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Kampf in der Parklücke: Autobauer konkurrieren um Carsharing

Stuttgart (dpa) - Wenn nachts die letzte Bahn weg ist, kommen sie zum Einsatz. Oder wenn die Einkäufe doch zu schwer sind. Die Rede ist von Carsharing-Angeboten - Mietautos, mit denen Menschen auch ohne eigenen Wagen spontan von A nach B kommen.
Bereits 2008 startete Daimler mit Car2go sein erstes Pilotprojekt im Bereich Carsharing. Immer mehr Autohersteller machen es dem Pionier nun nach.

Bereits 2008 startete Daimler mit Car2go sein erstes Pilotprojekt im Bereich Carsharing. Immer mehr Autohersteller machen es dem Pionier nun nach.

© Rolf Vennenbernd

Unter den Autobauern gilt Daimler mit seinem Angebot

Car2Go als Pionier des Autoteilens - doch inzwischen drängt immer mehr Konkurrenz in diese Parklücke. Der Bundesverband Carsharing kam zuletzt auf 150 deutsche Anbieter - dazu gehören allerdings auch ehrenamtliche Angebote in kleinen Städten. Doch auch immer mehr große Autobauer eifern Daimler nach: Zuletzt startete etwa Opel eine Kooperation mit dem Anbieter

Spotcarund schickte sein Modell Adam auf Berlins Straßen. Anders als bei Daimlers Car2Go oder auch

DriveNow von BMW zahlen Kunden bei Spotcar nicht pro Minute, sondern pro Kilometer.

 

Fachleute räumen dem gute Chancen ein, da das Geschäftsmodell einen entscheidenden Vorteil habe: "Die Wahrnehmung der Kunden ist ganz klar: Ich zahle das, was ich verfahre", sagt Sven Henkel, Direktor vom Automotive Institute for Management (AIM). Niedrige Preise, einfache Nutzung und spontane Verfügbarkeit sind dem Fachmann zufolge die wichtigsten Voraussetzungen. "Kann ein Anbieter diese Kriterien nicht erfüllen, wird er keinen Erfolg im Markt haben."

Opel will sich nach Angaben eines Sprechers demnächst an einem eigenen Carsharing-Konzept versuchen und dazu im Laufe des Jahres Details bekanntgeben. Medienberichten zufolge soll es sich dabei um ein Angebot für Opel-Besitzer handeln, die Fahrzeuge untereinander tauschen können.

"Daimler hat einen guten Vorsprung aufgebaut. Da müssen die anderen erstmal hinkommen", sagte Gerd Heinemann, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft BBE Automotive, die eine Studie zum Carsharing erstellt hat. "Bis auf BMW mit DriveNow sind alle anderen ja ganz weit weg." Zuletzt waren knapp 400 000 Kunden bei DriveNow registriert. Car2Go kommt bereits auf eine Million Kunden weltweit.

Platz genug für alle Anbieter gibt es kaum: In Großstädten dürften sich nach Einschätzung von Experten etwa drei bis vier große halten. Kleinere Betreiber hätten vor allem in ländlichen Gebieten Chancen, wo die anderen nicht vertreten seien. "Da das Ganze mit viel Kapital belegt ist, um es anzukurbeln, werden aber vor allem die Großen bleiben", sagte Heinemann.

Auch die Hersteller Volkswagen und Ford haben Angebote fürs geteilte Auto. VW hat anders als Daimler mit

Quicar aber ein stationsabhängiges Konzept, das auf Hannover begrenzt ist.

Fordbringt seine Fahrzeuge zusammen mit Flinkster, dem Carsharing-Angebot der Deutschen Bahn, auf die Straße.

 

Auch Daimler hat eine Kooperation mit Flinkster angekündigt. Car2Go-Kunden können dann ohne gesonderte Anmeldung die Autos von Flinkster und die Mieträder der Bahn buchen. Umgekehrt können Flinkster-Kunden Car2Go nutzen. Demnach soll damit bundesweit ein Netz mit mehr als 6600 Fahrzeugen entstehen.

Carsharing-Experte Heinemann hält Zusammenschlüsse in dem Bereich für wichtig: "Die Vernetzung ist wesentlicher Bestandteil für den Erfolg des Carsharings." Autoteil-Kooperationen zwischen den Autobauern selbst - etwa zwischen den Platzhirschen Daimler und BMW - erwartet man beim Bundesverband Carsharing aber nicht.

"Wir sehen, dass es langsam Konsolidierungsprozesse gibt - also dass sich Anbieter zusammenschließen", sagte Geschäftsführer Willi Loose. Daimler und BMW hingegen wollten durch ihr Angebot vor allem die eigene Marke hochhalten. "Die haben kein Interesse daran, dass ihre Kunden die Autos der Konkurrenz fahren."

Aber muss man als Autobauer seine Fahrzeuge unbedingt zum Teilen auf die Straße stellen? "Es ist eine interessante Form des Marketings. Wenn man Marktführer ist, ist es sicher auch ein Businessmodell", glaubt Heinemann. "Man kann aber auch ohne leben."

dpa


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