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Scharfschützen auf dem Dach und die Angst im Körper

Ex-OP-Mitarbeiter erlebte Attacke Scharfschützen auf dem Dach und die Angst im Körper

Ein Student fährt mit einem Auto Passanten an. Danach sticht mit einem Messer auf Umstehende ein. Der frühere OP-Mitarbeiter Björn Köhnlein war zum Zeitpunkt der Attacke auf dem Unigelände in Ohio.

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Das Symbolbild zeigt einen Schüler, der ein Messer im Klassenraum zeigt.

Quelle: Archivfoto

Columbus. Nach der Attacke an einer Universität im US-Bundesstaat Ohio suchen die Ermittler nach dem Tatmotiv. Die Polizei untersuche auch Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Für konkrete Aussagen sei es aber noch zu früh, sagte der Chef der Uni-Polizei Craig Stone demnach auf einer Pressekonferenz.

Ein Student der Ohio State University war am Montag zunächst in eine Gruppe Fußgänger auf dem Campus in Columbus gefahren. Danach stieg er aus dem Wagen und griff Umstehende mit einem Schlachtermesser an. Elf Menschen wurden verletzt. Der Angreifer wurde nach Behördenangaben binnen weniger als einer Minute von einem herbeigeeilten Polizisten erschossen.

Warnung per SMS

Björn Köhnlein, seit etwas mehr als einem Jahr Professor für Sprachwissenschaft an der Ohio State University, war gerade auf dem Weg zu seinem Büro, als er über das universitätsinterne Warnsystem kurz vor 10 Uhr per SMS die Nachricht bekam, dass er sich sofort in Sicherheit begeben solle. Zu dem Zeitpunkt war er etwa 200 Meter vom Ort des Geschehens entfernt, konnte selbst aber nichts sehen. „Ich bin dann in unser Universitätshotel gegangen, das in der Nähe war“, erzählt er. „Von dort war gut zu beobachten, wie sich innerhalb von Minuten Dutzende Polizeiautos an der Stelle einfanden.

Polizisten umstellten das Hotel, wir hörten, dass auf dem Dach Sniper postiert worden waren. Da fühlte man sich dann schon relativ geschützt.“ Eine gewisse Unsicherheit sei aber doch geblieben, auch weil durch ungefilterte Nachrichten über Twitter und andere Kanäle diverse Versionen des Geschehens im Umlauf waren – zum Beispiel, dass es eine Gruppe von Attentätern sei, mehrere Personen erschossen worden seien oder dass ein Professor mit einer Machete aufgeschlitzt worden sei. „Letztendlich waren die meisten dieser ,Meldungen‘ unwahr, aber sie sorgten natürlich für Unsicherheit – keiner wusste, was wirklich los ist“, so Köhnlein. „Es war natürlich eine große Erleichterung für alle, als – wieder per SMS – die Nachricht kam, dass die Gefahr gebannt ist.“

„Keine völlige Sicherheit“

Gestern gingen alle Abteilungen zu ihren gewohnten Abläufen über. „Letztlich hat die Universität wirklich schnell reagiert und gemeinsam mit der Polizei Schlimmeres verhindert. Es war alles sehr professionell organisiert”, sagt Köhnlein. Auch das Universitäts-Warnsystem habe hervorragend funktioniert. Eine gewisse Unsicherheit bleibe jetzt aber vorerst: „Jeder weiß natürlich, dass so etwas theoretisch wieder passieren kann, und dass es Nachahmungstäter geben kann”, sagt Köhnlein. „Aber wir wissen auch, dass unsere Universität gute Arbeit leistet, wenn es darum geht, den Campus zu sichern. Das hilft schon, auch wenn es nie völlige Sicherheit geben kann.”

Bei dem Verdächtigen handelt es sich Ermittlern zufolge um den aus Somalia stammenden Abdul Razak Ali. Der Sender CNN meldete unter Berufung auf Ermittler, der Mann sei 2014 über Pakistan in die USA gekommen. Nach Medienberichten hatte der Mann wenige Minuten vor seiner Attacke eine politische Botschaft auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Darin habe er die USA aufgefordert, ihre Einmischung in muslimischen Staaten zu beenden.

Björn Köhnlein studierte von 1998 bis 2007 in Marburg und arbeitete als freier Mitarbeiter für die OP. Er promovierte in Amsterdam und lehrte von 2011 bis 2015 an der Uni Leiden am Studiengang „Deutsche Sprache und Kultur“, bevor er zur Ohio State University wechselte.

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