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Extremismus

Hessen wappnet sich gegen Gefahren des Salafismus

Die Sicherheitsbehörden in Hessen gehen von einer steigenden Gefahr durch Salafisten aus. "Aktuell verstärken alle Polizeipräsidien die Arbeitsbereiche des polizeilichen Staatsschutzes und haben Arbeitsgruppen zur Bekämpfung des islamischen Fundamentalismus eingerichtet", sagte Innenminister Peter Beuth (CDU) der Nachrichtenagentur dpa in Wiesbaden.
Peter Beuth, hessischer Innenminister.

Peter Beuth, hessischer Innenminister.

© Boris Roessler/Archiv

Wiesbaden. Der Salafismus ist eine sehr konservative Bewegung des Islams, die von einer kleinen Minderheit getragen wird. Ziel ist die Errichtung eines Gottesstaates nach den Regeln der Scharia. Teile der Bewegung sind gewaltbereit.

Das Landeskriminalamt (LKA) rechnet damit, dass die Zahl von derzeit 1500 Salafisten im Land weiter steigen wird. "Das ist leider ein sehr dynamisch wachsendes Problem", sagte der Innenminister. In welcher Geschwindigkeit, sei unklar. "Das hängt sicherlich auch von der Lage in Syrien und dem Irak ab. Von diesen Konflikten geht offenbar eine große Anziehungskraft für Radikalisierte aus."

Sorgen bereite den Ermittlern auch, dass immer mehr zum Salafismus konvertierte Deutsche ausreisen und sich am Heiligen Krieg in Syrien und dem Irak beteiligen wollten, sagte ein LKA-Sprecher. An diesem Punkt werde vor allem die neu gegründete zentrale Stelle des LKA ansetzen, die die Koordination bei den Salafismus-Ermittlungen in Hessen vor kurzem übernommen hat.

Der Innenminister will künftig die Moschee-Gemeinden und Islamverbände bei der Präventionsarbeit stärker einbinden. Anfang 2015 werde er ein Sicherheitsforum Salafismus ins Leben rufen.

Neben Vertretern der Sicherheitsbehörden und des Verfassungsschutzes sollen das Kompetenzzentrum gegen Salafismus sowie Teilnehmer von relevanten Moschee-Gemeinden und Islamverbände in wechselnder Besetzung bei den Treffen vertreten sein. Das etwa zehnköpfige Gremium werde alle vier bis sechs Wochen zusammenkommen und nicht öffentlich tagen, kündigte Beuth an.

"Wir haben beim Salafismus das Problem, dass diese Ausprägung eine komplette Religion diskreditiert", sagte der Minister. "Das erkennen auch die Verbände. Deshalb glaube ich, dass wir mit unserem Vorschlag auf offene Ohren stoßen werden." Ziel sei ein gemeinsames Vorgehen, wenn es etwa Probleme mit einem radikalisierten Mitglied gibt. Oftmals seien die Gemeinden unsicher, wie sie damit umgehen, ob sie sich abschotten oder öffnen sollen.

Bei der Bekämpfung des Salafismus seien nicht nur die Sicherheitsbehörden gefordert, es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, betonte der Innenminister. Der Prävention komme eine entscheidende Bedeutung zu. "Ganz generell gilt, dass wir möglichst früh Gegenangebote unterbreiten müssen. Wir müssen junge Menschen durch Präventionsangebote stark machen, damit sie sich den Rekrutierungsangeboten widersetzen könne."

Die Leiterin des neuen Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam, Prof. Susanne Schröter, macht sich dafür stark, bei dieser Arbeit noch mehr religiöse Akteure mit ins Boot zu holen. "Salafismus ist nicht allein ein Problem sozialer Defizite", betonte die Ethnologin. "Es ist auch ein Problem ideologischer Irreleitung, das nur gebrochen werden kann, wenn auch islamische Respektspersonen und Gelehrte den Jugendlichen erklären: 'Das ist nicht der wahre Islam.' Es reicht nicht, alle halbe Jahre mal zu behaupten: 'Islam ist Frieden'."

Diese Einschätzung teilte auch der Geschäftsführer des Vereins Violence Prevention Network (VPN), der mit seiner Beratungsstelle das Herzstück des landesweiten Präventionsnetzwerk gegen Salafismus bildet. "Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, dass wir uns vor einigen Jahren interkulturell und interreligiös geöffnet haben", sagte Thomas Mücke. "Es bringt eine Menge, akzeptiert zu werden."

Die VPN-Experten sprechen mit Jugendlichen, um sie vor religiösem Extremismus zu bewahren. Sie gehen dazu in Schulen, Moscheen, Gefängnisse und Wohnungen. Viel Kontakt läuft nach Angaben von Mücke über die Familien radikalisierter Jugendlicher. Mit mittlerweile 50 Familien stehe die Beratungsstelle in Hessen in Kontakt. Dazu kommen 22 junge Menschen, von denen einige schon in Syrien waren und die teils auch aussteigen wollten. "Wir merken, dass der Bedarf an Gesprächen und Beratung sehr groß", erklärte der VPN-Geschäftsführer.

dpa


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