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Elektroautos auf holprigem Kurs

Mit dem Elektroauto problemlos von der Nordsee zur Zugspitze - das ist Zukunftsmusik. Denn noch fehlt ein dichtes Netz an Ladestationen. Und das ist nicht die einzige Hürde für die Elektromobilität.
Dass es bundesweit viel zu wenige Ladestationen für Elektroautos gibt, ist nur eines der Probleme auf deren Weg zum Massenprodukt.

Dass es bundesweit viel zu wenige Ladestationen für Elektroautos gibt, ist nur eines der Probleme auf deren Weg zum Massenprodukt.

© Uwe Zucchi

Berlin. Die drei Herren an der Stirnseite des großen Konferenztisches wirken entspannt. Dass aus dem großen Projekt am Ende nichts werden und das Elektroauto in seiner Nische steckenbleiben könnte, ist gar nicht ihr Thema. Nur 24 000 Elektrofahrzeuge sind auf deutschen Straßen unterwegs, die Planzahl für 2014 lag bei 100 000.

Das sei in dieser Vorbereitungsphase nicht tragisch, bemerkt der Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität, Henning Kagermann, bei der Vorstellung des vierten Zwischenberichts in Berlin. "Die Grundlage für den Markthochlauf ist gelegt", sagt er und meint damit sprunghaft wachsende Verkaufszahlen bei Elektromobilen.

Der Physiker und frühere SAP-Vorstandschef fügt aber gleich hinzu: "Die Politik muss ihren Beitrag leisten". Schließlich sei sie ein Teil der Plattform, die 2010 als Beratungsgremium der Bundesregierung ins Leben gerufen wurde.

Das sehen die beiden anderen Plattform-Sprecher auch so: Matthias Wissmann, Präsident des Automobilverbandes VDA, und Detlef Wetzel, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Metall. Dieser Beitrag soll sich nicht auf Initiativen und Gesetze beschränken - es muss nach Ansicht der Plattform-Akteure auch öffentliches Geld her, sozusagen als Anschubfinanzierung.

Eine Sonderabschreibung für Gewerbetreibende soll den Elektroautos auf die Sprünge helfen, lautet ein Vorschlag. Die Hälfte sollen die Unternehmen schon im ersten Jahr von der Steuer absetzen können. Die Bundesregierung prüft das Ganze, solche Modelle gehören zum Klimaschutzaktionsprogramm des Bundeskabinetts. Das Volumen ist noch unklar, die Plattform hat für ihr Modell 200 Millionen Euro an fehlenden Steuereinnahmen errechnet.

Weil die Technik bei Elektroautos noch längst nicht ausgereift ist, muss auch weiter geforscht werden. In den nächsten Jahren seien 360 Millionen Euro jährlich an Fördergeld nötig - für Fahrzeuge, Batterie, Infrastruktur. "Es bleibt noch viel zu tun", räumt auch Kanzlerin Angela Merkel bei der Entgegennahme des Berichts ein. Mit Entlastungen bei der Kfz-Steuer und der Dienstwagensteuer habe die Regierung bereits Kaufanreize geschaffen.

Wissmann hält es für wichtig, dass öffentliche Unternehmen, auch der Bund, Länder und Gemeinden mit gutem Beispiel vorangehen, wenn sie ihre Fuhrparks erneuern. Wenn so 2015 und 2016 einige Zehntausend Stromautos auf die Straße kämen, zögen viele andere nach.

Über die entscheidende Schwachstelle sind sich Kagermann, Wissmann und Wetzel einig: Es ist das noch sehr lückenhafte Netz der Ladestation. Rund 4800 öffentlich zugängliche Ladepunkte an 2400 Orten gibt es bislang - viel zu wenig für die geplante Zahl an E-Autos. Um bis zum Jahr 2020 entsprechend aufzurüsten, sind nach Schätzung der Plattform etwa 550 Millionen Euro nötig.

Wirtschaftlich sei ein Ladesäulennetz bis 2020 nicht zu betreiben. Deshalb regt die Plattform eine gemeinsame Finanzierung von Privatwirtschaft und öffentlicher Hand an. Im Fernverkehr gibt es bislang nur eine Teststrecke auf der Autobahn 9. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will jetzt einen kleinen Schritt weitergehen und bundesweit an Raststätten rund 400 zusätzliche Ladesäulen errichten. "Künftig soll es möglich sein, mit einem Elektrofahrzeug von der Nordseeküste bis zur Zugspitze zu fahren", äußert sich Dobrindt optimistisch.

dpa


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