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Verkehr

Mehr als Trabi und Wartburg: Ost-Autos sind Klassiker

Als vor 25 Jahren die Mauer fiel, ist nicht nur das Land über Nacht größer geworden - auch der Fuhrpark hat sich verändert. Im Osten gab es mehr Autos als Trabant und Wartburg.
Umfirmiert: Das rot-weiße Logo des Eisenacher Motorenwerks erinnert nicht von ungefähr an die BMW-Vergangenheit der Autofabrik am Fuß der Wartburg.

Umfirmiert: Das rot-weiße Logo des Eisenacher Motorenwerks erinnert nicht von ungefähr an die BMW-Vergangenheit der Autofabrik am Fuß der Wartburg.

© Thomas Geiger

Berlin. Allerdings waren die so selten, dass sie heute gesuchte Oldtimer sind.

Wenn es ein Auto der Einheit gibt, dann war das der Trabant. Denn so, wie kurz nach dem Mauerfall am 9. November 1989 vor allem Gebrauchtwagen aus Japan und Korea Deutschlands Osten überschwemmten, eroberte die von 1955 bis 1991 gut drei Millionen mal gebaute "Pappe" aus Zwickau den Westen. Und damit prägte der Trabi in den alten Bundesländern ein Bild, das historisch alles andere als korrekt ist, sagt der Berliner Autoexperte Hans-Ulrich Leps.

"Der Fuhrpark der DDR bestand beileibe nicht nur aus dem Trabant", betont Leps, der sich in der Fahrzeugsammlung Brunner in Harnekop (Brandenburg) engagiert. Zum Beweis rattert er mehr als ein Dutzend Firmen und Kombinate herunter, die den Osten in Fahrt gebracht haben.

Barkas, Robur, Multicar, Schwalbe oder Simson und die Fahrzeugwerke in Schönebeck, Ludwigsfelde und Zschopau - zwar sind darunter auch zahlreiche Hersteller von Traktoren oder Transportern, Fabriken für motorisierte Zweiräder sowie Bus- und Lkw-Bauer. Doch neben dem Trabant und seinem etwas moderner wirkenden Konkurrenten Wartburg hat es in der DDR noch eine Reihe weiterer Automarken gegeben, sagt Leps. Ganz zu schweigen von dem knappen Dutzend Importeure aus den sozialistischen Bruderstaaten wie Lada und Zil aus Russland, Dacia aus Rumänien und Skoda aus der damaligen Tschechoslowakei.

"Die vergleichsweise überraschende Vielfalt ist vor allem in der automobilen Landkarte zum Ende des Zweiten Weltkriegs begründet", erklärt Leps: Dort, wo vor dem Krieg schon Autos gebaut wurden, hat man die Produktion auch danach wieder aufgenommen. "Mit alten Konstruktionen, aber unter neuem Namen und natürlich unter neuer Regie", so Leps. Aus der BMW-Fabrik am Fuß der Wartburg wurde so das Eisenacher Motorenwerk (EMW) mit weiß-rotem Markenlogo statt des weiß-blauen Propellers, wo in den Nachkriegsjahren Autos wie der 327 und der 328 entstehen. Und dass der Wartburg 311 unter dem Blech ähnlich gestrickt ist wie der DKW Junior liegt daran, dass beide auf den DKW F9 zurückgehen, der schon vor dem Krieg in Zwickau entwickelt wurde.

Die Ingenieure im Osten entwickeln aber nicht nur Vorkriegsmodelle weiter. Sie konstruieren auch völlig neue Fahrzeuge - technisch wegweisend wie der Sachsenring P70 mit Plastikkarosserie aus kunstharzgetränkter Baumwolle und repräsentativ wie der Sachsenring P240 aus den ehemaligen Horchwerken in Zwickau. Sportlich wie die Rennwagen von Melkus aus Dresden und stilistisch einzigartig wie der P240 Repräsentant. "Dieses kantige Cabrio wurde nur entwickelt, weil unseren Polit- und Militärgrößen das richtige Auto für Paraden gefehlt hat", sagt Klassiker-Spezialist Leps und berichtet von einer kleinen einstelligen Produktionszahl. "Damit hat dieser offene Prunkwagen das Zeug zum seltensten Auto in der DDR-Geschichte."

Ob IFA F8, Wartburg 311, 312 und 313 oder der für den Privatgebrauch viel zu noble und deshalb vor allem für Behörden und Taxen reservierte EMW 340 - rar sind die Autos aus dem Osten inzwischen alle. Dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) zufolge waren von den 1993 gezählten 920 162 Trabis Anfang 2014 noch 32 211 Exemplare zugelassen und von den 403 000 Wartburg-Modellen noch 7000. Dazu meldet das KBA für 2013 einen Bestand von 3366 VAZ (Lada), 1189 Skoda, 537 Barkas, 488 Dacia, 370 Moskwitsch, 261 Wolga, 148 Tatra und 111 Saporoshez.

Wer heute sehen will, was damals durch den Osten rollte, muss dafür zumeist in die neuen Bundesländer fahren. "Der Trabant ist zwar mittlerweile im Westen genauso bekannt und beliebt wie im Osten", sagt Thomas Enders vom Trabi-Club "Blaue Wolke Mittelhessen". Aber außer der "Pappe" haben sich im Westen nur wenige Ost-Oldtimer in der Sammlerszene etabliert. Und auch in den dortigen Museen spielen die Modelle aus den einstmals Volkseigenen Betrieben nur eine Nebenrolle.

In Thüringen oder Sachsen etwa sieht das aber ganz anders aus: Die Automobile Welt Eisenach widmet sich den Modellen im Zeichen der Wartburg. In Zwickau erzählt das August Horch Museum, warum die Wurzeln von Audi bis in den Osten reichen. Und in Harnekop hat Galina Brunner in einem alten Atombunker 200 Fahrzeuge zusammengetragen.

Auch bei privaten Sammlern stehen EMW, IFA, Wartburg & Co. hoch im Kurs, sagt DDR-Oldtimer-Spezialist Leps. So teuer wie ein Mercedes Flügeltürer oder ein Porsche 911 aus den ersten Jahren seien diese Autos zwar noch nicht. "Doch für Modelle wie den F8 oder den EMW 340 muss man heute mehr bezahlen, als für einen neuen Mittelklassewagen. Und ein 328 hat locker den Wert eines kleinen Einfamilienhauses - zumindest wenn es in Magdeburg und nicht in München steht."

dpa


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