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Landtag

"Hochglanzbroschüren" helfen nicht - Anhörung zum Salafismus

Unter den islamistischen Bewegungen ist der Salafismus weiterhin am dynamischsten. Darüber waren sich Polizei und Verfassungsschutz am Donnerstag bei einer Anhörung im hessischen Landtag in Wiesbaden einig.
Jörg Ziercke hält Panik für übertrieben.

Jörg Ziercke hält Panik für übertrieben.

© Claudia Kornmeier/Archiv

Wiesbaden. Nicht nur in Deutschland, sondern auch international verzeichne der Salafismus immer mehr Anhänger, sagte Sybille Vocke vom Bundesamt für Verfassungsschutz in Berlin. In Deutschland zählte sie Frankfurt neben Köln/Bonn und Berlin zu den drei großen Zentren der Bewegung, die geschickt das Internet für sich nutze und auf kleine Netzwerke mit flachen Hierarchien setze.

Jörg Ziercke, bis vor wenigen Monaten noch Chef des Bundeskriminalamts, machte jedoch zugleich deutlich, dass die Mehrheit der Salafisten Gewalt ablehne. Allerdings begünstige die Ablehnung von Toleranz der konservativen Salafisten die Radikalisierung anderer Muslime. Bei der Prävention gegen den Salafismus dürfe man nicht auf "Hochglanzbroschüren" setzen. Vielmehr müsse ein emotionaler Zugang zu den Betroffenen gesucht werden.

Das sehen Pädagogen genauso wie der früher BKA-Chef: Großes Problem im Einzelfall ist aber, dass jugendliche Salafisten bewusst in die "soziale Isolation" gehen - meist gegen den Widerstand ihrer Familien. Dass vor der möglichen Ausreise nach Syrien dennoch eine Umkehr möglich ist, machte André Taubert vom Netzwerk "kitab" in Bremen auf der Anhörung deutlich. Er berät Familien von Salafisten - durchaus mit Erfolg. Man müsse die ausgegrenzten Jugendlichen zuerst einmal als Mensch ernst nehmen, ohne zugleich ihre Ziele gutzuheißen.

Der Berliner Psychologe Ahmad Mansour will dabei viel stärker die muslimischen Verbände in die Pflicht nehmen, die sich bisher als reformunfähig erwiesen hätten. "Wir brauchen unbedingt eine innerislamische Debatte", forderte Mansour, der selbst Muslim ist. Mit ihrem oft autoritären Verständnis vom Islam lieferten die Verbände den theologischen Unterbau für die Salafisten.

Diese vertreten einen am Koran orientierten Ur-Islam und lehnen die westliche Demokratie ab. Zahlenmäßig sind sie eine sehr kleine Minderheit im Islam. Als besonders gefährlich gelten jedoch die Dschihadisten, die aber im Salafismus nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Rund 50 Experten aus Wissenschaft und Behörden hatte Hessens Landtag bei der zweitägigen Anhörung zu Wort kommen lassen. Die Polizeiverbände nutzten am Donnerstag die Gelegenheit, um neben schärferen Gesetzen und verbesserter Kooperation auch für mehr Personal zu werben. Die Vorbeugung gegen eine Radikalisierung bleibe aber vorrangig, sagte Andres Grün, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei.

Doch auch bei den Programmen zur Prävention fehlt es an Geld. Nicht nur in Hessen, das mit seinem Violence Prevention Network (VPN) ohnehin bundesweit als Vorreiter gilt. In seinem Bremer Netzwerk betreut Taubert allein 60 Angehörigenfamilien. Das sei "kaum mehr machbar", sagte er auf der Anhörung.

dpa


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