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Der Smart des Wirtschaftswunders: Die BMW Isetta wird 60

Mit den ersten Frühlingstagen holen Isetta-Liebhaber wie Raimund Bruche aus Gennach in Bayern ihre Wagen aus dem Winterschlaf. Isetta auf den Markt. Wo Raimund Bruche mit seiner leuchtend roten BMW Isetta auftaucht, sorgt er für Aufsehen.
Die BMW Isetta von Raimund Brüche ist ein echter Hingucker.

Die BMW Isetta von Raimund Brüche ist ein echter Hingucker.

© Peter Kneffel

München. Isetta auftaucht, sorgt er für Aufsehen. Bleibt er mit dem Oldtimer auf einem Parkplatz oder an der Tankstelle stehen, scharen sich in kürzester Zeit Menschen um das blitzblank polierte Gefährt.

Für den nach dem Krieg wirtschaftlich angeschlagenen Münchner Autobauer entwickelte sich die Isetta zum Verkaufsschlager - nicht in Deutschland, sondern auch in England oder den USA. Der Wagen zählt zu den Symbolen der Wirtschaftswunderjahre - und begeistert bis heute viele Menschen. Der bundesweite

Isetta-Club mit Sitz in Köln hat fast 1300 Mitglieder, wie der Vorsitzende Norbert Schardt sagt.

 

Als Raimund Bruche von seinem Vater seine erste Isetta vererbt bekam, hatte er noch nicht einmal einen Führerschein. "Ich war 16 Jahre alt", erinnert er sich. "Die Isetta stand ungenutzt in der Ecke. Und zum Verkaufen war sie zu schade." So hat er das Mini-Fahrzeug Baujahr 1960 behalten und im Laufe der nächsten eineinhalb Jahre restauriert. Der heute 43-jährige Familienvater machte damals eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und schraubte in seiner Freizeit an dem Erbstück. "Schon als Bub habe ich gerne in der Isetta gespielt." Inzwischen hat er eine zweite in der Garage stehen. In den Farben hellgrün und zartgelb - und natürlich bestens hergerichtet.

"Wenn einen der Isetta-Virus gepackt hat, dann lässt er einen nicht mehr los", sagt auch der Club-Vorsitzende Schardt. Die Mitglieder seien alle Enthusiasten, von denen die meisten mindestens eine Isetta besäßen. Der Club hilft zum Beispiel bei der Beschaffung von Ersatzteilen oder berät beim Kauf einer Isetta. 

Die Markenzeichen der Isetta machen zugleich den Charme des Wagens aus: eiförmiges Chassis, zwei eng nebeneinanderstehende Hinterräder und nur eine Tür, mit der gleich die gesamte Front wegklappt. Weil die Insassen zwangsläufig ein wenig enger zusammenrücken müssen, bekam sie den Kosenamen "Knutschkugel". Andere nannten sie spöttisch "Schlaglochsuchgerät".

Mit dem Aufschwung der Wirtschaftswunderjahre stiegen allerdings die Ansprüche der Deutschen an ihr Fahrzeug. Die spartanische, maximal 85 Stundenkilometer schnelle Isetta wurde zum Auslaufmodell. 1962 stellte BMW die Produktion ein. Mehr als 160 000 Exemplare waren bis dahin gebaut worden.

Heute sind die Kleinwagen heiß begehrt und nicht ganz einfach zu bekommen. "Es werden immer mal welche auf Gebrauchtwagenmärkten angeboten. Aber nicht massenweise", sagt Schardt. Mit ein wenig Geduld werde man aber fündig. Je nach Zustand koste eine Isetta zwischen 3000 und 30 000 Euro. Reparaturen seien kein Problem.

Raimund Bruche hat seine beiden Exemplare selbst hergerichtet. In einer Kfz-Werkstatt kenne sich heutzutage kaum noch ein Mechaniker mit dem Oldtimer aus, sagt er. "Die Isetta kann man ja nicht einmal auf eine Hebebühne stellen." Zudem sei sie ungewöhnlich zu fahren: Die Gangschaltung befindet sich links vom Lenkrad.

Seine Isetta-Garage hat Bruche liebevoll eingerichtet. Mit Fünfziger-Jahre-Postern, Gardinen und allerlei Zubehör. Aus dem Regal holt er ein kleines Transistorradio. "Das hat man früher vorne in der Isetta angeschlossen." Und dann ging es mit dem Picknick-Korb raus ins Grüne - oder mit der ganzen Familie bis nach Italien. Auch bei der Parkplatzsuche ist der Wagen praktisch. "Wir haben mal drei Isetta in eine Parklücke gestellt und nur einen Parkschein gekauft - da hat sogar die Politesse ein Auge zugedrückt."

dpa


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