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Bergbau

K+S soll Verklappung von Salzabwässern bis 2075 beenden

Der nordhessische Kali-Hersteller K+S soll die umstrittene Einleitung von Salzabwässern in Werra und Weser über 60 Jahre schrittweise beenden. Das Land Hessen und das Unternehmen stellten am Montag einen Stufenplan bis 2075 vor.
Umweltministerin Hinz (Grüne) mit K+S-Vorstand Steiner.

Umweltministerin Hinz (Grüne) mit K+S-Vorstand Steiner.

© F. Rumpenhorst

Wiesbaden. Zuvor hatte sich eine ursprünglich geplante Abwasserpipeline zur Nordsee als nicht praktikabel erwiesen.

Am Ende der Zeit solle die Werra Süßwasserqualität erreichen, sagte die Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) in Wiesbaden. "Ich glaube, dass es eine gute Gesamtlösung ist", kommentierte sie die Einigung. Ein Zugeständnis des Landes ist, dass K+S bis 2021 Millionen Kubikmetern Lauge in den Untergrund verpressen darf. Die Erlaubnis sollte 2016 auslaufen.

Der "Sechzig-Jahre-Plan" bedeute eine unverminderte Belastung für Werra und Weser bis zum Ende des Kalibergbaus zwischen Hessen und Thüringen, kritisierten Umweltverbände. Auch Nordrhein-Westfalen, ebenfalls mit grüner Regierungsbeteiligung, äußerte sich negativ. Dagegen zeigte sich die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) erleichtert, dass ein drohender Wegfall von über 4000 Arbeitsplätzen vermieden wird. Vom ersten "industriepolitischen Leistungsnachweis der schwarz-grünen Koalition", sprach der Hessen-Vorsitzende Volker Weber.

K+S leitet jährlich mehrere Millionen Kubikmeter Abwasser in den Untergrund und in die Werra. Von dort fließt es in die Weser und schließlich in die Nordsee. Die Einigung solle "die Werra-Problematik ein für alle mal lösen", sagte der K+S-Vorstandsvorsitzende Norbert Steiner. Er schätzte die Bau- und Betriebskosten für die Entsorgung auf 800 Millionen Euro bis Ende der Laufzeit.

In der ersten Phase bis 2021 soll eine neuartige Anlage entstehen, die durch Verdampfen der Lauge mehr Rohstoffe wie Abfälle herausfiltert. Außerdem soll vom K+S-Hauptwerk über 140 Kilometer eine Pipeline zur Oberweser gebaut werden, um die Werra von Einleitungen zu entlasten.

In den Jahrzehnten danach sollen die Abraumhalden des Salzabbaus besser gegen Auswaschung geschützt werden. Im Werk Unterbreizbach in Thüringen soll die Salzaufbereitung 2023 eingestellt werden, im Hauptwerk Werra im Jahr 2060.

Über die Versalzung von Werra und Weser hatte sich über Jahre ein Runder Tisch in der Region den Kopf zerbrochen und schließlich 2010 den Bau einer Leitung zur Nordsee gefordert. Diese Lösung habe die Ökonomie außer Acht gelassen, sagte Steiner. Ministerin Hinz erklärte, einem Gutachten ihres Ministeriums nach hätte die Leitung die Wasserqualität in Werra und Weser nicht so entscheidend verbessert, wie es das EU-Recht fordert.

"Die Ankündigung Hessens, die Option einer Nordseepipeline zur Entlastung der Weser nicht weiter zu verfolgen, sehe ich sehr kritisch", sagte der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Ohne die Pipeline seien die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie nicht zu erfüllen. Der Umweltverband BUND in Hessen kritisierte, dass K+S noch über Jahre Abwässer in den Untergrund verpressen darf. "Schon heute ist bekannt, dass die in den Untergrund versenkte Salzlauge nicht ortsfest ist, sondern im Laufe der Jahre in die Fließgewässer eindringt."

Die Vereinbarung zwischen dem Land Hessen und K+S solle in einem öffentlichen Vertrag besiegelt werden, sagte Hinz. Sie hatte seit Mai mit Steiner verhandelt.

dpa


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