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Laut und tief ist out - Autotuning im Wandel

Tieferlegungssätze und Sportauspuff machten vor einigen Jahren aus Alltagsautos Rennwagen - zumindest in den Augen mancher Betrachter. Doch Tuning ist heute mehr als ein frisierter Motor und eine voll aufgedrehte Bass-Box.
Sternenflotte: Der Bottroper Tuner Brabus widmet sich seit fast vierzig Jahren der Marke Mercedes. Foto: Brabus

Sternenflotte: Der Bottroper Tuner Brabus widmet sich seit fast vierzig Jahren der Marke Mercedes. Foto: Brabus

Wummernde Bässe, tiefergelegte Karosserien, breite Reifen - getunte Autos fallen auf. Doch Tuning ist heute mehr als dunkle Folien und große Spoiler. In 40 Jahren Tuning-Geschichte haben sich Ansprüche und Trends deutlich gewandelt.

"Tuning ist ein schönes Wort. Früher wurden Motoren getunt, dass die Schwingungswellen sich verbesserten und der Motor schöner klang. Wie bei einem Klavier. Nur, dass der Motor danach mehr Leistung hatte", sagt Paolo Tumminelli, Designprofessor an der TH Köln. Für den Wissenschaftler wandelte sich das Tuning in den vergangenen vier Jahrzehnten maßgeblich, so dass er es in drei Epochen unterteilt: Tuning zum Fahren (Motortuning), zum Zeigen (Karosserietuning) und zum Erleben (Licht-, Material- und Soundtuning).

In den 60er und 70er Jahren lag der Schwerpunkt auf technischem Tuning. Mechaniker frisierten Motor, Vergaser und Auspuff und bauten Spoiler, um Leistung, Sound und Fahrverhalten zu steigern. Auch optisches Tuning mit Breitreifen und Spoiler kam in Mode. Den Höhepunkt feierte das optische Tuning in den 80er und 90er Jahren. Breitbau-Karosserien, Tieferlegungen und Tönungsfolien sollten aus biederen Kompaktwagen heiße Kisten machen.

Vor ein paar Jahren lief dieser Trend aus, ausgenommen der großen Felgen. Aktuelles Tuning, die dritte Epoche nach Tumminelli, setzt mehr auf Charakter. Dazu zählt der Forscher den Wunsch nach individueller Beleuchtung innen wie außen, Soundanlagen, spezielle Lackierungen wie Thermo-Lacke und Lederpolster mit besonderer Prägung.

Unverändert beliebt sind laut Verband der Automobil Tuner (VDAT) Sonderräder, Fahrwerksteile und Sportauspuffanlagen. Dazu kommen Motoroptimierung und Komplettfolierungen. Die Auspuffanlagen mit Klappensteuerung oder Soundgenerator arbeiten heute auch leise. Weniger gefragt seien Karosserieteile. "Verändert hat sich dafür die Wettbewerbslage. Die Tuner konkurrieren nicht nur miteinander, sondern auch mit den Autoherstellern, die inzwischen sehr umfangreiche Individualisierungsmöglichkeiten anbieten", sagt Harald Schmidtke vom VDAT.

"Die Anforderung des Kunden ist in den vergangenen 30 Jahren gleich geblieben: Er möchte sein Fahrzeug verbessern und individualisieren", sagt Rainer Vogel, Geschäftsführer der 1987 gegründeten Frima AC Schnitzer. Gewachsen seien die Räder: Die erste AC-Schnitzer-Felge maß 14 Zoll - heute verkauft der Tuner 23-Zoll-Räder.

Brabus aus Bottrop verfeinert schon seit fast 40 Jahren Autos, meist Modelle von Mercedes. Wurden früher schon große Räder, Innenausstattungen und Spoiler verkauft, setzen Brabus-Kunden heute auf Leistungssteigerungen, Leichtbauteile oder Komplettumbauten. "Immer mehr Kunden wünschen nicht nur ein starkes, sondern auch ein leichtes, effizientes Fahrzeug", sagt Sven Gramm von Brabus. Außerdem seien Kunden heute in Sachen Qualität und Optik noch anspruchsvoller. Grelle Farben gebe es nur noch auf Kundenwunsch.

Die gesetzlichen Anforderungen und Auflagen stiegen in den vergangenen Jahren - mit Folgen für die Tuner. Fußgängeraufprallschutz und Abgasnormen müssen auch veränderte Fahrzeuge einhalten. "Man kann nicht einfach ein paar Spoiler an die Karosserie schrauben oder durch einen höheren Ladedruck die Leistung ins fast Unendliche steigern", sagt Gramm. Steigt mit dem Ladedruck die Leistung, muss man auch andere Baugruppen wie den Katalysator anpassen. Dazu werden bei modernen und vernetzten Autos alle Kennfelder des Motorsteuergeräts neu berechnet. Selbst für Zusatzscheinwerfer in der Front ist ein Eingriff ins Steuergerät nötig.

dpa


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