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Nummer sicher - Als Mercedes den neuen SL brachte

Schnell und begehrenswert war der SL schon immer. Doch als 1989 die Baureihe R 129 kam, startete Mercedes eine Komfort- und Sicherheitsoffensive. Damals ein Luxusliner, ist der Roadster heute ein bezahlbarer Klassiker.
Harter Allwetterschutz: Im Laufe der Modellhistorie baute Mercedes dem SL ein serienmäßiges Hardtop ein.

Harter Allwetterschutz: Im Laufe der Modellhistorie baute Mercedes dem SL ein serienmäßiges Hardtop ein.

© Daimler

Stuttgart. Aber die Preise steigen.

Sportwagen sind unvernünftig, unpraktisch und bei artgerechter Nutzung bisweilen auch ein bisschen gefährlich. Vor allem den offenen Varianten haftet seit jeher etwas Verruchtes an. Diesem Image zum Trotz startete Mercedes bei seinem Vertreter dieser Autogattung im Sommer 1989 eine Sicherheitsoffensive. Dem SL baute der Hersteller crashsichere Integralsitze ein und als erstem Auto überhaupt einen automatischen Überrollbügel.

Einerseits entfernte sich der Roadster damit weiter denn je vom Ideal des radikalen Sportwagens, für den das Kürzel SL bis dato stand. Auf der anderen Seite vermochte sich das Stahlgestell in nur 0,3 Sekunden über den Insassen aufzurichten und verbesserte so die Überlebenschancen auch bei einem Überschlag deutlich.

Aber der SL, dessen Design innen wie außen den nüchternen Schick der späten 80er Jahre hat, soll nicht nur der sicherste Roadster seiner Zeit sein. Schon damals setzte der schwäbische Hersteller auf Luxus: Das elektrische Verdeck - heute bis hinunter zum Kleinwagen-Cabrio Standard - ist damals noch ein Spektakel. Und das hinter der Rückbank aufstellbare Kunststoffnetz eine kleine Sensation. Denn der Windschott ist damals längst noch nicht üblich.

Doch wer beim Kürzel SL an die ursprüngliche Bedeutung "sportlich, leicht" denkt, der erlebt beim 129er womöglich eine größere Enttäuschung als bei jeder anderen SL-Generation. Selbst den SL 73 AMG mit 386 kW/525 PS bremst das hohe Gewicht aus, allein die Basisversion wiegt 1,7 Tonnen. Solide 230 km/h erreicht sie trotzdem.

Aber gerade die Eigenheit, als sei der R 129 nur eine offene S-Klasse, macht heute den Reiz des Roadsters aus. Das Fahrwerk ist weich statt knackig, die Sitze sind breit statt konturiert, die Lenkung alles andere als ein Präzisionsinstrument - anders als etwa bei den Konkurrenten von einst wie Porsche 911 oder Jaguar XJS.

Die Leistung im SL darf stets als ausreichend bezeichnet werden. So viel ist der Roadster seiner Rennsporthistorie dann doch schuldig. Deshalb muss man nicht zum 240 kW/326 PS starken 500 SL mit 5,0-Liter-V8 greifen, der am häufigsten produziert wurde und heute entsprechend die Gebrauchtwagenbörsen dominiert. Ebenso wenig muss es der V12 sein. Schon mit dem Sechszylinder in dem zwischen 1993 und 1998 angebotenen SL 320 ist man bestens bedient. Der Motor leistet 170 kW/231 PS und hat genügend Dampf.

Bei seiner Premiere im Jahr 1989 kostete der SL mindestens 99 180 D-Mark. Trotzdem ist der Wagen auf Anhieb so begehrt, dass Mercedes mit der Produktion bei einer Kapazität von 20 000 Fahrzeugen im Jahr kaum nachkommt. 25 Jahre später sind die Preise im Keller: Einzelne Exemplare mit hoher Laufleistung oder tiefgreifendem Tuning gibt es bereits für unter 10 000 Euro. Aber selbst Fahrzeuge ohne zweifelhafte Individualisierungen, mit fünfstelliger Laufleistung, wenigen Vorbesitzern und durchgestempeltem Scheckheft sind mit ein bisschen Glück noch für weniger als 20 000 Euro zu finden.

Doch die Preise steigen, heißt es beim Mercedes-Benz-R129-SL-Club in Stuttgart: "War es vor einigen Jahren noch relativ leicht, einen gut erhalten R 129 zu finden, wird die Suche zunehmend schwieriger", heißt es dort. Sorgen wegen Ersatzteilen muss man sich dabei nicht machen: In jeder Markenwerkstatt können sie wie für ein aktuelles Modell bestellt werden. Insgesamt produzierte Mercedes zwischen 1989 und der Premiere der Nachfolgebaureihe R 230 im Jahr 2001 knapp 205 000 Fahrzeuge. Damit ist der Roadster auch nach 25 Jahren noch lange keine Rarität.

dpa


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