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Luftverkehr

Skepsis und Zuversicht vor Start der Fluglärmpausen

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) ist vom Erfolg des neuen Probebetriebes am Frankfurter Flughafen für mehr Ruhe in der Region überzeugt. Die siebenstündigen Lärmpausen seien kein Nullsummenspiel, sondern entlasteten die Anwohner, sagte der Minister am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden.
Verkehsminister Al-Wazir setzt auf Lärmpausen.

Verkehsminister Al-Wazir setzt auf Lärmpausen.

© Arne Dedert/Archiv

Wiesbaden. Skeptisch äußerten sich dagegen die Bürgerinitiativen rund um den Airport: "Der Lärm wird damit nur verschoben, nicht vermindert", sagte Thomas Scheffler, Sprecher der Initiativen. "Per saldo gibt es keine Verbesserung." Der Probelauf sei völlig überflüssig.

Der einjährige Probebetrieb für siebenstündige Lärmpausen an Deutschlands größtem Flughafen beginnt an diesem Donnerstag (23. April). Durch abwechselnde Nicht-Nutzung einzelner Bahnen in den Randstunden soll das geltende sechsstündige Nachtflugverbot dann um sechzig Minuten verlängert werden und für einige Anrainerkommunen so eine Stunde mehr Nachtruhe bringen.

Nach den Berechnungen der Fluglärmkommission werden mit dieser Maßnahme abends über 100 000 Menschen eine zusätzliche Lärmpause gewinnen, wie der Verkehrsminister hervorhob. "Auch unterm Strich steht ein Plus von 40 000. Ich finde: Das ist es wert, erprobt zu werden."

Konkret Ist vorgesehen, zwischen 22.00 und 23.00 Uhr die neue Nordwestlandebahn nicht mehr zu nutzen. So kehrt über dem Norden von Offenbach und dem Frankfurter Süden früher Ruhe ein. Morgens zwischen 5.00 und 6.00 Uhr wird nicht auf der Südbahn gelandet. Dies entlastet beispielsweise Neu-Isenburg. Zu den Verlierern gehören dagegen Hanau oder der Main-Kinzig-Kreis. Von 23.00 bis 05.00 Uhr gilt ohnehin ein sechsstündiges Nachtflugverbot an dem Airport.

"Es wird sicher an der einen oder anderen Stelle auch mal ruckeln", erklärte der Grünen-Politiker. Die Lärmpausen werden sich einspielen müssen. "Wir werden gerade zu Beginn viele Erfahrungen sammeln. Aber genau deshalb machen wir ja einen Probebetrieb." Durch ein Monitoring soll die Auswirkung des Probebetriebs ausgewertet werden. Die Fluglärmkommission und das Forum Flughafen sollen sich darum kümmern.

Auf den Modellversuch hatte sich die hessische Landesregierung mit der Deutschen Flugsicherung (DFS), dem Flughafenbetreiber Fraport, der Lufthansa und Luftverkehrsverbänden Anfang Februar geeinigt. Das unterzeichnete Bündnispapier ist eine Absichtserklärung aller Seiten. Eine rechtliche Verpflichtung gibt es nicht. Formal muss die Landesregierung die DFS bitten, den Flugbetrieb in Frankfurt entsprechend der Lärmpausen zu ändern.

Die Bürgerinitiativen sind nach Angaben von Sprecher Scheffler vor allem von dem neutralen Votum der Fluglärmkommission (FLK) zu den Lärmpausenmodellen enttäuscht. Das Gremium hatte Ende Januar zwar den vom Verkehrsminister vorgelegten fünf Vorschlägen nicht zugestimmt. Das Modell vier bei Betriebsrichtung West, das 40 000 Menschen vor allem im Frankfurter Süden entlasten könnte, wurde jedoch für einen Probelauf akzeptiert.

Der FLK-Vorsitzende und Raunheimer SPD-Bürgermeister, Thomas Jühe, hatte darauf hingewiesen, dass es auch bei diesem Modell zu starken Verschiebungen mit Nachteilen für andere Kommunen wie etwa Hanau komme. Trotz "Verdauungsschwierigkeiten" habe es aber für die Tolerierung des Probebetriebs eine "deutliche Mehrheit" in der FLK gegeben.

Fraport begrüßte dagegen den Beginn des Probebetriebs. Nach intensiver Vorbereitung könnten jetzt konkrete Erfahren gesammelt werden, erklärte ein Sprecher des Flughafenbetreibers. Der nächste Schritt sei die Diskussion über Ergebnisse. Auch CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg betonte, allen Beteiligten sei es sehr ernst damit, alles technisch Mögliche und ökonomisch Vertretbare zu tun, um den Fluglärm weiter zu reduzieren. Die Lärmpausen seien kein Placebo.

Verkehrsminister Al-Wazir versicherte, dass die Lärmpausen aber nur ein wichtiger Baustein der Entlastung für die Region von Fluglärm seien. Es werde weiter an einem ganzen Bündel von zusätzlichen Maßnahmen gearbeitet, vor allem an der Einführung an einer Lärmobergrenze. "Das ist das zentrale und wirkmächtigste Instrument zur Deckelung des Fluglärms", betonte der Minister.

dpa


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