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Verkehr

Unfallzahlen steigen - Wie gefährlich sind E-Bikes?

Mit wenig Kraftaufwand und nicht verschwitzt ans Ziel zu radeln - das klingt verlockend. Kein Wunder, dass Pedelecs und E-Bikes immer beliebter werden. Andererseits steigt die Zahl der Unfälle mit diesen Rädern.
E-Bikes werden immer beliebter. Neulinge sollten sich erstmal an das neue Fahrgefühl gewöhnen. Ein paar Übungsrunden auf einem Parkplatz sind durchaus sinnvoll.

E-Bikes werden immer beliebter. Neulinge sollten sich erstmal an das neue Fahrgefühl gewöhnen. Ein paar Übungsrunden auf einem Parkplatz sind durchaus sinnvoll.

© Rainer Jensen

Berlin. Wie gefährlich ist Radfahren mit Motor?

Pedelecs sind Räder mit einem Motor, der die Zweiräder bis zu 25 Kilometer pro Stunde schnell macht. E-Bikes, die weit weniger verbreitet sind, erreichen ein höheres Tempo und müssen deshalb ein Nummernschild tragen und auf der Straße fahren. Elektrische Räder sind bei Älteren beliebt, aber nicht mehr nur ein Rentner-Phänomen: "Immer mehr Menschen über 30 interessieren sich dafür - für ihren Arbeitsweg mit dem Fahrrad, damit sie nicht mehr verschwitzt im Büro ankommen", sagt der Münchner Fahrrad-Fachverkäufers Hans Gröss.

Pedelecs waren 2014 bundesweit in rund 3700 Unfälle mit Verletzten verwickelt, wie aus einer Statistik des Automobilclubs ACE hervorgeht, die sich auf Daten des Statistischen Bundesamts stützt. 59 Menschen starben demnach, 1178 verletzten sich schwer. Die meisten Unfälle gab es im Mai und im Juni. Vergleichszahlen werden erst in einem Jahr vorliegen.

Für einige Bundesländer gibt es schon eine Tendenz: Im großen Flächenland Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Verletzten bei solchen Unfällen von 322 im Jahr 2012 auf 714 im Vorjahr. In Bayern gab es 2014 370 Unfälle mit Pedelecs, 60 mehr als im Vorjahr. In Brandenburg gab es im vergangenen Jahr 38 Unfälle, zehn mehr als 2013. Die meisten Personen seien 45 Jahre und älter gewesen, sagt ein Polizeisprecher. In Bremen waren unter den sechs Schwerverletzten fünf älter als 65.

Dass die Zahlen zum Teil sprunghaft gestiegenen sind, spiegelt die große Nachfrage nach den motorisierten Rädern. Laut dem Zweirad-Industrie-Verband gingen 2014 480 000 E-Bikes über den Ladentisch, 70 000 mehr als im Jahr zuvor. 95 Prozent aller verkauften E-Bikes waren Pedelecs. Inzwischen sei jedes zehnte verkaufte Rad in Deutschland eines mit Elektroantrieb. 2,1 Millionen E-Bikes sollen mittlerweile auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Doch wie gefährlich sind diese Fahrräder?

"Laut statistischen Erhebungen ist das Risiko, bei einem Pedelec-Unfall ums Leben zu kommen, viermal höher als bei Unfällen mit herkömmlichen Rädern", sagt Constantin Hack vom ACE. Die Entwicklung der Unfallzahlen gebe durchaus Anlass zur Besorgnis. Trotzdem: "Diese Räder gehören zu unserer modernen Verkehrswelt, sie haben ihre Zukunft noch vor sich." Hack forderte deshalb mehr Unfallprävention.

Die Bedenken des ACE teilt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) nicht. "Die Menschen, die regelmäßig Rad fahren, sind auf Pedelecs mit einer ähnlichen Reisegeschwindigkeit unterwegs wie Menschen auf herkömmlichen Rädern", betont Sprecher René Filippek. Ältere Menschen verletzten sich bei Stürzen genauso schwer wie auf Rädern ohne Elektroantrieb.

Untersuchungen bestätigen den ADFC zum Teil. Laut der Technischen Universität Chemnitz sind E-Bikes zwar deutlich schneller und Pedelecs geringfügig schneller unterwegs als Fahrräder ohne Antrieb. Trotzdem kämen selbst E-Bike-Fahrer nicht häufiger in gefährliche Situationen als Räder ohne Motor. Die Deutsche Polizeihochschule kommt nach einer Auswertung von Unfallzahlen aus Baden-Württemberg zu einer ähnlichen Einschätzung. Allerdings seien die Folgen bei Unfällen mit Pedelecs schwerer.

 

Zahlen und Fakten zu E-Bikes und Fahrrädern:

 

- Rund 32,1 Millionen Fahrräder gab es 2013 in deutschen Haushalten, zehn Jahre zuvor waren es 29,8 Millionen.

- 3,73 Millionen Fahrräder und E-Bikes kamen 2014 neu auf den Markt.

- 2,14 Millionen Fahrräder und E-Bikes wurden 2014 in Deutschland produziert.

- 480 000 E-Bikes wurden 2014 verkauft. Das entspricht etwa 12 Prozent aller Räder, für 2015 wird ein Anteil von 15 Prozent erwartet. Größte Käufergruppe laut Industrie: ältere Radfahrer.

- 71 066 Radfahrer wurden 2013 bei Unfällen verletzt (zum Vergleich 1970: 40 531), 354 wurden getötet (1970: 1835).

- Laut Automobilclub ACE werden nur 40 Prozent der Radunfälle von der Polizei erfasst.

- Nur 15 Prozent aller Radfahrer (2013) trägt laut Bundesanstalt für Straßenwesen einen Helm; bei den 6- bis 10-Jährigen sind es drei Viertel.

dpa


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