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Flüchtlinge

Hessen erwartet in diesem Jahr nun rund 55 000 Flüchtlinge

Auch das Land muss seine Flüchtlingsprognose nach oben korrigieren und geht nun von rund 15 000 mehr Menschen aus als bisher erwartet. Um ihre Aufnahme möglichst reibungslos zu gestalten, werden nun auch pensionierte Beamte eingesetzt.
Am Mittwoch wurde in Berlin die neue Flüchtlingszahlen-Prognose präsentiert.

Am Mittwoch wurde in Berlin die neue Flüchtlingszahlen-Prognose präsentiert.

© Rainer Jensen

Wiesbaden. Hessen rechnet in diesem Jahr mit insgesamt rund 55 000 Flüchtlingen. Bislang war das Land von etwa 40 000 Menschen ausgegangen. Nachdem die bundesweiten Zahlen deutlich nach oben korrigiert wurden, entfallen auch auf Hessen mehr Menschen als erwartet. "Das ist eine nationale Aufgabe", sagte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) am Mittwoch.

Die Bundesregierung rechnet im laufenden Jahr mit bis zu 800 000 Asylanträgen in Deutschland, wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin mitteilte. Bislang war das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach einer Prognose im Mai von 450 000 Asylanträgen ausgegangen.

Grüttner sagte: "Das sind Zahlen, die uns - bei aller Weitsicht - vor riesige Herausforderungen stellen; in Hessen wie in allen anderen Bundesländern und es ist eine Korrektur in nie da gewesenem Maße." Er habe des Bundesamt schon mehrfach aufgefordert, endlich realistische Prognosen aufzustellen, damit alle Länder möglichst passgenau planen und den schutzsuchenden Flüchtlingen eine erste angemessene Unterkunft bieten können. "Die neuen Zahlen sind allerdings sehr weit von den Prognosen aus dem Mai entfernt. Das darf bei einem so wichtigen Thema, dass die Länder und Kommunen vor große Herausforderungen stellen, so nicht passieren", kritisierte er.

Angesichts der neuen Zahlen müsse der Bund die Länder nicht nur finanziell, sondern auch bei der Suche nach Liegenschaften enger und effektiver unterstützen, forderte Grüttner. "Und es ist dringend geboten, endlich Vorschriften zu vereinfachen und zu entbürokratisieren."

Grüttner berichtete, dass in Hessen pensionierte Polizisten um Mithilfe gebeten wurden. "Wir haben 200 Meldungen bekommen", sagte Staatssekretär Werner Koch. "Die ersten sind auch schon dabei, eingearbeitet zu werden." Mit einem weiteren Aufruf will das Land weitere Pensionäre rekrutieren. Auch in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und beim Bundeskriminalamt sollen Pensionäre mit Erfahrungen aus Asylverfahren und bei der Feststellung von Personalien helfen.

Zur medizinischen Versorgung in den Erstaufnahme-Einrichtungen wurden Ärzte aufgerufen, sich als Helfer zu melden. Mehr als 100 Mediziner seien dem nachgekommen, sagte Staatssekretär Koch. Sie würden vom Land bezahlt. "Es sind immer alle Erstuntersuchungen vorgenommen worden. Es geht nur jetzt schneller", sagte Grüttner.

Mit Blick auf derzeit knapp 4500 in Zelten untergebrachte Flüchtlinge sagte der Minister: "Wir wollen versuchen, bis zu den Wintermonaten feste Unterbringungen anzubieten". Bis zum Jahresende soll es 19 000 Plätze in festen Unterkünften geben. Insgesamt leben Grüttner zufolge derzeit etwa 10 500 Menschen in Erstaufnahme-Einrichtungen, davon 5500 in Gießen. Der Rest verteilt sich auf die weiteren Standorte, zudem gibt es in sieben Städten Zeltcamps. Ab Oktober solle es auch in Büdingen in der Wetterau eine Erstaufnahme-Einrichtung geben.

dpa


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