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Oldies im Eis: So kommen betagte Autos gut durch den Winter

Mit dem Oldtimer im Winter zu fahren, ist für manche Sammler ein Sakrileg. Doch mit der richtigen Vorbereitung überstehen Klassiker auch die kalte Jahreszeit. Spritztouren in Eis und Schnee können allerdings auch für den Fahrer gefährlich werden.
Eine gründliche Wagenwäsche bereitet den Oldtimer für Spritztouren im Winter vor.

Eine gründliche Wagenwäsche bereitet den Oldtimer für Spritztouren im Winter vor.

© Klaus-Dietmar Gabbert

München. Oldtimer zählen zum sogenannten mobilen Kulturgut. Grundsätzlich bedeutet das, dass sie fahren und nicht stehen sollen. Doch gilt das auch im Winter?

"Na klar! Auch Fahrzeuge, die älter als 40 Jahre alt sind, lassen sich im Winter fahren". Das findet Eckhart Bartels, Vizepräsident im Deuvet - Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge. "Grundsätzlich spricht nichts gegen den Winterbetrieb von Young- oder Oldtimern", sagt auch Oliver Runschke vom ADAC. "Schließlich sind diese Fahrzeuge bis vor einigen Jahren als Alltagsautos im Einsatz gewesen."

Damit Schnee und Eis die Klassiker nicht ruinieren, müssen Besitzer ihre Young- und Oldtimer aber gründlich auf den Winter vorbereiten. Am Anfang steht dabei eine gründliche Wagenwäsche, gefolgt von einer intensive Politur mit einer anschließenden Lackversiegelung, rät die Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ). Damit glänzt das Blech nicht nur, sondern Regentropfen und Schneeflocken perlen besser daran ab. Kleine Lackschäden behandelt man am besten sofort mit einem Lackstift - so kann Rost erst gar nicht entstehen.

Nach der Wagenwäsche ist ein Blick unter die Motorhaube Pflicht. Neben dem obligatorischen Öl- und Wassercheck sollten Winterfahrer hier vor allem die Ritzen und Ablauflöcher ihres Autos anschauen. Sind sie durch Laub und Dreck verstopft, sucht sich Wasser bei Regen einen anderen Weg - meistens in den Innenraum des Autos. Auch die Zwischenräume der Gummidichtungen am Kofferraum dienen als Ablauf. Sie sollten ebenso frei bleiben und werden bestenfalls poliert.

"Elektrische Bauteile wie Anlasser, Lichtmaschine, Regler und die gesamte Bordelektrik überprüft man möglichst vor dem Winter, dann passiert so schnell auch nichts", rät Eckhart Bartels. Schwache Akkus lassen sich laden, ganz schwache Akkus werden entweder gleich getauscht oder mit Batterie-Refreshern wieder auf Vordermann gebracht. Bartels empfiehlt nach fünf Jahren den Tausch der Batterie. Ein selbstgebauter Styropor-Kasten schützt den Akku vor dem frühzeitigen Kältetod.

Falls der Klassiker bei Schnee bewegt wird, braucht er wie jedes andere Auto Winterreifen. Die sollten auch an einem Klassiker nicht zu viele Jahre auf dem Buckel haben: "Reifen, die älter als zehn Jahre sind, werden sehr hart und sind nicht wintertauglich", sagt Bartels.

Ein wenig Extrapflege haben auch alle mechanischen Bauteile im Auto verdient: Türscharniere, Haubenentriegelung, Fangbänder, Schlösser und Radnaben freuen sich über Kriechöl oder Korrosionsschutz-Fett, Chromteile über Paraffin oder Schutzwachs. "Für Chromteile gibt es schützende Fettcremes. Im Frühjahr lassen die sich leicht wieder abwischen", sagt Bartels. Eine Nano-Versiegelung für die Scheiben lässt keinen Dreck und keine Schlieren zu. Und gegen Risse in den Gummi-Elementen an Scheiben oder Türen helfen spezielle Pflegestifte, aber auch Hirschtalg, Glycerin und Fett.

Bei älteren Fahrzeugen befindet sich am Luftfilter ein Hebel für den Winterbetrieb. Damit wird permanent die warme Luft im Motorraum angesaugt und nicht die kalte vor dem Kühler. So wird der Motor schneller warm. Kurzstreckenfahrten und Kaltstartbetrieb sollten Oldtimer-Besitzer wenn möglich aber trotzdem vermeiden. Sonst drohen hoher Lagerverschleiß und Kondenswasser im Öl.

Bleibt noch der Unterboden. ADAC und Deuvet empfehlen vor dem Wintereinsatz, den Unterbodenschutz und die Hohlraumversiegelung zu überprüfen. "Wenn der sauber ist, hilft eine Wachsversiegelung", sagt Bartels. Wer seinen Klassiker länger fahren möchte, setzt idealerweise auf eine vollständige Hohlraumkonservierung mit Fett.

Die vielleicht größte Gefahr droht Oldtimern aber gar nicht durch Eis und Schnee, sondern durch das dazugehörige Streusalz. Schließlich sind Klassiker oft anfälliger für Rost als neuere Autos. Spätestens wenn Kommunen ihre Streufahrzeuge losschicken, sollten Sammler ihre Schätzchen in der Garage parken.

Und schließlich sollten Winterfahrer immer bedenken, dass durch Schnee und Eis nicht nur der Technik im Auto Gefahren drohen. "Zu beachten sind im Winterbetrieb die im Vergleich zu modernen Fahrzeugen fehlenden und mittlerweile selbstverständlich gewordenen Assistenzsysteme", sagt ADAC-Experte Ruschke. Die Fahrt ohne ABS und ESP wird schnell zur Rutschpartie - da hilft die beste Pflege nichts.

dpa


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