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Verkehr

Eurobike: Weg vom Drahtesel - hin zu Hightech

Schneller, weiter, leichter, intelligenter: Die Trends für den deutschen Fahrradmarkt werden am Bodensee präsentiert. Auf der Fachmesse Eurobike schaut die Branche in die Zukunft - die auch von Elektrotechnik geprägt wird.
Besucher der Eurobike vor dem «Velocité» von CarboFibretec: Die Fahrrad-Szene wandelt sich weg vom Drahtesel-Image hin zum Hightech-Produkt.

Besucher der Eurobike vor dem «Velocité» von CarboFibretec: Die Fahrrad-Szene wandelt sich weg vom Drahtesel-Image hin zum Hightech-Produkt.

© Felix Kästle

Friedrichshafen. Mehr als 85 000 Quadratmeter in zwölf Hallen stehen in Friedrichshafen am Bodensee unter Strom. Auf der nach Veranstalterangaben größten Fahrradmesse der Welt trifft sich die Branche. Hersteller, Händler und Fahrradliebhaber geben sich bei der

Eurobike (27. bis 30. August) die Klinke in die Hand. Fast jede Fahrradschmiede versucht, das Publikum zu elektrisieren. Es gibt kaum einen Hersteller, der auf seinem Messestand kein Elektrofahrrad präsentiert. Längst ist die Fahrrad-Szene im Wandel - weg vom Drahtesel-Image, hin zum Hightech-Produkt.

 

An einem Messestand hat sich eine Menschentraube gebildet. Das Objekt der Begierde ist ein matt-schwarzes, futuristisch anmutendes Fahrrad. Mit Smartphones fotografieren zahlreiche Asiaten den Prototypen. Sie interessieren sich für den neuartigen Antrieb des E-Bikes. Denn der ist revolutionär und "made in Germany".

"Wir nutzen die Technik der Magnetschwebebahn Transrapid", erklärt Entwickler und Ingenieur Simon Thanner von der Firma CarboFibretec aus Friedrichshafen. Statt eines klassischen Motors unterstützt das Rad den Fahrer durch die Kraft von Magneten. "Ohne eine mechanische Verbindung wird der Motor angetrieben", sagt Thanner. Vorteile: weniger Reibung und mehr Effizienz. Nachteile: Das Ganze ist ein Forschungsprojekt, noch nicht serienreif und nahezu unbezahlbar. In etwa zwei bis drei Jahren soll die Technologie ausgereift sein und dem Endverbraucher zur Verfügung stehen.

Galt das Elektrofahrrad vor etwa fünf Jahren noch als Fortbewegungsmittel für Rentner, ist es heute ein Lifestyle-Produkt für eine breite Zielgruppe. "E-Bikes sind in den letzten Jahren viel sportlicher geworden", sagt der Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV), Siegfried Neuberger. Von Zielgruppen deutlich über 60 Jahren kommend spreche die Branche inzwischen Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren an - Tendenz fallend.

Inzwischen werden nicht nur Stadtfahrräder mit Hilfsmotoren ausgestattet, sondern auch Rennräder und Mountainbikes. "Vor allem E-Mountainbikes haben zum Imagewandel der Elektroräder beigetragen", sagt Neuberger. "Die Leute können ganz andere Entfernungen und Höhenmeter zurücklegen. Damit bekommen sie ein Naturerlebnis, was Radlern ohne elektrische Unterstützung verwehrt bleibt."

Rund 450 000 E-Bikes könnten nach Schätzungen des ZIV in diesem Jahr in Deutschland verkauft werden. Mittelfristig könnte sich die Zahl auf bis zu 600 000 Räder erhöhen. Ein enormes Wachstumspotenzial, von dem neben Herstellern auch die Händler profitieren.

Längst aber nicht alle: "Für kleinere Händler lohnt sich der Verkauf von Elektrorädern kaum", sagt der Geschäftsführer des Verbands des Deutschen Zweiradhandels (VDZ), Thomas Kunz. Neben Investitionen für zusätzliche Verkaufsräume müssten Händler ihr Verkaufspersonal speziell schulen und Mechaniker einstellen, die mit der Elektrotechnik klar kämen.

Eine große Gefahr für kleine Fahrradläden dürfte dies aber nicht sein. 2014 werden 11 bis 12 Prozent der verkauften Fahrräder E-Bikes sein, schätzen die beiden Verbandsgeschäftsführer. Ihr jährlicher Anteil am Gesamtmarkt dürfte mittelfristig auf etwa 15 Prozent steigen, prognostizieren die Experten.

Dass das Fahrrad der Zukunft nicht zwingend einen Elektroantrieb haben muss, zeigt ein Prototyp von Canyon Bicycles und der Deutsche Telekom. "Es ist mit Sensoren ausgestattet und ruft bei einem Crash automatisch den Notruf", sagt Entwickler Marcus Görner von Canyon Bicycles. Per GPS ermittle es den Standort und weiße Hilfskräften den Weg. Zudem zeigt es den Verschleiß etwa der Kette an und informiert per Smartphone-App über den idealen Zeitpunkt für den Wechsel. "In zwei bis drei Jahren könnte die Technologie serienreif sein", schätzt Görner.

Über den Hang zu immer mehr Elektronik in Fahrrädern kann Thomas Perlec nur lächeln. "E-Bikes sind nicht cool", sagt der Eurobike-Besucher. Zwar zählt er, glaubt man den Experten, mit 32 Jahren auch zu den potenziellen Käufern eines E-Bikes. Bei ihm kommt ein solches aber nicht in den Keller. Mountainbiker sei er. Elektrisiert hat ihn die Messe trotzdem. Schließlich stehen bei den meisten Herstellern hinter den Elektrofahrrädern die in Perlecs Augen "richtigen" Fahrräder. Ohne elektrischen Schnickschnack.

dpa


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