Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
6,5 Millionen Euro für Mittelalter-Datenbank

Förderung 6,5 Millionen Euro für Mittelalter-Datenbank

Großer Erfolg für den Marburger Germanisten Professor Jürgen Wolf: Der von ihm an der Universität Marburg ­federführend betreute „Handschriftencensus“ wird von der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literaturen in den kommenden 20 Jahren mit insgesamt 6,5 Millionen Euro gefördert.

Marburg. Ziel des Vorhabens ist die vollständige Erfassung aller handschriftlich vorliegenden deutschsprachigen Texte des Mittelalters. Die Bandbreite dieser Texte reiche von hochliterarischen Texten wie Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ über Chroniken und Briefesammlungen bis hin zu Medizin-Texten oder Stadtbeschreibungen, erläuterte Wolf gestern im Gespräch mit der OP.

Rund 26000 Handschriften in mehr als 1500 Bibliotheken sollen so erfasst, beschrieben und möglichst auch digitalisiert werden. Vor allem solle die handschriftlich aufgezeichnete Literatur des 14. und 15. Jahrhunderts erfasst werden, die das Fundament der Moderne bilde,­ so Wolf. Das am Institut für Deutsche Philologie des Mittelalters der Universität Marburg koordinierte Projekt begann bereits im Jahr 2006. Es wurde zunächst von der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft und der Thyssen-Stiftung finanziert, zuletzt aber vorwiegend ehrenamtlich betreut. Bisher seien bereits bis zu 4000 Handschriften in der Tiefe erfasst und mehr als 6000 Handschriften zumindest oberflächlich, teilte Wolf mit.

Das Projekt sichere einen bedeutenden Schatz unseres kulturellen Erbes und biete gleichzeitig ein wichtiges Fundament zum Verständnis der Vormoderne, heißt es in der gestrigen Pressemitteilung der Mainzer Akademie.

„Das Projekt baut auf bereits bestehenden Forschungsprojekten auf, die zwar bereits ­beträchtliche Überlieferungsbestände dokumentieren, aber eben noch keinen Gesamtüberblick bieten können“, so die Akademie weiter. Mit dem Handschriftencensus solle der Gesamtbestand aufgearbeitet,­ anhand der aktuellen Forschungslage geprüft, und allen historischen Disziplinen im Rahmen einer Datenbank zur Verfügung gestellt werden. Zugleich bilde der Handschriftencensus einen zentralen Baustein im gemeinsamen Fernziel einer digital vernetzten Gesamtübersicht aller­ volkssprachigen Literaturen des ­europäischen Mittelalters. Die Millionenförderung soll vor allem in den Aufbau der neuen Datenbank und Personal, das Handschriften wissenschaftlich aufarbeiten kann, fließen.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Berliner Redaktion