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Kommunen

Hallenbäder werden für viele Kommunen unbezahlbar

Das südhessische Pfungstadt hat sein Bad dichtgemacht. Anderen Kommunen fehlt ebenfalls das Geld für Renovierungen. Kommunale Hallenbäder machen überall Defizit, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.
Kommunale Hallenbäder machen überall Defizit.

Kommunale Hallenbäder machen überall Defizit.

© Fredrik von Erichsen/Archiv

Wiesbaden/Frankfurt. Frankfurt bezuschusst jeden Badbesuch mit zehn Euro. Der Bund der Steuerzahler will deshalb, dass Bäder zusammengelegt werden oder Vereine mehr ehrenamtlich übernehmen. "Hallenbäder sind eine freiwillige Leistung", sagt Hartmut Schaad vom Bund der Steuerzahler Hessen. Frankfurt will jetzt die Bedürfnisse der Bürger in einer Umfrage ermitteln.

Pfungstadt hat seinen gesamten Komplex aus Hallen- und Freibad sowie Sauna geschlossen. Bei einer Prüfung stellte sich heraus, dass der "Bade-Sauna-Park" die Bestimmungen des Brandschutzes nicht mehr erfüllt. Um etwa Fluchtwege auf den neuesten Stand zu bringen, müsste die Stadt Geld in die Hand nehmen - die Kommune hat aber derzeit keinen genehmigten Haushalt. Pfungstadt will sich erst einmal Gedanken machen, wie es weitergehen soll.

Wegen Brandschutzproblemen hat auch Rüsselsheim das Hallenbad seit einem Jahr geschlossen, Mängel hat auch die Lüftungsanlage. "Eine komplette Sanierung würde eine Menge Geld kosten", sagte eine Sprecherin der Stadt. Derzeit gebe es den Beschluss, nach einem privaten Investor Ausschau zu halten.

In Darmstadt wurde das Schwimmsportangebot mit drei Hallenbädern, zwei Freibädern und zwei Naturfreibädern gehalten - wegen der Schwimmsporttradition, meinte Sportdezernent Rafael Reißer (CDU). Eine Privatisierung der Sport-Bäder sei wegen der Dichte des Angebotes auszuschließen.

Frankfurt betreibt neben sieben städtischen Freibädern sechs Hallenbäder, davon sind drei Erlebnisbäder. An Schließungen ist nicht gedacht, obwohl der Bäderbetrieb im vergangenen Jahr der Stadt ein Defizit von 24,9 Millionen Euro eingebracht hat. Bei 2,5 Millionen Besuchern bedeutet das zehn Euro Zuschuss pro Badbesuch, wie der Geschäftsführer der Bäderbetriebe, Frank Müller, sagt.

Im Stadtteil Bornheim soll das Panoramabad saniert oder ganz neu gebaut werden. Das frühere kommunale Gartenbad Fechenheim ist 2003 zum Vereinsbad geworden. Die Stadt ist noch immer verantwortlich für die Instandhaltung. Den Betrieb aber hat der Verein Turngemeinde Bornheim 1860 übernommen. "Das ist ein sehr praktikables Modell", sagt Müller. Der Trägerverein habe zum Beispiel eine Sauna gebaut - ohne finanzielle Beteiligung der Stadt. "Das wäre ein Modell für Kommunen, die kämpfen."

In Fulda ist die Schließung von Schwimmbädern kein Thema. Es gibt zwei Hallenbäder. "Dieses qualitativ hochwertige Angebot hat für die Menschen über Fulda hinaus eine große Bedeutung", sagte Stadtsprecher Michael Schwab. Auch wenn es ein Zuschussgeschäft sei, lasse sich die Stadt dies etwas kosten.

In der traditionsreichen Bäderstadt Wiesbaden wird an die Schließung der fünf Hallenbäder ebenfalls erst gar nicht gedacht. Nach zwei Preiserhöhungen in den vergangenen Jahren arbeiten die Bäder zu 52 Prozent kostendeckend. "Das ist ein Spitzenwert in Deutschland", sagt der Betriebsleiter des städtischen Eigenbetriebs Mattiaqua, Gunnar Feuerbach. Jährlich fließen 1,5 Millionen Euro in die Sanierung der Bäder. Im Jahr 2012 wiesen die Bäder ein Defizit von 800 000 Euro aus.

Die Beteiligung von Vereinen an Bädern beurteilt Feuerbach sehr zurückhaltend. "Das ist ein zweischneidiges Schwert." Man müsse genau wissen, wo Vereine eingesetzt werden könnten. In Wiesbaden vertraue man lieber seit Jahrzehnten auf die eigene Ausbildung des Personals, das genauso Schwimmmeister sei und Reparaturen übernehmen könne.

In Wetzlar wurde das 1973 gebaute Europabad vor gut zwei Jahren für 5,9 Millionen Euro saniert. Die Schwimmhalle kostet pro Jahr 1,2 Millionen Euro im Unterhalt. Nach Abzug des Eintrittsgeldes bleibt immer noch ein städtischer Zuschuss von etwa 840 000 Euro im Jahr.

Als vorbildhaft beim Betrieb eines Hallenbads gilt die Zusammenarbeit der mittelhessischen Gemeinden Pohlheim, Linden und Fernwald. Sie haben einen Zweckverband gegründet. Dies könne anderen Gemeinden auch als Modell dienen, sagt Claus Spandau, Geschäftsführer des Zentrums für Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) in Wiesbaden. Solche Verbände könnten einen Zuschuss von 100 000 Euro erhalten. Das IKZ wird vom Land und den kommunalen Spitzenverbänden betrieben.

In Kassel ist erst im vergangenen Jahr der Neubau des 32 Millionen Euro teuren Auebads eröffnet worden - ein kombiniertes Frei- und Hallenbad. In den ersten fünf Monaten - von Juli bis Jahresende - kamen rund 144 000 Besucher. Das Bad komme bestens an, sagte eine Sprecherin.

dpa


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