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Justiz

Neue Vorgaben für Bewährungshilfe: Sozialarbeiter wehren sich

Zwischen Bewährungshelfern und dem Justizministerium in Hessen schwelt ein Konflikt. Die Sozialarbeiter wehren sich gegen das vom Land geplante neue Modell der Risikoorientierten Bewährungshilfe (ROB).
Bewährungshelfer kämpfen gegen neue Vorgaben.

Bewährungshelfer kämpfen gegen neue Vorgaben.

© Fredrik von Erichsen/Symbol

Wiesbaden. Demnach sollen verurteilte Täter nach dem Rückfallrisiko in verschiedene Gruppen eingeteilt werden, die Bewährungshilfe wird stärker standardisiert. Die Helfer kritisieren, dann komme die soziale Arbeit zu kurz. "Wir befürchten, unter solchen Bedingungen den Menschen, die wir betreuen, nicht gerecht zu werden", sagte der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft hessischer Bewährungshelfer (LAG), Thomas Stiefel, der Nachrichtenagentur dpa.

Bis zum Frühjahr will der Verband mit Hilfe von Wissenschaftlern einen Gegenentwurf mit eigenen Qualitätsstandards vorlegen. Stiefel wirft dem Justizministerium vor, fachliche Argumente gegen die Einführung von ROB zu ignorieren. Dort hält man dagegen: "Es ist ein fortlaufender Prozess, der noch andauert. In diesem Zusammenhang gibt es Gespräche mit der LAG, in denen Bedenken vorgebracht werden können", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Diese würden geprüft.

Seit 2012 arbeitet das Justizministerium daran, die Bewährungshilfe im Land neu auszurichten. Ziel sei es, die Resozialisierung zu verbessern. Rund 75 Prozent der Bewährungsverfahren in Hessen enden nach Angaben des Ministeriums mit Straferlass. "Das ist ein gutes Ergebnis, auf das aufgebaut werden kann", heißt es dort. Es gehe darum, insbesondere schwere Straftaten soweit wie möglich zu verhindern.

Eben das Ziel der Resozialisierung aber sehen die Bewährungshelfer in Gefahr. "Wer nach dem neuen Modell arbeitet, hakt Listen ab. Dafür braucht man Verwaltungsangestellte. So will ich nicht arbeiten. Ich bin Sozialarbeiter", sagte LAG-Chef Stiefel. In einem Positionspapier des Verbands vom Januar dieses Jahres verlangen die Bewährungshelfer, das neue System nicht einzuführen. Sie beklagen, dass sie sonst nicht mehr ihrem gesetzlichen Auftrag nachkommen könnten - nämlich Rückfälle zu vermeiden.

Die starre Einteilung der Betreuten nach Motivation und Rückfallrisiko stigmatisiert Stiefel zufolge und lässt keinen Raum für individuelle Bedürfnisse. Zudem bringe sie großen bürokratischen Aufwand, das habe sich in den Bundesländern Bayern und Niedersachsen gezeigt. "Wir bekommen ein Kategorisierungsmodell vorgesetzt, das ineffizient und kontraproduktiv ist", sagte Stiefel.

Nach betriebswirtschaftlichen Kriterien könnten Sozialarbeiter keine Arbeitsbeziehung zu den Betreuten aufbauen. "Dann müssen unsere Probanden alleine zurechtkommen", sagte Stiefel. Laut Ministerium dagegen sollen die Leistungen der derzeit 207 hauptamtlichen Bewährungshelfer erhalten bleiben.

Den Einwänden der Bewährungshelfer wollen nun die Sozialdemokraten im Landtag Gehör verschaffen. Sie beantragten im Oktober eine Anhörung zur Zukunft der Bewährungshilfe. Die geplante Umorientierung bedeute einen Paradigmenwechsel im Bereich der Bewährungshilfe, sagte die rechts- und justizpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Heike Hofmann. Sie forderte Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) auf, sich der Kritik der Bewährungshelfer zu stellen.

dpa


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