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Ein paar Millisekunden mehr: Neue Technik bei Airbags

Er ist schon lange der beste Freund des Autofahrers - neben Sicherheitsgurten und Bremssystemen. Der Airbag ist aus dem Auto so wenig wegzudenken wie Lenkrad oder Gaspedal.
Airbags müssen intelligenter werden, um sich optimal an Fahrer und Insassen anpassen zu können.

Airbags müssen intelligenter werden, um sich optimal an Fahrer und Insassen anpassen zu können.

© Bernd Thissen

Karlsruhe. Unfallforschern ist er aber oft noch viel zu dumm.

Hinten, vorne, an der Seite. An den Kopfstützen, im Autodach oder in den Rücksitzen. Der Airbag ist am besten einfach überall und, solange nichts passiert, am allerbesten zeitlebens im Auto unsichtbar. Ständig wird an seiner Weiterentwicklung gefeilt, aber den Unfallforschern ist er immer noch zu unbedarft. "Airbags müssen intelligenter werden", sagt ADAC-Experte Thomas Unger.

Denn zu oft noch hat der potenzielle Lebensretter zu wenig Ahnung, wen er im Falle eines Crashs vor sich hat: Eine leichte Frau? Einen großen Mann? Einen Fahrer mit starkem Übergewicht? "Adaptive Airbags sind da eine gute Spielwiese", sagt der Leiter der ADAC-Sicherheitsabteilung Volker Sandner. Die rettenden Kissen könnten sich anpassen - mit der Geschwindigkeit, mit der der Airbag sich aufbläst, und mit der Füllmenge, die den Airbag entsprechend weicher oder härter macht.

Auf dem

Karlsruher Symposium "Airbag 2014" machen sich seit Montag (1. Dezember) rund 700 Experten, Autohersteller und Zulieferer Gedanken über noch mehr Sicherheit im Auto. Hilfestellung bekommt der Airbag nach ihren Worten bereits. Mithilfe von Matten in den Sitzen kann etwa erfasst werden, wie schwer Fahrer oder Beifahrer sind. Das Gurtschloss signalisiert, ob jemand im Falle eines Crashs angeschnallt ist oder nicht.

 

Die Sitzeinstellung und das Volumen, sprich die Körpermasse, die der Gurt umhüllt, geben weitere Hinweise darauf, wie groß oder schwer der Autoinsasse ist, sagt Michael Fehring vom Autohersteller Daimler. Entsprechend kann sich ein Airbag anpassen - oder auch überhaupt nicht auslösen, wenn etwa auf dem Beifahrersitz gar niemand sitzt.

Wenn Sensoren und Radarsysteme registrieren, dass ein Unfall unvermeidlich ist, kann der Airbag vor seiner Auslösung früher vorgewarnt werden: Statt 35 bis 45 Millisekunden hätte er dann 50 Millisekunden Zeit, um sich an die Gefahrensituation anzupassen und entsprechend auszulösen. Je besser sich das rettende Kissen mit intelligenten Sicherheitssystemen im Auto vernetzt, desto flexibler kann es agieren, sagen die Experten.

Der Siegeszug der Airbags begann Anfang der 80er Jahre - rund 100 Millionen neu zugelassene Fahrzeuge sind alleine in Deutschland seitdem mit Airbags ausgestattet worden. "Inzwischen gibt es hierzulande eine 100-prozentige Abdeckung beim Fahrer und Beifahrerairbag", sagt ein Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Sicherheitsstiefkind ist oft noch die zweite Sitzreihe, die nicht immer über Seiten- oder Frontal-Airbags verfügt.

Spielraum für Verbesserungen gibt es also nach wie vor genügend, aber: Unfallvermeidung ist längst vielversprechender als Minderung von Unfallfolgen. Rund 90 Prozent der Unfälle werden durch menschliches Versagen ausgelöst, sagt der VDA-Sprecher. Mit konventioneller Technik sei inzwischen nicht mehr viel zu holen, um die Zahl von Unfalltoten zu senken.

Zwar sank dank bahnbrechender Erfindungen wie Gurt und Airbag sowie den revolutionären Neuerungen bei den Bremssystemen die Zahl der Unfalltoten im Straßenverkehr seit 1970 von 21 300 auf rund 3300 im vergangenen Jahr. Weitere technische Verbesserungen am Auto dürften sich in der Statistik aber eher marginal auswirken.

"Seien wir ehrlich: Mit einem einzelnen System werden wir Unfallfolgen nie wieder so drastisch reduzieren können, wie in den letzten 30 Jahren", meint ADAC-Experte Sandner. Ganz anders sieht es international aus: Laut WHO starben 2013 weltweit rund 1,3 Millionen Menschen im Straßenverkehr. Noch ist es die neunthäufigste Todesursache weltweit - sie könnte nach den Worten von Dirk Schultz vom weltweit führenden Sicherheitszulieferer TRW aber in die Top Five aufsteigen, "wenn wir in den betroffenen Ländern nicht aktiv gegensteuern".

In Deutschland widmen sich Forscher neben den Tüfteleien am klassischen Auto-Airbag inzwischen auch anderen Anwendungen für den aufblasbaren Sack. Motorradhelme, Motorradjacken oder Skianoraks mit eingenähtem Airbag sind bereits auf dem Markt. Und irgendwann könnte es auch Jacken für Senioren geben, die sich im Falle eines Sturzes einfach aufblasen.

dpa


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