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Dampfmaschine der Zukunft - Brennstoffzelle kommt in Fahrt

Schon seit Jahrzehnten wird die Brennstoffzelle angekündigt und dann doch wieder verschoben. Jetzt macht Toyota mit dem Mirai als erstem Serienauto mit Wasserstoff im Tank tatsächlich den Anfang.
Hondas Prototyp FCV soll sich bis Ende März 2016 zum Serienmodell mausern und dann erst in Japan und anschließend in Amerika und Europa auf den Markt kommen.

Hondas Prototyp FCV soll sich bis Ende März 2016 zum Serienmodell mausern und dann erst in Japan und anschließend in Amerika und Europa auf den Markt kommen.

© Honda

Los Angeles. Doch die Skepsis bleibt.

Audi A7 h-tron, VW Passat Hy-Motion, Mercedes B-Klasse F-Cell und Toyota Mirai - vor dem Convention Center in Los Angeles hat die Zukunft begonnen. Wohl nirgends auf der Welt sind so viele Autos mit Brennstoffzelle auf der Straße wie derzeit in Downtown L.A. Doch dummerweise ist die Zukunft bald schon wieder vorbei: Die Saubermänner, die mit Wasserstoff Strom für einen Elektromotor erzeugen und als Abgas bloß Wasserdampf ausstoßen, surren nur während der

LA Auto Show (21. bis 30. November) durch die Stadt. Danach werden sie alle wieder auf Teststrecken in Entwicklungsabteilungen der Autobauer verschwunden sein - alle bis auf einen.

 

Toyota startet als erster Hersteller mit der Serienproduktion. Das futuristische Modell Mirai soll noch in diesem Jahr in Japan und ab September 2015 auch in Amerika und Europa ein neues Zeitalter einläuten, sagt Toyota-Chairman Takechi Uchiyamada. Andere Hersteller werden diesem Beispiel bald folgen: Honda will bis Ende März 2016 ein Brennstoffzellenauto bringen. Hyundai hat bereits einen umgerüsteten ix35 in speziellen Leasing-Programmen. Die Allianz von Daimler, Ford und Renault-Nissan plant den Serienstart für 2017.

Wenn Uchiyamada von der Brennstoffzelle schwärmt, wiederholt er bekannte Argumente: Der Kraftstoff ist im Gegensatz zu Mineralöl unbegrenzt verfügbar und verursacht keine anderen Emissionen als Wasserdampf. Und anders als ein reines Elektroauto ist ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle alltagstauglicher, so Chefingenieur Satochi Ogiso: "Die Reichweite des Mirai liegt bei 500 Kilometern und ein Tankstopp dauert nur fünf Minuten."

Im Prinzip alles richtig, sagt Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg. Nicht umsonst habe der Volkswagen-Konzern bereits vier Generationen von Brennstoffzellen entwickelt und in Prototypen getestet. Aber für Hackenberg überwiegen bisher die Nachteile, vor allem die mangelnde Infrastruktur: "Schon beim Erdgasauto wird über ein zu dünnes Netz geklagt, dabei gibt es in Deutschland rund 1000 Tankstellen. Wasserstoff bekommt man dagegen nur an rund einem Dutzend Stationen." Martin Arendt aus der Brennstoffzellenforschung am VW-Konzernsitz in Wolfsburg sagt: "In Serie geht die Technik bei uns in diesem Jahrzehnt nicht mehr."

Dabei ist es nicht allein die Infrastruktur, die Marken wie VW oder Audi zögern lässt. "Auch die Kosten sind noch ein großes Problem", räumt Hackenberg ein. Unter anderem weil in der Brennstoffzelle eine Platinbeschichtung benötigt wird, sind die Kraftwerke aktuell noch einmal deutlich teurer als etwa die Akkus konventioneller E-Autos.

Für dieses Problem hat auch Toyota noch keine Lösung. In den USA, wo der Gesetzgeber Autobauern einen bestimmten Verkaufsanteil für emissionsfreie Fahrzeuge vorschreibt, wird Toyota den Preis stark subventionieren und den Mirai nach Abzug der staatlichen Förderungen für umgerechnet etwa 36 000 Euro anbieten. Aber in Deutschland werden die Preise bei 78 540 Euro beginnen.

Was bei der Diskussion über Marktreife, Preise und Infrastruktur gerne außer Acht gerät, ist der Treibstoff selbst. Denn aktuell ist Wasserstoff gar nicht so umweltfreundlich, wie die Autoentwickler immer behaupten.

"Um zu reinem Wasserstoff zu gelangen, muss dieser unter hohem Einsatz von Energie aus der sehr engen Verbindung mit Sauerstoff, also aus Wasser, oder aus den Kohlenwasserstoffen herausgelöst werden", erklärt Daniel Moser von Greenpeace. Die Energiebilanz der Brennstoffzelle sei trotz ihres hohen Wirkungsgrads sehr negativ. "Nur maximal 40 Prozent der eingesetzten Energie wird genutzt", sagt er. "Um die Energie eines Liters Sprit zu erhalten, müssen davon beinahe drei verbrannt werden."

dpa


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