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Wahlsystem verhilft Barack Obama zum Sieg

US-Wahlanalyse Wahlsystem verhilft Barack Obama zum Sieg

Ein strahlender Sieg! Aber ein höchst knappes Ergebnis. Obwohl Barack Obama bei den Wahlmännern mit großem Vorsprung vorn liegt, sieht es bei den Wählerstimmen ganz anders aus: Als 82 Prozent der Stimmen ausgezählt sind und Mitt Romney in Boston auf die Bühne tritt, um seine Niederlage einzugestehen, hatten 53,1 Millionen Amerikaner für den Amtsinhaber gestimmt und 52,4 Millionen für den Herausforderer.

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 Barack Obama mit seiner Familie in Chicago. Der amerikanische Präsident wurde nur mit knapper Mehrheit wiedergewählt.

Quelle: dpa

Washington. Es ist eben den Eigentümlichkeiten des antiquierten Wahlsystems der ältesten Demokratie der Welt geschuldet, dass der Sieger nach ganz eigenen Regeln gekürt wird. Aber letztendlich kommt es ja auch darauf an, dass für alle Kandidaten die gleichen Regeln gelten – und Obama wusste sie für sich zu nutzen.Es war eine Wahlschlacht der Superlativen. Erstmals in der US-Geschichte betrugen die Gesamtkosten umgerechnet mehr als vier Milliarden Euro. Und erstmals durften sich Unternehmen mit unbegrenzten finanziellen Mitteln an der Meinungsbildung beteiligen, in dem sie für Wahlvereine spendeten, die nicht unmittelbar den Kandidaten unterstellt sind. Vor allem aber dürfte bei der Wahlkampagne 2012 ein für allemal deutlich geworden sein, dass es in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht ausreicht, nur die weiße Bevölkerung hinter sich zu bringen. Hätte sich Romney nur den Weißen zur Wahl stellen müssen, hätte er haushoch gewonnen. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Die USA stehen inmitten eines großen Umbruchs. Vor sechs Jahren durchbrach die Bevölkerungszahl die 300-Millionen-Grenze. Heute sind es bereits etwa 315 Millionen - plus viele illegale Immigranten. Und mehr als die Hälfte dieser Menschen leben entlang der Küsten und an den Großen Seen. Und genau in diesen dicht bevölkerten Regionen hat Obama die Nase vorn. Hinter dem 44. Präsidenten stehen die übergroßen Mehrheiten der Afroamerikaner und der Latinos, aber eben auch die – knappe – Mehrheit der urbanen Bevölkerung. Dort kommt es gut an, dass der 51-Jährige für ein modernes Gesellschaftsbild steht und sich auch für gleichgeschlechtliche Ehen ausspricht.

 

Viele Klischees von Amerika treffen auf die dicht bevölkerten Regionen nicht mehr zu. So zum Beispiel das Bild von der besonders religiös geprägten Gesellschaft. Ebenso wie in Europa gehen auch entlang der Ost- und Westküste immer mehr Menschen auf Distanz zu den großen Religionen. Viele glauben an einen Schöpfer, wollen sich aber nicht in ihre persönlichen Lebensentscheidungen hineinreden lassen.Gleichwohl muss sich der Wahlsieger nun daran messen lassen, ob er sich in der drängendsten Frage Amerikas bewährt – der Wirtschaftsentwicklung. In der Nacht zum Mittwoch legte er in seiner Siegesrede einen ersten Grundstein, dass das gelingen könnte: Das wiedergewählte Staatsoberhaupt beschwor die Einheit der USA und versprach seinen Landsleuten, die ideologischen Grenzen überwinden zu wollen.

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Der wiedergewählte US-Präsident Barack Obama hat sich nach seinem überragenden Wahlsieg von seinen Anhängern feiern lassen. Zu den Klängen von Stevie Wonder stand Obama gemeinsam mit Ehefrau Michelle und den beiden Töchtern auf der Bühne. Er genoss zunächst schweigend den Jubel.

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