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Flüchtlinge

Neues Heim für unbegleiteter Flüchtlinge in Wiesbaden

Samir hat sich vier Monate lang auf dem Landweg von Afghanistan nach Deutschland durchgeschlagen. Schließlich ist der 16-Jährige in Wiesbaden gelandet, weil er dort einen Verwandten hat.
30 Flüchtlinge wurden in der Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge untergebracht.

30 Flüchtlinge wurden in der Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge untergebracht.

© A. Kaiser

Wiesbaden. Die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge, die allein nach Deutschland kommen, hat in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Allein nach Hessen sind von Januar bis Juni dieses Jahres fast 1400 gekommen. In der ersten Jahreshälfte 2014 waren es lediglich 560 Kinder und Jugendliche gewesen, die dann von den Jugendämtern in Obhut genommen werden.

In der Regel werden die Minderjährigen dann ähnlich wie alle anderen Asylsuchende in Hessen auf die Kommunen verteilt. Da für die Unbegleiteten aber die Jugendämter zuständig bleiben, erhalten sie vor Ort immer eine spezielle Betreuung.

In Wiesbaden gibt es aber auch viele "Selbstmelder", wie es in der Amtssprache heißt. Diese Jugendlichen melden sich - oft auch am Wochenende - bei den städtischen Behörden. "Sie haben Hunger und Durst, und sind einfach übermüdet", sagt Sebastian Hoffmann, der im Jugendhilfeverbund Antoniusheim in Wiesbaden für die unbegleiteten Flüchtlinge zuständig ist.

Die katholische Einrichtung engagiert sich besonders stark: Sie betreut in Wiesbaden 118 jugendliche Asylsuchende - darunter ist auch Samir. Am Dienstag wurde auf einer früheren Gartenbauanlage nahe des Friedhofs ein neuer Standort eröffnet. 30 Jugendliche, die vorübergehend in einem Hotel und einer Turnhalle einquartiert waren, werden dort jetzt pädagogisch betreut.

Es sind überwiegend Jungen, aber auch einige Mädchen. Das Durchschnittsalter liegt bei 16,5 Jahren. Als Begrüßungsgeschenk gibt es in der Regel ein deutsches Wörterbuch. Ziel sei es, den Jugendlichen neben Unterkunft und Sprachkurs möglichst auch einen Ausbildungs- und Schulplatz zur Verfügung stellen, sagt Sozialdezernent Arno Goßmann (SPD).

Ähnlich wie in Wiesbaden kommen hessenweit die meisten unbegleiteten Asylsuchenden aus Afghanistan, Somalia und Eritrea. Dahinter rangieren Albanien und Syrien. Sie reisen nach den Erfahrungen des Sozialministeriums vor allem über die großen Bahn-Verkehrsknotenpunkte ein. Der Frankfurter Flughafen spielt praktisch keine Rolle. Die Kosten für die Flucht per Flugzeug sind für viele zu hoch, außerdem gilt oft Visapflicht.

Die Chancen für den Verbleib in Deutschland sind für unbegleitete Flüchtlinge schon aus humanitären Gründen gut. Wer aus Kriegsgebieten wie Afghanistan oder Somalia kommt, darf ohnehin auf eine positiven Bescheid im Asylverfahren hoffen. Samir, der im vergangenen Jahr nach Wiesbaden kam, hat in kürzester Zeit schon ganz gut Deutsch gelernt - und einen Praktikumsplatz bei einem Wiesbadener Cateringunternehmen gekriegt. "Wenn ich hierbleiben kann, will ich die Schule beenden", sagt der 16-Jährige.

dpa


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