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Verkehr

Wilder Müll verdreckt Autobahnen - Entsorgung teuer

Müllberge an Raststätten, Plastikflaschen auf der Fahrbahn und überfüllte Mülltonnen: Illegaler Abfall belastet Straßenwärter an Autobahnen - und kann mitunter zur Verkehrsgefahr werden.
In diese Container soll der «Reisemüll», doch oft werden Dosen und Co. einfach an den Straßenrand geworfen.

In diese Container soll der «Reisemüll», doch oft werden Dosen und Co. einfach an den Straßenrand geworfen.

© Sebastian Kahnert

Sindelfingen. Autobahn-Raststätten machen Straßenwärtern richtig viel Arbeit. "Am schlimmsten sind die Röhrchen von den Fastfood-Restaurants", sagt Horst Erdmann, der an der A8 bei Sindelfingen eingesetzt ist. Der 49 Jahre alte Straßenwärter sammelt entlang von Autobahnen den wilden Müll ein, den Reisende gerade in der Ferienzeit aus dem Autofenster werfen. Übers Jahr gerechnet kommen in den Bundesländern mit wichtigen Verkehrsachsen Tausende Tonnen zusammen, deren Entsorgung Millionen kostet.

Dosen und Speisereste, aber etwa auch Windeln heben die Straßenwärter jede Woche vom Straßenrand auf, oft mühsam mit der Müllzange. Zwei Drittel aller Abfälle landen nach Einschätzung des Landesverkehrsministeriums an den Rastplätzen der baden-württembergischen Autobahnen nicht wie vorgesehen in den mit "Reisemüll" beschrifteten Abfalleimern.

Die Daten dazu nennt die baden-würrtembergische Verkehrs-Staatssekretärin Gisela Splett (Grüne): Insgesamt fielen jährlich 5000 Tonnen Müll an Autobahnen an - illegaler Abfall und der in den Müllbehältern. Das sei zusammengenommen eine Schlange aus Blech und Abfall von vier Kilometern Länge. In Nordrhein-Westfalen werfen Reisende jedes Jahr rund 6000 Tonnen Abfall weg, wie der Landesbetrieb Straßen.NRW mitteilte. Knapp fünf Millionen Euro fielen für die Entsorgung an.

In Baden-Württemberg kommen für die Entsorgung laut Ministerium etwa 3,5 Millionen Euro pro Jahr zusammen, davon entfallen 2,5 Millionen Euro allein auf den illegal entsorgten Müll - unter anderem wegen eines hohen Personalaufwandes bei den Straßen- und Autobahnmeistereien. Wilder Müll koste die Steuerzahler bares Geld, das an anderer Stelle wesentlich sinnvoller eingesetzt werden könnte, sagt die Grünen-Politikerin, die ein Umdenken in der Gesellschaft fordert.

Der kleinste Müll mache die größten Probleme, sagt Straßenwärter Erdmann, der mit Kollegen sechs Rastanlagen an der A8 betreut. Zwei Tage pro Woche müssen sie die Rastanlage Sindelfinger Wald sauber halten. Da bleibe nur noch wenig Zeit für die anderen Aufgaben, klagt Straßenwärtermeister Moritz Michel. Eigentlich sollen sie den Rasen am Rande der Fahrbahn und die Grünstreifen stutzen sowie Fahrzeuge Instand halten.

Sorglos aus dem Autofenster geworfener Müll kann außerdem zu einer Gefahr im Verkehr werden. Ein Szenario, das gar nicht selten zu brenzlichen Situationen auf den Autobahnen führen könne, erklärt der Verkehrsexperte aus dem Ministerium in Stuttgart, Erwin Aichele. Ein Auto könne eine Plastikflasche beispielsweise beim Überfahren in hohem Bogen über die Fahrbahn schleudern, und die Unfallgefahr steige.

Für den Automobilclub ACE ist das achtlose Wegwerfen ein gesellschaftliches Phänomen. "Man darf nicht allen Autofahrern die Schuld dafür geben, dass die Raststätten vermüllt sind", sagt Sprecher Rainer Hillgärtner. Das sei ein Produkt der Wegwerfgesellschaft. Straßenwärter Erdmann sagt es so: "Fenster auf und raus - das ist cool."

dpa


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