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Landtag

Ex-Verfassungsschützer beruft sich auf Erinnerungslücken

Ein damaliger Verfassungsschützer war in einem Kasseler Internetcafé, als dessen Besitzer der NSU-Mordserie zum Opfer fiel. Doch gesehen oder gehört haben will der Mann davon nichts. Das beteuert er auch in seiner zweiten Vernehmung in Wiesbaden.
Andreas Temme bei einer Anhörung des NSU-Untersuchungsausschusses.

Andreas Temme bei einer Anhörung des NSU-Untersuchungsausschusses.

© Fredrik von Erichsen/Archiv

Wiesbaden. Die erneute Vernehmung des früheren Verfassungsschützers Andreas Temme im hessischen Landtag hat keine neuen Erkenntnisse zum NSU-Mord in Kassel gebracht. Temme beteuerte am Montag bei der siebenstündigen Befragung vor dem NSU-Untersuchungsausschuss, von dem Mord an dem deutsch-türkischen Internetcafé-Besitzer Halit Yozgat 2006 in Kassel nichts mitbekommen zu haben. Temme ist eine der Schlüsselfiguren in den Ermittlungen und stand vorübergehend unter Mordverdacht, da er sich kurz vor oder während der Tat in dem Laden aufhielt.

Vor dem Gremium sagte Temme, er habe in dem Internetcafé keinen Schuss oder Ähnliches wahrgenommen: "In meiner Erinnerung ist nichts Außergewöhnliches gewesen." Er sei ins Café gegangen, Yozgat habe ihm einen Computer zugewiesen. Er habe nur wenige Minuten im Internet gesurft, sei dann aufgestanden, habe 50 Cent auf den Tresen gelegt und sei gegangen. Yozgat sei zu dem Zeitpunkt nicht in seinem Café zu sehen gewesen.

Temme bekräftigte, dass er privat in dem Café gewesen sei, um in einem Flirt-Chatroom nach Nachrichten für ihn zu sehen. Danach habe er sich nicht bei der Polizei gemeldet, auch weil er Angst um seine Ehe gehabt habe. Dies sei ein Fehler gewesen. Die Befragung von Temmes Frau im Ausschuss wurde am Montag auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben.

Konfrontiert mit Widersprüchen in seinen Aussagen, unter anderem zur Einschätzung früherer V-Männer oder zur Frage, wann und von wem er von der NSU-Mordserie erfuhr, antwortete Temme ausweichend oder berief sich auf Erinnerungslücken. Der Beamte wurde bereits zum zweiten Mal von dem Gremium als Zeuge befragt.

Er selbst habe keine Kontakte zur rechtsextremen Szene gehabt, auch nicht in seiner Jugend, sagte Temme. Zur Frage, warum dann andere Zeugen ausgesagt hätten, man habe ihn damals "Klein-Adolf" genannt, sagte der 49-Jährige, davon wisse er nichts. Es räumte ein, Abschriften von Hitlers "Mein Kampf" angefertigt zu haben. Doch dies sei aus bloßem Interesse an rechtsextremem Gedankengut geschehen.

Temme räumte Kontakte zur Rockergruppe Hells Angels ein, diese seien aber nur sehr lose gewesen. Er hätte diese Kontakte als Mitarbeiter des Verfassungsschutzes nicht haben sollen, und auch die Hitler-Abschriften vernichten sollen. "Ich habe Fehler gemacht, (...) aber diese Dinge haben nichts mit den Geschehnissen zu tun, wegen denen wir hier sitzen", sagte Temme.

Die SPD-Obfrau im Ausschuss, Nancy Faeser, erklärte, Temmes Glaubwürdigkeit sei nun vollständig erschüttert. Er könne sich an manche Details genau erinnern, an andere jedoch überhaupt nicht. Auch CDU-Obmann, Holger Bellino, nannte die Aussagen unbefriedigend. Die Grünen sprachen von einer schweren Verfehlung, da Temme als Verfassungsschützer dem Zeugenaufruf der Polizei nicht nachgekommen sei. Auch FDP und Linke kritisierten zahlreiche Widersprüche, die FDP verlangte Temmes erneute Vorladung.

dpa


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