstig sind", sagt Hantschmann.

 

Rund zehn Minuten braucht ein Einbrecher durchschnittlich für seine Tat. Deutlich länger dauert es, bis Einbruchsopfer sie verarbeitet haben. "Der psychische Schaden ist meist höher als der materielle", sagt Hantschmann. Die Bundesgeschäftsführerin der Opferschutz-Vereinigung Weisser Ring, Bianca Biwer, sagt: "Jeder Achte fühlt sich nach einem Einbruch in seinem Heim nicht mehr sicher und zieht um. Jeder Fünfte bis Sechste leidet langfristig unter Ängsten und psychosomatischen Belastungen."

Die 48 Jahre alte Frau aus Frankfurt hatte vor allem Angst, dass ein Krimineller nachts in die Wohnung einsteigen könnte. Die Frau freut sich über die Tipps von Polizistin Lang. Die Beamtin beruhigt sie und nimmt ihr die Sorge vor ungebetenen Gästen in der Nacht: "Einbrecher sind feige. Die wollen keinen Kontakt und nicht gesehen werden. Meist klingeln oder klopfen die, bevor sie sich Zugang verschaffen."

dpa


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