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Luftverkehr

Fraport gibt Startschuss für umstrittenen Bau von Terminal 3

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport beginnt noch in diesem Jahr mit dem Bau des umstrittenen Terminals 3. Das neue Abfertigungsgebäudes soll trotz politischen Gegenwinds und Bedenken von Bürgerinitiativen im Süden des Airports entstehen.
Bau von Terminal 3 soll noch in diesem Jahr beginnen.

Bau von Terminal 3 soll noch in diesem Jahr beginnen.

© Ole Spata/Archiv

Frankfurt/Main. Die Bauarbeiten sollen Ende des Jahres losgehen, wie Vorstandschef Stefan Schulte am Mittwoch ankündigte.

"Mit einem Investitionsvolumen von 2,5 bis 3 Milliarden Euro ist der Bau des Terminals 3 eines der großen Infrastrukturprojekte in Deutschland", sagte Schulte auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Das neue Gebäude soll im Jahr 2022 in Betrieb genommen werden. Fraport wolle beweisen, dass Großprojekte in Deutschland im Zeitplan und im vorgesehenen Budget verwirklicht werden könnten, sagte der Flughafenchef.

Fraport begründet den geplanten Bau mit Kapazitätsengpässen an den bestehenden Abfertigungsgebäuden und der erwarteten Zunahme des Luftverkehrs. "Um der prognostizierten Verkehrsentwicklung Rechnung zu tragen, ist es nunmehr erforderlich, in diesem Jahr mit dem Bau des dritten Terminals zu beginnen", sagte Schulte.

Fraport-Gutachten vom September 2014 erwarten bis zum Jahr 2021 einen Anstieg auf 68 bis 73 Millionen Passagiere jährlich. Die Auslastungsgrenze der zwei bestehenden Terminals von 64 Millionen Passagieren werde schon vorher deutlich überschritten, sagte Schulte. Das neue Gebäude soll jährlich von etwa 14 Millionen Flugreisenden genutzt werden.

Das Baurecht für ein drittes Terminal an Deutschlands größtem Flughafen liegt bereits vor. Die Vorfeldflächen mit der Versorgungsinfrastruktur sind laut Fraport schon zum Großteil fertiggestellt.

Welche Fluggesellschaften in das neue Gebäude einziehen, wollte der Fraport-Chef nicht sagen. "Airlines planen grundsätzlich kurzfristiger", sagte er mit Blick auf den anvisierten Bezug im Jahr 2022. "Ich würde heute davon ausgehen, dass Lufthansa im Terminal 1 bleibt."

Um die Ausbaupläne gibt es seit langem Streit. Die Luftfahrtbranche begrüßte einhellig den Bau des neuen Abfertigungsgebäudes als "gutes Signal nicht nur für die Zukunftsfähigkeit des Flughafenstandortes im Rhein-Main-Gebiet, sondern auch für die Wirtschaftskraft ganz Deutschlands", wie Klaus-Peter Siegloch, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), erklärte.

Kritiker befürchten dagegen, dass größere Kapazitäten des Airports zu mehr Verkehr und damit zu mehr Lärm führen. Außerdem bezweifeln sie die Notwendigkeit eines weiteren Terminals. "Dies ist kein guter Tag für unsere Region", sagte Thomas Scheffler, Sprecher des BBI Bündnis der Bürgerinitiativen. Der Zusammenschluss von mehr als 80 Initiativen werde weiter "gegen den Ausbauwahn kämpfen".

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) reagierte zurückhaltend auf den Beschluss. Mit Blick auf die Befürchtung von Ausbaugegnern, die noch mehr Fluglärm erwarten, sagte er, Fraport-Chef Schulte habe stets betont, dass ein "neues Terminal alleine noch keinen zusätzlichen Lärm verursacht". Er kündigte an: "Wir werden den Vorstand beim Wort nehmen und weitere Lärmschutzmaßnahmen einfordern."

Die Grünen hatten im Landtagswahlkampf 2013 gegen ein neues Terminal gekämpft. Seit 2014 sitzen sie gemeinsam mit der CDU, die sich für den Bau stark gemacht hat, am Kabinettstisch in Wiesbaden. Das Land Hessen ist größter Anteilseigner der Fraport. "CDU und Grüne haben damit den Koalitionsvertrag eins zu eins umgesetzt", sagte Unions-Fraktionschef Michael Boddenberg.

Al-Wazir hatte laut Koalitionsbeschluss in eigenen Gutachten prüfen lassen, ob die Fraport AG bei ihren Wachstumsprognosen zu Passagieren und Flugbewegungen richtig gerechnet hat, und den Vorhersagen schließlich Anfang März bescheinigt, sie entsprächen "anerkannten wissenschaftlichen Standards". Allerdings hatte er eingewendet, der Flugverkehr wachse erfahrungsgemäß langsamer als erwartet. Als Alternative zum Neubau schlug er vor, noch einmal das Terminal 1 zu erweitern.

Flughafen-Chef Schulte sprach am Mittwoch in diesem Zusammenhang zwar von "in qualitativer Hinsicht nicht uninteressanten Überlegungen", sie seien jedoch keine Alternative zu Terminal 3. "Trotz eines relativ hohen Investitionsaufwands könnten dadurch weder die benötigten Gebäudepositionen für Großraumflugzeuge noch die erforderlichen Terminalkapazitäten geschaffen werden - abgesehen von der fehlenden planerischen Grundlage und luftrechtlichen Zulassung", sagte er.

dpa


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