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Zehnkampf auf der Überholspur - Detroit zeigt PS-Protze

Wer sagt denn, dass Sportwagen immer flach und eng sein müssen? Auf der Motorshow in Detroit beweisen die Aussteller das Gegenteil und zeigen sportliche Spezialisten in allen Klassen - sogar Lastwagen werden dort zu Leistungsträgern.
Ein V6-Benziner, zwei Turbolader und drei Elektromotoren verhelfen dem Honda NSX zu mehr als 405 kW/550 PS.

Ein V6-Benziner, zwei Turbolader und drei Elektromotoren verhelfen dem Honda NSX zu mehr als 405 kW/550 PS.

© Thomas Geiger

Detroit. Die Automobilindustrie probt den modernen Zehnkampf auf der Überholspur. Gab es früher für Fahrer mit schwerem Gasfuß kaum eine Alternative zum potenten Flachmann oder rassigen Roadster, wird mit dem Run auf die Nischen auch das Angebot an sportlichen Modellen immer vielfältiger. Nirgends sieht man das so deutlich wie auf der

Motorshow in Detroit (Publikumstage: 17. bis 25. Januar), wo sich die Bogen der Leistungsträger vom Kleinwagen bis zum Pick-up-Truck spannt. Fast wie in der Leichtathletik bietet die PS-Branche damit für jede Disziplin den richtigen Sportwagen.

 

Schon die ganz Kleinen machen in Detroit auf dicke Hose. Nicht umsonst hat BMW-Tochter Mini ausgerechnet die US-Messe für die Premiere des neuen John-Cooper-Works-Modells ausgewählt. Dessen 2,0-Liter-Motor leistet jetzt laut Hersteller 170 kW/231 PS, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 246 km/h.

Dass auch große und schwere Autos sportlich sein können, wird zum Beispiel an den Messeständen von Mercedes oder Ford deutlich: Der Stuttgarter Hersteller zeigt das neue GLE Coupé auch als AMG-Modell mit bis zu 430 kW/585 PS und feiert den Herausforderer des BMW X6 als "dynamischstes SUV in der Mercedes-Palette". Und bei Ford preschte bei der Premiere der neue F-150 Raptor mit quietschenden Reifen auf die Bühne.

Als Kreuzung aus Lastesel und Rennwagen ist dieser Pick-up der wahrscheinlich schrägste Sportler auf der Autoshow - und in Amerika traditionell ein Bestseller. Doch er steht auch für eine vorsichtige Trendwende: War der Vorgänger noch mit einem 302 kW/411 PS starken V8-Motor von 6,2 Litern Hubraum bestückt, fährt der neue F-150 Raptor mit einem 3,5 Liter großen V6-Turbo vor, erklärt Entwicklungsvorstand Raj Nair. "Und er bringt trotzdem deutlich mehr Leistung." Ob es allerdings tatsächlich mehr als 368 kW/500 PS sind, wie man auf der Messe munkelt, das wollte der Chef-Techniker nicht bestätigen.

Im Vergleich zu dem Pick-up-Giganten von Ford wirken Autos wie der neue Cadillac CTS-V oder der Lexus GS F fast schon zierlich - obwohl sie auch nicht ohne sind. Als Power-Limousinen mit V8-Motor und 477 kW/649 PS bei Cadillac oder 348 kW/473 PS bei Lexus tragen sie über ihren Muskelpaketen einen schicken Designer-Anzug und lassen sich die Kraft bestenfalls an großen Kühlergrills und der weit ausgestellten Karosserie ansehen. Vergleichsweise dezent gibt sich auch der überarbeite BMW M6 mit seinen 412 kW/560 PS.

Aufgemotzte Kleinwagen, Sportler im Smoking, Boliden für die Buckelpiste - all diesen neuen Nischenmodellen zum Trotz feiert auch der reinrassige Sportwagen in Detroit fröhliche Urständ und präsentiert sich in alter Frische. Aber selbst in diesem Segment gibt es gravierende Unterschiede: So gibt sich der neue Alfa Romeo 4C Spider, ein Leichtgewicht mit abnehmbarem Dachteil und 176 kW/240 PS starkem Vierzylinder im Heck, sehr puristisch. Der Ford GT dagegen macht mit mehr als 441 kW/600 PS Motorleistung, dem Design eines Kampfjets und Auspuffrohren mit dem Durchmesser eines Frühstückstellers auf brachialen Bösewicht. Ein Hybrid-Bolide ist Hondas neuer NSX: Bei dem Coupé geben ein V6-Biturbo-Triebwerk und drei Elektromotoren gemeinsam über 404 kW/550 PS frei.

So freudig die Amerikaner solche Leistungsträger in Detroit feiern, so widersinnig ist diese leidenschaftliche Liebe. Denn selbst bei Benzinpreisen auf einem historischen Tiefstand kann man die ganzen PS-Protze in den USA nicht so richtig genießen. Denn schneller als 85 Meilen oder 137 Kilometer pro Stunde darf man dort auf öffentlichen Straßen nirgends fahren. Und dafür braucht man nun wirklich keinen Sportwagen.

dpa


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