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Mit dem Gitter aus der Krise? VW-Umrüstungsplan verblüfft

Beendet ein kleines Kunststoffgitter den Abgas-Skandal? Mitnichten. Es gibt einen Haken, meinen Branchenkenner.
Ein Gitter soll das Abgas-Problem bei VW beheben.

Ein Gitter soll das Abgas-Problem bei VW beheben.

© Julian Stratenschulte

Wolfsburg (dpa) - Im Grunde ist es nur eine Kleinigkeit. Doch bei VW in Wolfsburg sind sie in diesen Tagen sogar ein bisschen stolz auf das kleine Gitternetz. Nach Wochen des Abgas-Skandals ist das nicht alltäglich.

"Es erscheint recht simpel, jetzt so ein Gitter einzubauen, aber es war doch komplizierter, es zu erfinden". So erklärt das VW-Techniksprecher Pietro Zollino. Mit "modernsten Simulationsmethoden" sei es den VW-Ingenieuren dennoch gelungen. Endlich kann VW mal wieder einen Erfolg verkaufen - auch wenn es nur ein schlichtes Plastikrohr ist.

Verglichen mit der Zeit vor dem Abgas-Debakel klingt das immer noch recht bescheiden. Da ließen die VW-Verantwortlichen beinahe keine Gelegenheit aus, die hohe Ingenieurskunst der Wolfsburger Entwickler hervorzuheben und VW als Vorreiter der gesamten Branche zu präsentieren. Jetzt ist es ein kleines Gitternetz, das VW zumindest ein Stück dieses Selbstbewusstseins zurückgeben soll. Aber kann der sogenannte Strömungsgleichrichter die Erwartungen erfüllen?

"Es wundert mich natürlich schon, dass ein so einfaches Teil jetzt die Lösung sein soll", sagt Motorenexperte Jörn Getzlaff von der FH Zwickau. "Aber es ist schon möglich." Laut Volkswagen hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Umbaupläne bereits bestätigt. Sie müssen nun noch endgültig für jedes einzelne Modell abgenommen werden, heißt es aus dem KBA.

Was macht dieser Strömungsgleichrichter eigentlich?

Es handelt sich bei dem Teil um ein kleines Gitter, dass die verwirbelte Luft, die durch den Luftfilter Richtung Motor strömt, sozusagen in Ordnung bringt. Deshalb könne der sogenannte Luftmassenmesser genauere Ergebnisse liefern, erklärt der VW-Sprecher. Und das wiederum soll dazu führen, dass die Motorsteuerung das laufende Aggregat besser abstimmen und damit auch den Stickoxidausstoß senken kann.

Aber wo ist der Haken?

"Wenn sich die Stickoxidwerte verbessern, muss sich mindestens ein anderer Wert verschlechtern", ist Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sicher: "Alles andere wäre die Quadratur des Kreises." Auch Motoringenieur Getzlaff hält das für sehr wahrscheinlich: "In erster Linie könnte der Verbrauch steigen."

Das könnte für VW aber zu neuen Problemen führen. "Es gibt Urteile, die besagen, der Verbrauch auf dem Prüfstand darf nicht um mehr als zehn Prozent über dem Wert liegen, den der Hersteller angibt", sagt Getzlaff. "VW wird versuchen, in diesem Rahmen zu bleiben." VW-Chefsprecher Hans-Gerd Bode verbreitet jedenfalls Optimismus: "Wir können es erst zu jedem Motor sagen, wenn wir jedes einzelne Auto geprüft haben. VW sei "dem Ziel, keinen Mehrverbrauch oder gar Leistungseinbußen zu haben, nahe."

Würde VW das schaffen, dürfte es eine billige Lösung für VW werden. Getzlaff schätzt die Kosten für den Strömungsgleichrichter auf "deutlich unter einem Euro". Experte Dudenhöffer hat bereits errechnet, dass VW weniger als 500 Millionen Euro Kosten für die Umrüstung der 1,6- und 2,0-Liter-Motoren schultern müsste. Das läge deutlich unter den 6,7 Milliarden Euro, die VW für die gesamten Kosten der technischen Lösung für die betroffenen rund 11 Millionen Autos zurückgelegt hat.

Branchenkenner Frank Schwope von der Nord LB gibt allerdings zu bedenken, dass die größte finanzielle Bedrohung für VW nach wie vor von den Rechtsrisiken ausgeht: mögliche Strafzahlungen und Klagen von Verbrauchern und Aktionären. Dagegen fallen die bevorstehenden Kosten für die technische Umrüstung voraussichtlich eher weniger ins Gewicht.

Zudem sollen die vorgestellten Umbaumaßnahmen nur Autos in Europa auf gesetzeskonforme Abgaswerte bringen. Für Nordamerika muss VW eine eigene Lösung entwickeln und da - das deuteten die Konzernsprecher bereits an - könnte es noch etwas kniffliger werden, denn dort sind die Grenzwerte noch einmal strenger als in Europa. Die Frage ist, welchen Stickoxidausstoss die betroffenen Autos auf den Prüfstand bringen, wenn die Manipulations-Software abgeschaltet ist. Dann ließe sich zumindest erahnen, ob sich das Abgasproblem in den USA überhaupt mit einer Umrüstung lösen lässt. Doch dazu schweigt VW bislang.

dpa


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