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Energie

Kommunen fordern mehr Informationen über Stromtrasse Suedlink

In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen wächst der Widerstand gegen die geplante Nord-Süd-Stromtrasse Suedlink. "Wir haben nichts gegen die Leitung, wir haben aber etwas gegen das Verfahren", sagte der Landrat des niedersächsischen Kreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), nach einem Treffen von Politikern aus den drei Bundesländern am Freitag in Detmold.
Die Stromtrasse Suedlink soll 800 Kilometer lang werden. Foto: P. Pleul/Archiv

Die Stromtrasse Suedlink soll 800 Kilometer lang werden. Foto: P. Pleul/Archiv

Detmold. Der Netzbetreiber Tennet müsse umgehend alle Planungsunterlagen freigeben. Andernfalls werde eine Klage erwogen.

Die 800 Kilometer lange Höchstspannungsleitung Suedlink soll als ein Herzstück der Energiewende ab 2022 Energie aus Windkraft nach Süddeutschland bringen. Dann soll dort das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet werden. Am 3. November will Tennet die Unterlagen bei der Bundesnetzagentur einreichen. Dann könnte es auf Basis des neuen Netzausbaubeschleunigungsgesetzes (NABEG) ein schnelles Verfahren geben.

Bislang habe das niederländische Unternehmen Tennet Einsicht in die Unterlagen verwehrt, kritisierten die Kommunen. Noch in diesem Jahr sei eine weiter östlich gelegene Trasse von Tennet selbst als sehr viel besser geeignet gekennzeichnet worden, sagte Bartels. Jetzt sei der Westschwenk mit dem Schlenker über die NRW-Kreise Lippe und Höxter erfolgt. Eine Begründung fehle.

Die auf rechtliche Fragen des Netzausbaus spezialisierte Berliner Anwaltskanzlei DeWitt solle nun Klagemöglichkeiten prüfen, kündigten die Vertreter der Landkreise Lippe, Höxter, Hameln-Pyrmont, Holzminden, der Region Hannover und der nordhessischen Gemeinde Bad Emstal an. Am 22. Oktober soll es ein Gespräch im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin geben.

Sämtliche Möglichkeiten des Widerstandes würden geprüft, sagte Bartels. Dazu gehöre auch eine Verfassungsklage gegen das NABEG. "Wenn Tennet eine Trasse vorlegt, wird auch nur diese von der Bundesnetzagentur geprüft." Die Verteterin der Region Hannover, Sonja Breunig, kritisierte, ein sonst übliches Raumordnungsverfahren mit der Einbeziehung von Alternativen finde hier nicht statt. Rainer Becker vom Landkreis Holzminden sagte: "Die Frage ist, ob da nicht eine Überbeschleunigung stattgefunden hat."

Entlang der geplanten Strecke haben sich in allen Bundesländern zahlreiche Bürgerinitiativen formiert. In der lippischen Gemeinde Lügde würde die Trasse durch ein halbes Dutzend Ortsteile führen. "Wir sind nicht davon überzeugt, dass die Trasse überhaupt nötig ist", sagte Martin Hottel von der Initiative "Aktion gegen Stromtrasse" der Nachrichtenagentur dpa.

Der Grund für den West-Schwenk der Trasse ist für Hottel klar: In Niedersachsen sind 400 Meter Abstand zu Wohngebäuden vorgeschrieben, in NRW nicht. Die Staatskanzlei in Düsseldorf bestätigt das. Erst der neue Landesentwicklungsplan werde solche Abstände fordern. Auch Tennet-Mitarbeiter hätten unumwunden zugegeben, dass man den 400-Meter-Abstand in NRW nicht überall einhalten werde. Das spart Kosten und erleichtert die Planung.

"Wir fürchten, dass es Gesundheitsprobleme durch Ionisierung geben könnte", sagte Hottel. "Die steht in Verdacht, Krebs zu erregen." Die Ankündigung, auch Erdkabel statt der bis zu 70 Meter hohen Strommasten einzusetzen, hält Hottel für eine "Alibiveranstaltung". Andernorts sei das wie am Rennsteig auch ausgeschrieben gewesen. "Am Ende wurde aber, angeblich wegen technischer Probleme, kein Meter unter der Erde verlegt."

Tennet betonte, Erdkabel seien fünf- bis achtmal so teuer wie Freileitungen. Landrat Bartels bezweifelte das und sprach von Legendenbildung.

Auch Ruben Emme von der Bügerinitiative Warburger Land ist besorgt über mögliche Gesundheitsgefahren durch die Gleichstromleitung. Dafür gebe es noch keine Langzeitstudien. "Und ich möchte nicht unter den Ersten sein, an denen das ausprobiert wird."

dpa


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