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Die SPD will mit der Union sondieren

Nun also doch Die SPD will mit der Union sondieren

In der ersten Januarwoche sollen die Gespräche zur Regierungsbildung offiziell losgehen. Ein Altbekannter wird dann nicht mehr mit am Tisch sitzen.

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SPD-Chef Martin Schulz: Weihnachtsferien fallen aus.

Quelle: dpa

Berlin. Es ist kurz nach 14 Uhr, als in im fünften Stock des Willy-Brandt-Hauses mehr als 40 Hände in die Höhe gehen. An der Tür des fensterlosen Raumes, in dem der SPD-Parteivorstand die Aufnahme von Sondierungsgesprächen mit der Union bei nur einer Enthaltung beschließt, steht Hans-Jochen-Vogel-Saal.

Fast zeitgleich sitzt der Namensgeber in einem Seniorenstift im Münchner Stadtteil Sendling und hadert mit der Entscheidung im fernen Berlin. „In der aktuellen Lage kann die SPD ein erneutes Bündnis mit der Union nicht ausschließen, aber es birgt doch eine ganze Reihe ernst zu nehmender Gefahren für meine Partei“, sagt der langjährige Fraktions- und Parteichef dieser Zeitung. „Die SPD sollte bedenken, dass die Große Koalition bei der Bundestagswahl 13 Prozent der Stimmen verloren hat – so viel wie keine Regierung vor ihr“, warnt Vogel. Und er verweist auf die am Boden liegenden Schwesterparteien im Ausland. „Deren Absturz sollte uns mahnendes Beispiel sein.“

Vogel, das muss man wissen, ist auch mit 91 Jahren noch immer ein hochloyaler Parteisoldat. Von Sigmar Gabriel ist die Geschichte überliefert, dass der Senior pflegte, ihm in schwierigen Zeiten Botschaften zu übermitteln: Weitermachen. Kurs halten. Nur nicht aufgeben. Wenn einer wie Vogel auf Distanz zur Parteiführung geht, muss die Lage ernst sein. Sehr ernst.

Das weiß auch Parteichef Martin Schulz. Und mit entsprechender Miene tritt er nach der Sitzung vor die Presse. „Konstruktiv aber ergebnisoffen“ werde man die Sondierungsgespräche angehen, sagt er. Und er verspricht eine andere Verhandlungsführung und einen anderen Stil als bei Jamaika. Kein Twittern von Zwischenständen, keine Bilder vom Balkon.

Zwölf Unterhändler wird die SPD in die Gespräche schicken, neben dem Parteichef und seinen sechs Stellvertreten sind das Generalsekretär Lars Klingbeil, Fraktionschefin Andrea Nahles, NRW-Landeschef Mike Groschek, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger. Die beiden Letzteren, weil sie in diesem Jahr eine Koalition mit der Union auf Landeseben ausgehandelt haben. Nicht dabei ist Sigmar Gabriel. Manch ein Genosse deutet das als Zeichen einer Entfremdung zu Schulz, doch der will davon nichts wissen. Kein Bundesminister gehöre dem Team an, sagt er.

Am Mittwoch soll bei einem Spitzentreffen mit der Union der Fahrplan besprochen werden, in der ersten Januar-Woche die Sondierungen losgehen. Die Unterhändler müssen sich sputen, schon am 14. Januar soll ein Sonderparteitag der SPD über die Aufnahme formeller Koalitionsverhandlungen entscheiden. Ehrgeizig aber machbar, findet Schulz. „Die Weihnachtsferien sind jetzt für einige abgesagt.“

Von Andreas Niesmann/RND

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