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Bergbau

"Spiegel": Salzabwässer von K+S gefährden Trinkwasser in Hessen

Das hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) hält nach einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" wegen der Kali-Förderung Trinkwasserquellen in der Werra-Region für gefährdet.
Rohsalz-Großbunker des Kaliwerks Werra bei Heringen.

Rohsalz-Großbunker des Kaliwerks Werra bei Heringen.

© F. v. Erichsen/Archiv

Wiesbaden. "Die Beschaffenheit der Heilwässer könnte sich künftig erheblich verändern, und deren weitere Nutzbarkeit wäre infrage gestellt", warnten die Experten demnach im Sommer 2014 in einer Stellungnahme. Hintergrund ist die umstrittene Einleitung von Salzabwässern des nordhessischen Kali-Herstellers K+S in den Boden und in die Werra.

Im September 2014 hatten die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) und das Unternehmen einen vierstufigen Plan vorgestellt, der das Versenken von Salzabwässern bis 2075 beenden soll. Ein Zugeständnis des Landes war, dass K+S bis 2021 weiter Lauge in den Untergrund pressen darf. Die Erlaubnis sollte 2016 auslaufen. Am Bergbau hängen Tausende Jobs.

Am Samstag teilte das hessische Umweltministerium auf Anfrage mit: "Nach dem Vier-Phasen-Plan kann es selbstverständlich keine Versenkerlaubnis für Salzabwässer aus dem Kalibergbau geben, wenn eine Gefährdung von Grund- und Trinkwasser nicht ausgeschlossen werden kann." Das Ministerium werde auch künftig den Landtag umfassend informieren.

"Begründete Besorgnis" besteht dem "Spiegel" zufolge nicht nur für die Heilquellen im hessischen Staatsbad Bad Hersfeld: Ein Dutzend Trinkwasserbrunnen im Werra-Raum könne kurzfristig unbrauchbar werden, bei einem Brunnen sei der Chloridgrenzwert schon mehrmals überschritten worden", hieß es dem Magazin zufolge in der Stellungnahme an den Regierungspräsidenten in Kassel.

Es bestehe aktuell keine Beeinträchtigung von Trinkwassergewinnungsanlagen oder Heilquellen durch die Salzabwasserversenkung, teilte K+S am Samstag mit. Dies belegten mehrere Gutachten und eingeholte Stellungnahmen. Die Entwicklung der Brunnen und Quellen werde von K+S und den zuständigen Behörden auch weiter intensiv beobachtet und dokumentiert.

Die SPD-Fraktion verlangt "schnellste Aufklärung", wie der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Timon Gremmels, in Wiesbaden sagte. "Der Vier-Phasen-Plan, der ohnehin schon viele Fragen aufgeworfen hat, droht zu scheitern, wenn sich das HLUG-Gutachten bewahrheitet." Laut "Spiegel" seien die Bedenken des HLUG im Ministerium wegen eines "Büroversehens" nicht weiterverfolgt worden. "Wir wollen wissen, ob es diesen Pfusch im Hause Hinz wirklich gegeben hat", sagte Gremmels.

Auch der hessische Landesverband des Bundes für Umwelt- und Naturschutz forderte eine "schnelle und gründliche Aufklärung". Er habe beim HLUG bereits einen Antrag nach dem hessischen Umweltinformationsgesetz gestellt. "Wir wollen im Original nachlesen, welche gutachterlichen Aussagen das Landesamt für Umwelt wann getroffen hat", teilte die Organisation mit.

Die Linke im hessischen Landtag erklärte: "Das Umweltministerium hat die Öffentlichkeit in unglaublicher Weise getäuscht." Die Expertise des HLUG sei im Regierungspräsidium Kassel und im Umweltministerium bewusst zurückgehalten worden, sagte die umweltpolitische Sprecherin der Landtags-Linken, Marjana Schott. "Die Genehmigung zur Versenkung von Salzabwässern von 2011 muss widerrufen und es darf keine weitere zugelassen werden."

dpa


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