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Auszeichnungen

Hessischer Friedenspreis geht nach Brasilien: Einsatz gegen Waffen

Für seinen Einsatz gegen Gewalt im WM-Gastgeberland Brasilien erhält Rubem César Fernandes den Hessischen Friedenspreis 2014. Dank seiner Organisation "Viva Rio" hätten die Einwohner von Rio de Janeiro freiwillig etwa 100 000 Handfeuerwaffen abgegeben.
Rubem César Fernandes, Gründer von «Viva Rio».

Rubem César Fernandes, Gründer von «Viva Rio».

© Tamiris Barcellos/Viva Rio

Wiesbaden. Es gebe seit Jahren spürbar weniger Morde in der Hafenstadt, erklärte das Preiskuratorium in Wiesbaden am Montag. Fernandes (71) soll den mit 25 000 Euro dotierten Preis am 24. Juli in der hessischen Landeshauptstadt entgegennehmen.

Der zum 20. Mal verliehene Preis nehme erstmals keinen Krieg oder Bürgerkrieg, sondern die "urbane Gewalt" in den Blick, sagte der Frankfurter Friedensforscher Harald Müller. In Brasilien wachse die Wirtschaft, doch die Schere zwischen Reich und Arm klaffe weit auseinander. Für junge Männer in den Metropolen seien Drogenhandel, Gewalt und Bandenkriege oft die einzige Perspektive. Dagegen stehe der Terror einer schlecht ausgebildeten und bezahlten Polizei.

"Insofern ist es tatsächlich eine Tat des Friedens, gegen diese Art von Gewalt anzugehen", sagte Müller, Vorstand der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Zum einen überzeugen Fernandes und seine Helfer junge Männer, ihre illegalen Waffen abzugeben. Zum anderen schult die Nichtregierungsorganisation Polizisten für friedliche Einsätze in den Armenvierteln, den Favelas. Drittens biete "Viva Rio" den Favela-Bewohnern Jobtraining, Sport- und Kulturprojekte und verleihe Mikrokredite für Kleinunternehmer.

Die militärischen Großeinsätze der Polizei in Brasilien, um Favelas vor der WM zu befrieden, sehe Fernandes aber kritisch, berichtete Müller. Für ihn sei das ein Rückfall in überwunden geglaubte Polizeitaktik gewesen.

Der Hessische Friedenspreis wurde vom früheren Ministerpräsidenten Albert Osswald (SPD) gestiftet, er wird unter der Schirmherrschaft des Landtagspräsidenten vergeben. "Wir haben schon eingeschätzt, dass die WM ein besonderes Augenmerk auf Brasilien hervorruft", sagte der Kuratoriumsvorsitzende Karl Starzacher. Trotzdem habe das Kuratorium mehr für Fernandes als Person, weniger für das Land entschieden. Vergangenes Jahr hatten sich zwei Geistliche aus Nigeria, der Christ James Wuye und der Muslim Muhammad Ashafa, den Preis geteilt.

dpa


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