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Was wird aus Sigmar Gabriel?

SPD-Parteitag Was wird aus Sigmar Gabriel?

Vor dem Parteitag müht sich Martin Schulz, die SPD hinter sich zu versammeln. Bald muss er allerdings eine unangenehme Frage klären. Denn die zukünftige Rolle seines Vorgängers Sigmar Gabriel ist noch unklar.

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Was tut der Parteichef? Juckt es seinen Vorgänger noch einmal, den Parteitag für sich zu gewinnen? SPD-Politiker Martin Schulz (rechts) und Sigmar Gabriel.

Quelle: Foto: dpa

Berlin. Sigmar Gabriel ist für zahlreiche Dinge in den vergangenen Jahren berühmt geworden: Seine thematische Sprunghaftigkeit etwa, die ihn schon ganz links und ganz rechts in der SPD hat stehen lassen. Zudem ist er Meister auswegloser Situationen, so, als er in schwieriger Lage im Jahr 2009 die SPD übernahm oder als er sie 2013 in die Große Koalition führte. Legendär sind zudem seine Parteitagsauftritte, in denen er jede Redezeit gesprengt hat und schon mal doppelt so lange am Mikro stand, als es geplant war. Parteitage waren immer seine Welt, er hat sie gelenkt, überrascht, gesteuert, gerettet.

Viele Möglichkeiten hat Gabriel dafür in diesem Jahr auf dem SPD-Parteitag nicht, denn vorgesehen ist nur ein kurzer Beitrag zum Thema Europa am Freitag. Doch trotzdem könnte Gabriel bei diesem Parteitag zum Schattenmann seines Freundes und Parteichefs Martin Schulz werden. Noch einmal einen Parteitag für sich gewinnen – man kann sich denken, wie es Gabriel juckt.

„Es geht nicht allein um die SPD“

Dessen Rolle ist nur eine von vielen Fragen, über die sich SPD-Chef Schulz Gedanken machen muss. Selten stand ein Parteichef vor einem derart schwierigen Zusammentreffen wie aktuell. Er freue sich auf einen Parteitag in bewegten Zeiten, sagte Schulz dem RND am Mittwoch. „Wir haben viel zu bereden und werden uns dafür ausreichend Zeit nehmen.“

Schulz wurde zuletzt immer wieder angegriffen, meist hinter seinem Rücken. Vor dem Parteitag hat sich der SPD-Chef aber sichtlich stabilisiert. Die Debatten um ihn sind der Frage gewichen, ob die SPD in die Große Koalition gehen soll. Der Sachzwang, nun womöglich in Regierungsverantwortung bleiben zu müssen, stützt auch Schulz in seiner Rolle als Parteichef. „Es geht nicht allein um die SPD“, sagt er, „es geht um die Frage, wie wir unserer Verantwortung für Deutschland und Europa gerecht werden“. Dafür gebe es viele Optionen.

Heftige Diskussionen sind kaum vermeidbar

Dennoch hadert die SPD mit der Frage, ob die Partei sich auf weitere Jahre mit Angela Merkel und der Union einlassen soll. Seit Tagen wabern Alternativen zur Groko durch die Partei, die allerdings alle etwas unrealistisch erscheinen. Schulz ist sichtlich bemüht, die Offenheit der Diskussion zu betonen.

Formal will sich Schulz diesen Weg am Donnerstag durch die Delegierten bestätigen lassen – noch bevor er sich selbst wählen lässt. In der Aussprache des Leitantrages dürfte es hoch hergehen. Die Jusos wollen eine neue Groko unbedingt verhindern, auch im Landesverband Nordrhein-Westfalen gibt es kritische Stimmen.

Wird die Stimmung kritisch, schlägt Gabriels Stunde

Sollte die Stimmung kippen, könnte es zu einem kritischen Moment kommen: Dann könnte Gabriel die Gunst der Stunde ergreifen und die Stimmung drehen wollen wie in besten Tagen. Es ist ein Szenario, das Schulz verhindern sollte: Denn der Held des Parteitags muss er selbst werden, wenn er die SPD stark durch die kommenden Wochen führen will.

Irgendwann danach muss er dann die Frage klären, wie es mit Sigmar Gabriel im Falle einer Zusammenarbeit mit der Union weitergehen würde. Aber eins nach dem anderen, denkt sich mancher in der SPD. Wer weiß jetzt schon, wie die Welt der Genossen nach diesem Parteitag aussehen wird.

Von Gordon Repinski/RND

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