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Der kleine Rebell - 30 Jahre Suzuki Swift

Wer an Liebhaber-Autos aus Japan denkt, dem kommen zuerst PS-Preziosen wie der Mazda Cosmo, der Toyota 2000 GT oder der Nissan 260Z in den Sinn. Aber der Suzuki Swift? In drei Jahrzehnten hat der Kleinwagen Karriere gemacht - und Freunde gefunden.
Aus heutiger Sicht ein Leichtgewicht: Der Suzuki Swift GTi (im Bild) wiegt nur 900 Kilogramm, das Basismodell der ersten Stunde sogar nur 700 Kilo.

Aus heutiger Sicht ein Leichtgewicht: Der Suzuki Swift GTi (im Bild) wiegt nur 900 Kilogramm, das Basismodell der ersten Stunde sogar nur 700 Kilo.

© Thomas Geiger

Bensheim. Deutschland Anfang der 80er Jahre: In den Hitparaden schwärmt Schlagersänger Markus von seinem 210 km/h schnellen Maserati, will Spaß und gibt Gas. Doch auf der Straße geht es sehr viel nüchterner zu: Das Benzin wird bleifrei, die erste Tempo-30-Zone wird eingerichtet, und Kleinwagen wie der VW Polo oder der Ford Fiesta stehen hoch im Kurs. Tennis-Star Steffi Graf posiert auf der Motorhaube eines Opel Corsa und nicht etwa auf dem ungleich schnittigeren Manta. Doch das Geschäft mit den Kleinwagen machen die deutschen Hersteller nicht alleine: 1983 feiert auf der Motorshow in Tokio als SA 310 ein kleiner Rebell aus Japan Premiere, dem eine lange Karriere bevorsteht: der Suzuki Swift.

Das Modell hat Suzuki in Kooperation mit General Motors entwickelt. Es gilt als erstes Japan-Auto, das nicht nur auf allen fünf Kontinenten angeboten, sondern dort auch gebaut wird. Die Exemplare für den deutschen Markt kommen seit 1996 aus Ungarn.

Nur 3,59 Meter lang und kantig gezeichnet, gab der Swift anfangs das nüchterne Minimal-Mobil, das weit entfernt ist vom Lifestyle-Image heutiger Kleinwagen. Während es das aktuelle Modell in dieser Hinsicht fast mit dem Mini aus dem BMW-Konzern aufnehmen kann, machte der erste Swift den Eindruck, als sei Design damals eine lästige Pflichtübung gewesen. Für einen Zweitürer zwar überraschend geräumig und für ein 10 495 D-Mark teures Auto nicht schlecht ausgestattet, wirkte der Auto-Zwerg aus Fernost ziemlich farblos. Das Cockpit: eine schwarze Kunststoffwüste mit großen Schaltern. Sogar für einzelne Scheibenwischer- und Lichtfunktionen gab es Taster.

Innen schon damals von gestern, war der Swift seiner Zeit unter der Motorhaube voraus. Das Basistriebwerk hat den Trend zum Downsizing drei Jahrzehnte vorweggenommen: ein Dreizylinder mit 1,0 Liter Hubraum und 37 kW/50 PS. Der brachte den gerade mal 700 Kilogramm schweren Wagen auf immerhin 140 km/h.

Praktisch und preiswert - das allein war Suzuki auf Dauer aber nicht genug. Zwei Jahre nach dem Modellstart reichte des Unternehmen die erste kräftige GTi-Variante mit 1,3-Liter-Vierzylinder und seinerzeit noch seltener 16-Ventil-Technik nach. Dieses 74 kW/101 PS starke Aggregat machte den Swift zu einem ganz anderen Kaliber: Aus dem Stand sprintete der GTi in 8,7 Sekunden auf Tempo 100, maximal waren 188 km/h drin - schließlich wog der Wagen nur 900 Kilogramm.

Wie groß ein kleines Auto sein kann, daran kann sich Gabriele Skade aus Weinheim noch gut erinnern. Sie zählt zu den Swift-Besitzern der ersten Stunde, hat in den frühen 80ern von ihrer Oma zum Abitur einen geschenkt bekommen und ihren alten Käfer dafür gerne weggegeben. "Das war kein Vergleich", erinnert sich Skade. "Gemessen an dem damals schon fast 20 Jahre alten Käfer war der Swift der reinste Luxus - mit Schiebedach, üppiger Ausstattung und sogar einem fünften Gang." Noch dazu war er viel sparsamer als ihr Käfer und so komfortabel, dass sie sich damit im Urlaub sogar bis nach Jugoslawien traute.

Inzwischen fährt Skade wieder ein Auto aus Wolfsburg. Ihr alter Swift machte so lange in der Verwandtschaft die Runde, bis er irgendwann auf dem Schrott landete. Schon der schönen Erinnerungen wegen würde sie sich am liebsten wieder einen alten Swift kaufen, schwärmt sie.

Das könnte schwierig werden, sagt Suzuki-Sprecher Jörg Machalitzky. Zwar sei das weder eine Frage der Langzeithaltbarkeit noch des Preises. Denn als Seriensieger beim TÜV-Report galt der Swift seinerzeit als zuverlässige Wahl. Und von einer Wertsteigerung wie bei Kult-Kleinwagen wie Fiat 500, Mini oder Citroën 2CV könne trotz des 30. Geburtstages und des Erreichens des H-Kennzeichens für Oldtimer keine Rede sein. Aber das Angebot ist ungeheuer dünn.

"Man muss schon verdammt lange suchen, bis man überhaupt ein passendes Auto findet", berichtet Machalitzky. Wer Glück hat und tatsächlich ein 30 Jahre altes Exemplar des Swift ergattert, hat eine echte Rarität in der Garage und wird zum stillen Star auf vielen Oldtimer-Treffen, sagt er: "Ein Swift mit H-Kennzeichen ist wahrscheinlich seltener als jeder Mercedes Flügeltürer."

dpa


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