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Vernetzte Autos: Wenn Tankstellen um den Fahrer buhlen

Wenn Autos ans Internet angeschlossen sind, können aus simplen Daten lukrative Geschäftsmodelle entstehen. Die Autobranche sieht sich dabei im Wettbewerb mit Online-Firmen wie Google.
Wüssten Tankstellen, wann bei Autos der Tank leer wird, könnten sie mit speziellen Angeboten reagieren. An der nötigen Plattform wird bereits gearbeitet.

Wüssten Tankstellen, wann bei Autos der Tank leer wird, könnten sie mit speziellen Angeboten reagieren. An der nötigen Plattform wird bereits gearbeitet.

© Karl-Josef Hildenbrand

Berlin. Wenn der Treibstoff zur Neige geht, muss man zur Tankstelle - daran wird sich auch in Zeiten vernetzter Autos zunächst einmal nichts ändern. Die Entscheidung, bei welchem Anbieter man den Zapfhahn ansteuert, könnte in Zukunft aber anders als heute getroffen werden.

Der IT-Riese IBM entwickelte für die Autobauer eine Plattform, mit der solche Dienste kommerzialisiert werden können. Zum Beispiel könne ein Tankstellen-Betreiber dem Kunden nach dem Tanken einen Coupon für einen Kaffee schicken, erläutert der zuständige IBM-Manager Dirk Wollschläger. Mehr noch: Erkennt das Auto anhand der benutzten Isofix-Halterung, dass ein Kindersitz angeschlossen ist, könnte auch der Saft günstiger angeboten werden.

"Viele Leute kaufen dann auch einen Schoko-Riegel oder Kaffee dazu, was ein margenstarkes Geschäft für die Tankstellen ist", sagt Wollschläger. Zudem würde die Plattform die Daten im Tankstellen-System im Blick behalten, so dass Kunden nicht zu einer überfüllten Tankstelle geleitet werden und dann dort in der Schlange stehen müssen.

Einen solchen Dienst würden die Autobauer vermarkten, betont der IBM-Manager. Das könnte auch erklären, warum es aus der deutschen Autobranche immer wieder mal heißt, Google werde die Daten der Tankanzeige nicht bekommen. Auch nicht für die Software-Plattform Android Auto, die für eine bessere Integration von Smartphones mit dem Google-Betriebssystem ins Auto sorgen soll. Beim Internet-Konzern beteuert der für Android Auto zuständige Manager Patrick Brady allerdings, Google habe gar nicht vor, Geschäft mit Tankstellen-Vermittlung über die Navigationsanlage zu machen.

"Wenn man einen Dienst für die Interessen der Werbekunden optimiert, vernachlässigt man den Nutzer", warnt der Google-Mann. Das sei der falsche Weg. Dem Konzern gehe es bei seinem Interesse am Tank-Füllstand nur um Navigation. "Wenn Google wüsste, dass die Tankanzeige niedrig ist, könnte die Route entsprechend berechnet werden", sagt Brady. "Die Leute sehen ja, wo die Tankanzeige steht - aber sie müssen dann selbst nach einer Tankstelle zu suchen." Bei Elektrofahrzeugen werde das noch viel wichtiger sein, da die Ladestationen seltener seien und das bei der Routenplanung berücksichtigt werden müsse. Insgesamt aber gehe es Google bei Android Auto darum, Informationen aus dem Internet ins Auto zu bringen, statt Fahrzeugdaten abzugreifen, versichert Brady.

Die Autohersteller werden unterdessen mit ihren Ideen für Geschäftsmodelle im vernetzten Auto immer mutiger. Auf der Automesse IAA im September konnte man zum Beispiel den Eindruck gewinnen, Daimler wolle neben dem Autobau auch noch Google bei der Datenanalyse in den Schatten stellen.

"Ihr Mercedes kennt ihren Arbeitsweg, Ihren Fahrstil, Termine, Musikgeschmack", zählte Konzernchef Dieter Zetsche in Frankfurt auf. All diese Informationen wolle Daimler noch besser vernetzen. "Allein der Autositz könnte selbstständig einige Vitaldaten seines "Besitzers" checken. Und so unterwegs zum Physiotherapeuten werden", beschrieb er eine Zukunftsvision.

Dabei ließ sich der Auto-Manager auch einen Seitenhieb gegen die Internet-Konkurrenz nicht nehmen. Daimler verdiene sein Geld weiterhin vor allem mit dem Fahrzeug-Verkauf: "Kunden bezahlen unsere Produkte mit Geld, nicht mit persönlichen Daten. Anders als manche IT-Unternehmen sind wir deshalb nicht darauf angewiesen, aus den Daten Profit zu schlagen."

Der Datenschutz könnte ein wichtiges Differenzierungs-Merkmal werden, ist auch IBM-Manager Wollschläger überzeugt. Dabei gebe es erhebliche kulturelle Unterschiede zwischen Europa und den USA. Ein Kollege habe ihm erzählt, wie das Auto ihm in Kanada anbot, die nächste Abfahrt zu nehmen, weil es dort in einem Laden einen Artikel gab, den er sich zuvor im Internet angesehen hatte. "Er war begeistert, hier würden das viele völlig unmöglich finden."

dpa


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