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Verdi lässt die Muskeln spielen: Warnstreiks in Hessen stehen bevor

Vor der zweiten Verhandlungsrunde in dieser Woche lassen Angestellte des öffentlichen Dienstes auch in vielen hessischen Städten die Muskeln spielen. Im Tarifstreit um mehr Geld drohen vor allem am Mittwoch Verspätungen und lange Staus, auch die Müllabfuhr und das Personal in Krankenhäusern will protestieren.
Bothner sieht den Umfamg der Streiks als notwendig an.

Bothner sieht den Umfamg der Streiks als notwendig an.

© Uwe Zucchi/Archiv

Kassel. Los geht es bereits am (morgigen) Dienstag in Kassel. Dort hat die Gewerkschaft Verdi die 850 Beschäftigten der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen.

Auch in Nordrhein-Westfalen und Bayern werden für Dienstag Warnstreiks erwartet. Bereits am Montag blieben vor allem in Niedersachsen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Berlin Kitas und öffentliche Verwaltungen geschlossen.

Hessens Verdi-Chef Jürgen Bothner verteidigte den Umfang der Arbeitsniederlegungen über den ganzen Tag. "Das liegt am Schichtbetrieb. Mitarbeiter aus allen Schichten wollen zeigen, dass sie hinter unseren Forderungen stehen." Offenbar benötigten die Arbeitgeber einen derartigen Beweis, da sie bislang in dem Tarifkonflikt kein Angebot auf den Tisch gelegt hätten. Der Warnstreik sei als Warnung gemeint, erklärte der Gewerkschafter. "Eine Warnung muss deutlich sein, damit sie ernst genommen wird."

Zunächst werden in Kassel von Betriebsbeginn morgens um 04.00 Uhr an bis Betriebsende aller Voraussicht nach keine Busse und Straßenbahnen der KVG fahren. Betroffen sind Kassel und Vellmar, Fuldabrück, Baunatal und das Lossetal. Auch die Fahrten der Regiotrams in der Kasseler Innenstadt werden entfallen. Züge und Busse privater Anbieter sind dagegen in Nordhessen unterwegs.

Das wird sich dann ab Mittwoch ändern, weil auch die privaten Busfahrer streiken wollen. Verdi kündigte an, dass deren Ausstände bis Freitag dauern sollen. Es handele sich nicht um einen Unterstützungsstreik, sondern es gehe um eigene Tarifziele, wie eine Sprecherin erläuterte. Streiks seien in Frankfurt, Darmstadt, Limburg, Offenbach, Gelnhausen, Hanau, Fulda und Marburg geplant. Schon im Dezember 2013 hatten die Busfahrer zweimal die Arbeit niedergelegt und den öffentlichen Nahverkehr teilweise lahmgelegt.

Es sei bedauerlich, dass sich die Gewerkschaft ausgerechnet auf Warnstreiks in dieser Woche festgelegt habe, denn an den hessischen Schulen stehen weitere Abiturprüfungen an, hieß es bei der KVG. "Man kann vor allem den Schülern nur empfehlen, rechtzeitig nach Alternativen zu suchen und vor allem früher als sonst loszufahren", sagte eine Sprecherin.

Laut Verdi könnten in Kassel auch Kindergärten geschlossen bleiben. Aufgerufen seien zudem die Stadtverwaltung und die Entsorgungsbetriebe, wie der Verdi-Bezirk Nordhessen ankündigte. "Ich gehe davon aus, dass kein Bus und keine Bahn fahren werden, dass kein Stadtreiniger arbeitet und viele Kitas geschlossen haben", sagte der nordhessische Verdi-Bezirksgeschäftsführer Harald Fennel. Am Rathaus soll es eine Kundgebung (10.00 Uhr) mit dem Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle geben.

Am Mittwoch (19. März) droht dann Stillstand auch in anderen Städten, darunter in Herborn, Wetzlar, Gießen und Marburg, Wiesbaden, Limburg, Frankfurt, Hanau, Rüsselsheim, Heppenheim, Darmstadt und Bad Hersfeld. Deutliche Behinderungen werden auch bei Dienstleistungen wie Müllabfuhr, Kinderbetreuung und Krankenhäusern erwartet.

Mit den Warnstreiks will Verdi Druck machen auf die Arbeitgeber in den laufenden bundesweiten Tarifverhandlungen des Bundes und der Kommunen. Dort fordert Verdi für rund 2,1 Millionen Beschäftigte 100 Euro pauschal und 3,5 Prozent mehr Geld.

In Hessen sind laut Verdi etwa 85 000 Beschäftigte direkt und 130 000 mittelbar von der Tarifrunde betroffen. Am Donnerstag und Freitag wollen Arbeitgeber und Gewerkschaften in Potsdam zur zweiten Tarifrunde zusammenkommen.

dpa


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