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Eine Bande für die ganze Familie

Kerstin-Heim Eine Bande für die ganze Familie

Kind sein - ohne Sorgen, ohne Nöte, ohne Vorurteile. 54 junge Menschen mit geistiger Behinderung erfahren im Kerstin-Heim was es bedeutet, einfach nur Kind zu sein.

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Zu Besuch im Kerstin-Heim: Tibor Nemes (Novartis Vaccines) und Irene von Drigalski (FamilienBande) lassen sich von Leiter Hans Ordnung durch die Einrichtung führen und übergeben bei der Gelegenheit gleich einen Spendenscheck. Fotos: Tobias Hirsch

Marburg. Nicht die Behinderung steht für die Betreuer und Pädagogen um Leiter Hans Ordnung im Mittelpunkt, sondern der Mensch. Die Schulbildung richtet sich nach dem, was die Kinder können. Nicht was sie können müssen. „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt der gebürtige Bayer Ordnung. Unterstützung erfährt der Kerstin-Heimleiter von der „FamilienBande“, einer Stiftung, die von der Novartis-Gruppe Deutschland ins Leben gerufen wurde.

Der Pharmakonzern versteht es als einer der größten Arbeitgeber der Region als seine Aufgabe, sich verstärkt für soziale Projekte zu engagieren. So erradelten die Mitarbeiter des weltweit operierenden Unternehmens an den deutschen Standorten knapp 10000 Euro, die an mehrere Projekte verteilt werden. Wer auf das Auto verzichtete, erzählt die Geschäftsführerin der FamilienBande, Irene von Drigalski, und stattdessen mit dem Fahrrad zur Arbeit kam, erradelte pro Tag drei Euro für den guten Zweck. Wer da am Görzhäuser Hof ins Labor oder Büro kam, der hatte schon eine ordentliche Bergetappe hinter sich.

Für Tibor Nemes, dem Geschäftsführer von Novartis Vaccines, ist die Unterstützung einer Einrichtung wie dem Kerstin-Heim eine Herzensangelegenheit. Caitlin, die Tochter seines Bruders, hat das autistische Syndrom. Er hat hautnah verfolgt, wie sehr sich das Leben der Familie verändert und wie wichtig eine gute Versorgung ist. Seine Nichte ist mittlerweile 25 Jahre. „Das hat die Sicht auf das Leben völlig verändert“, sagt der 40-jährige Geschäftsführer.

Umso neugieriger war der Novartis-Chef, als er zusammen mit Irene von Drigalski und Hans Ordnung das Kerstin-Heim in den Neuhöfen besichtigte. „Für uns ist das soziale Engagement sehr wichtig“, sagt Nemes. Auf der einen Seite möchte er mit seinem Unternehmen die Arbeit unterstützen. Die Gesellschaft aufzuklären, sei aber ebenfalls ein wichtiger Bestandteil.

Arbeitgeber ist sich sozialer Verantwortung bewusst

Im Fokus der FamilienBande stehen allerdings nicht in erster Linie die Behinderten. Vielmehr rückt die Stiftung die Geschwister in den Vordergrund, bei denen ein beachtliches Risiko besteht, psychosozialen Belastungen ausgesetzt zu werden. „Das Leben wird auf das behinderte Kind ausgerichtet. Geschwister geraten dabei ungewollt in eine Nebenrolle“, erklärt Irene von Drigalski. Alleine in Deutschland sind zwei bis drei Millionen Geschwisterkinder dem Risiko ausgesetzt.

Erhebungen zufolge zeigt mehr als jedes zehnte Kind Auffälligkeiten wie Noten-Verschlechterungen in der Schule oder Lustlosigkeit im Alltag. Insgesamt zehn Prozent der Kids zeigen Verhaltensstörungen wie etwa Depressionen, Angst oder ziehen sich in die Isolation zurück. Die Stiftung FamilienBande unterstützt das Kerstin-Heim dabei, für diese Kinder, die ihre eignen Interessen für das Wohl ihrer Geschwister hinten anstellen, mit lokalen Partnern ein Angebot zu entwickeln.

So auch am 19. Januar. Das Kerstin-Heim bietet für alle Geschwister von chronisch kranken oder behinderten Jugendlichen - nicht nur für Geschwister der Kerstin-Heim-Bewohner - einen Tanzkurs an. Motto: Marburg goes Gangnam Style, dem aktuell beliebtesten Tanz- und Musikvideo. Das Ganze findet statt in der Tanzschule Henseling (Universitätsstraße 61) von 14.30 Uhr bis 16 Uhr. Anmeldungen nehmen die Förderschulen der Stadt und dem Landkreis entgegen. Auch beim Kerstin-Heim (06421 - 93 64 0, info@kerstin-heim.de) werden Anfragen entgegen genommen. Das Ganze kostet jeden Teilnehmer einen Euro.

Unterstützt wird dieses Projekt von Novartis Vaccines mit 1250 Euro. Mit dieser Spende geht es im Frühjahr auch in den Kletterwald bei Wehrshausen. „Die Spende dient zur Vernetzung in der Region und dem Aufbau einesGeschwisterkinderangebots“, sagt Hans Ordnung.

Für die noch junge Stiftung FamilienBande soll dieses Engagement als Auftakt für eine langjährige Zusammenarbeit dienen. „Wir wollen Erfahrungen sammeln und wissen, ob das, was wir da machen, auch Sinn ergibt“, sagt Irene vonDrigalski. Daher hat sich auch ein „Runder Tisch“ formiert, der sich vierteljährlich zum Austausch trifft. Dazu gehören Mediziner, Jugendamt, Leiter von Förderschulen und eben auch die Stiftung Familienbande. „Ichdenke, der erste Schritt ist gemacht.  Jetzt wollen wir die Arbeit weiter intensivieren.“

von Carsten Bergmann

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