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Luftverkehr

Al-Wazir setzt auf Lärmpausenmodell

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) erhofft sich vom neuen Lärmpausenmodell am Frankfurter Flughafen weiter Rückenwind bei der Entlastung der Anwohner an Deutschlands größtem Airport.
Ein großer Schritt zur Fluglärmregulierung ist getan.

Ein großer Schritt zur Fluglärmregulierung ist getan.

© F. Rumpenhorst/Archiv

Wiesbaden. Schon in der Startphase habe die Regelung fast durchgehend angewandt werden können und sich dabei als praktikabel erwiesen, erklärte der Minister am Mittwoch in Wiesbaden nach dem ersten vollen Monat des Probebetriebs. "Das gibt Anlass zur Zuversicht, dass sich das Modell auch im weiteren Verlauf bewähren und den Betroffenen zusätzliche Lärmpausen verschaffen wird."

Die einjährige Probephase war am 23. April gestartet. Seitdem werden vor und nach dem Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr Starts und Landungen abwechselnd auf verschiedenen Bahnen gebündelt, um Anwohnern eine zusätzliche Stunde Ruhe zu verschaffen. Voraussetzung ist Westwind. Al-Wazir geht davon aus, dass 40 000 Menschen vor allem im Frankfurter Süden entlastet werden. Lärmgegner sind skeptisch.

Im Mai konnte das Modell nach Angaben des Ministers an 24 Tagen angewandt werden. Die Lärmpause sei lediglich an einem Morgen und zwei Abenden aus betrieblichen Gründen ausgefallen. "Das heißt: Die Lärmpausen funktionieren verlässlich", sagte Al-Wazir. "Wenn sich das Lärmpausenmodell weiter bewährt, wird es ein wichtiger Bestandteil in der Strategie der Landesregierung zur Eindämmung des Fluglärms werden."

Die Opposition im Wiesbadener Landtag teilt den Optimismus des Ministers nicht. "Fakt ist: Es fliegen nicht weniger Flugzeuge", sagte Linken-Faktionschefin Janine Wissler. Der Lärm werde nur verschoben. Die Linken unterstützten weiter die Bürgerinitiativen in ihrem Kampf gegen den Flughafenausbau, für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6.00 Uhr und eine Deckelung der Flugbewegungen auf 380 000 pro Jahr.

Jürgen Lenders von der FDP nannte die Bilanz von Al-Wazir "eine reine Showveranstaltung". "Die Lärmpausen sind eine Mogelpackung." Die Liberalen befürchteten, dass Kapazitätseinschränkungen durch die Lärmpausen irgendwann entweder die Lärmpausen unmöglich machten oder zu einem wirtschaftlichen Schaden für den Flughafen führten.

Der SPD-Angeordnete Marius Weiß kritisierte, die Flugverlagerung habe bereits mehrfach aus Kapazitäts- und Sicherheitsgründen abgebrochen werden müssen. Die SPD habe auf diese Instabilität von Anfang an hingewiesen. "Mit zunehmender Zahl der Flugbewegungen wird sie sich von Monat zu Monat steigern." Es gebe zudem kaum Stellungnahmen von Anwohnern, die von einem subjektiv positiven Effekt sprächen.

Die Regierungsfraktionen von CDU und Grünen äußerten sich positiv. Der Grünen-Flughafenexperte Frank Kaufmann sprach von einem ermutigenden Start. Der CDU-Wirtschaftsexperte Walter Arnold sagte, die erste Bilanz weise in die richtige Richtung. Allen Beteiligten sei es ernst damit, alles technisch Mögliche und ökonomisch Vertretbare für eine weitere Fluglärmreduzierung zu tun.

Der Modellversuch wird genau beobachtet und gemessen, erklärte die Fluglärmschutzbeauftragte für den Flughafen, Regine Barth. Auch eine umfangreiche Befragung der Anwohner soll es geben, sagte die Leiterin der Stabsstelle für Lärmschutz im hessischen Verkehrsministerium.

dpa


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