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Flüchtlinge

Wetzlar: Lage entspannt sich in Flüchtlingscamp

Sie hatten sogar mit einem Hungerstreik gedroht. Doch nun hat sich die Stimmung im Wetzlarer Flüchtlingscamp beruhigt. Die ersten Asylbewerber können die Zeltstadt verlassen. Aus medizinischen Gründen hatten sich Transfers in andere Kommunen verzögert.

Wetzlar/Gießen. Nach den Protesten von Flüchtlingen im Wetzlarer Zeltcamp hat sich am Donnerstag die Lage etwas entspannt. "Die Forderung, endlich mit Transfers in weitere Unterkünfte zu beginnen, wurde umgesetzt", sagte Bettina Twrsnick von der Wetzlarer Flüchtlingshilfe. Das Regierungspräsidium (RP) Gießen bestätigte, dass am Morgen der erste Bus mit mehr als 50 Flüchtlingen die Zeltunterkunft im mittelhessischen Wetzlar verlassen habe. Es habe medizinische Gründe für die Verzögerungen gegeben. In den kommenden Tagen seien weitere Zuweisungen auf die Kommunen vorgesehen.

Somit ist auch der von Flüchtlingen angedrohte Hungerstreik vom Tisch. Sie hatten über prekäre Umstände in dem vollbelegten Camp geklagt, in dem zeitweise über 700 Menschen lebten. Derzeit sind es nach Angaben des Regierungspräsidiums rund 650. "Wir arbeiten an Verbesserungen und bemühen uns, die Probleme zu lösen", sagte RP-Sprecherin Ina Velte.

Das Camp in Wetzlar ist eine der Notunterkünfte von Hessens überfüllter Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. In den nächsten Tagen soll ein weiteres Zeltdorf im nordhessischen Schwarzenborn aufgebaut werden, wie das Sozialministerium am Donnerstagabend mitteilte.

Die Bewohner in Wetzlar hatten unter anderem kritisiert, dass sie so lange auf ihren Umzug in die Kommunen warten müssen. Zudem sind sie unzufrieden mit der Hygiene in den Sanitäreinrichtungen.

Im Gespräch mit Flüchtlingsvertretern hatte die Behörde am Mittwoch nach eigenen Angaben die Hintergründe für die Situation erläutert. "Ich denke, dass diese Gespräche dazu geführt haben, dass sich die Lage insgesamt wieder beruhigt hat", sagte Manfred Becker, der Abteilungsleiter für den Bereich Soziales beim RP. Er wies zudem den Vorwurf zurück, dass es erst nach den Protesten voran gehe: "Wir arbeiten seit Wochen daran, die Probleme, die hier in der Zeltstadt in Wetzlar bestehen, zu lösen."

Weil es Fälle von Hepatitis A gab, musste dem RP zufolge zunächst sichergestellt werden, dass die für den Umzug vorgesehenen Menschen immun gegen die Infektionskrankheit sind. Die Untersuchungen der vielen Blutproben sowie das Impfen habe Zeit gebraucht, sagte Becker. Demnach soll es bald auch mehr Toiletten in dem Camp geben.

Unterdessen informiert die Behörde vermehrt darüber, wie Flüchtlinge freiwillig in ihre Heimatländer zurückreisen können. Einige Menschen aus Albanien, die keine Bleibeperspektive haben, hatten den Wunsch geäußert, wieder auszureisen, wie RP-Sprecherin Velte erläuterte.

Zwölf der 14 Asylbewerber, die vor zwei Wochen in einer Gießener Unterkunft am Überfall auf ein Notzelt beteiligt gewesen seien, seien am Mittwoch in ihr Heimatland abgeschoben worden. Das RP bestätigte einen entsprechenden Online-Bericht der "Gießener Allgemeinen".

Ein Flugzeug, in dem sich weitere 75 abgelehnte Asylbewerber aus Albanien befunden hätten, habe die zwölf mutmaßlichen Gewalttäter von Calden nach Tirana gebracht. Zuvor waren bereits 72 Albaner, die die Erstaufnahme freiwillig verlassen hatten, ausgeflogen worden.

Die Abschiebung der zwölf Männer nannte Regierungspräsident Lars Witteck ein wichtiges Signal. "Wer ohnehin keine Bleibeperspektive hat und dann noch gegen andere Flüchtlinge gewalttätig wird, muss die Konsequenzen tragen", sagte Witteck dem Bericht zufolge. Zwei der Beschuldigten, die zuletzt in Untersuchungshaft saßen, seien noch hier. Es handele sich um minderjährige und alleinreisende Asylbewerber, die nicht einfach abgeschoben werden könnten.

dpa


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