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Migration

Sporthallen für Flüchtlinge: Sorge um Willkommenskultur

Sporthallen sind eine Option, um die vielen Asylsuchenden unterzubringen. Das sollte aber nur das letzte Mittel sein, heißt es bei den Kommunalverbänden. Derweil bekommen einige Flüchtlinge anderswo ein festes Dach über den Kopf.
Pipa ist gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen.

Pipa ist gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen.

© Swen Pförtner/Archiv

Frankfurt/Wiesbaden. Vertreter kommunaler Spitzenverbände haben mit Blick auf den sozialen Frieden davon abgeraten, Flüchtlinge in Sporthallen unterzubringen. Das dürfe nur die letzte Option sein, um die Willkommenskultur nicht zu gefährden, hieß es. Mehrere hundert Flüchtlinge konnten unterdessen am Donnerstag eine Zeltunterkunft in Nordhessen verlassen und in ein festes Gebäude ziehen.

Der Geschäftsführende Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, Karl-Christian Schelzke, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag: "Ich habe Angst, dass die positive Stimmung in der Bevölkerung kippen könnte. Bevor Sporthallen blockiert und nicht mehr genutzt werden können, müssen erst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden."

Flüchtlinge dürften bei nass-kaltem Wetter natürlich nicht in unbeheizten Zelten verweilen, wie Schelzke betonte. "Aber es kann zu einem großen Problem werden, wenn Schulklassen, Sportgruppen und Vereine nicht mehr in die Hallen können." Wenn der Unmut darüber wachse, könne die rechtsgerichtete Pegida-Bewegung profitieren und Fremdenfeindlichkeit schüren.

Der Geschäftsführende Direktor des Hessischen Städtetages, Stephan Gieseler, sagte: "Leerstehende Gewerbeimmobilien sind Sporthallen als Flüchtlingsunterkünfte immer vorzuziehen." Turnhallen dürften nur das letzte verfügbare Mittel sein. "Wir leben nun mal in einer Gesellschaft, die sehr empfindsam darauf reagieren kann, wenn ihre Privilegien eingeschränkt werden."

Gieseler appellierte, dass das Funktionieren des gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfe durch die Flüchtlingshilfe. "Sonst verflüchtigt sich das Verständnis für die Menschen womöglich sehr schnell." Sporttreiben besitze schließlich auch eine wichtige integrative Aufgabe.

Im nordhessischen Schwarzenborn wurde unterdessen ein Zeltdorf für Flüchtlinge aufgegeben. Rund 380 Männer zogen in einen leerstehenden früheren Gartenmarkt in Kassel-Lohfelden, wie der Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel am Donnerstag berichtete. In Schwarzenborn hatten demnach am Mittwochmorgen sieben Zentimeter Schnee gelegen. Wegen der Lage und der Temperaturen seien in den Zelten bewusst nur Männer untergebracht worden.

Auch ein Teil der Zelte in Calden nördlich von Kassel soll aufgegeben werden. Dort sind derzeit 1250 Menschen untergebracht. Die ersten Wohncontainer, in die die Flüchtlinge umziehen sollen, seien auf dem Gelände des alten Flughafens Kassel-Calden angekommen. Dort war am Mittwoch nach ersten Schneefällen die Heizung in einigen Zelten ausgefallen. Ursache war nach Angaben des Behördensprechers die Kälte, die den Diesel ausflocken ließ. Alle Heizungen seien am Nachmittag wieder funktionsfähig gewesen. "Es musste zu keinem Zeitpunkt jemand frieren", sagte der Sprecher.

Ob Sporthallen belegt werden oder nicht, obliege der Entscheidung der Kommunen, betonte das hessische Sozialministerium in Wiesbaden. Es werde nicht vom Land vorgegeben und entschieden, wo die Flüchtlinge untergebracht werden.

Zuvor hatte der Präsident des hessischen Landkreistages, Erich Pipa (SPD), ebenfalls von der Unterbringung von Flüchtlingen in Sporthallen abgeraten. "Wir werden keine Turnhallen belegen, sonst haben wir verloren", sagte der Landrat des Main-Kinzig-Kreises dem Radiosender hr-INFO. "Dann macht die Bevölkerung nicht mehr mit." In seinem Kreis habe er mit den Bürgermeistern einen entsprechenden politischen Pakt geschlossen.

Auch die FDP-Fraktion im hessischen Landtag meldete sich am Donnerstag in der Flüchtlingsfrage zu Wort: Sie sprach sich dafür aus, Studenten und Rentner als Sprachlehrer für Flüchtlinge einzusetzen.

dpa


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