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„Wir hören Stimmen, einige sind noch am Leben“

Erdbeben in Mexiko „Wir hören Stimmen, einige sind noch am Leben“

Vor genau 32 Jahren kamen bei einem Erdbeben in Mexiko Tausende Menschen ums Leben. Ausgerechnet am Jahrestag bebt es wieder heftig. Besonders schwer betroffen ist Mexikos Hauptstadt. Es gibt dramatische Szenen bei der Suche nach Verschütteten.

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Verzweifelt suchen Retter in den Trümmern nach Überlebenden.
 

Quelle: dpa

Mexiko-Stadt.  Verzweifelt suchen Retter nach Verschütteten: Nach dem heftigen Erdbeben der Stärke 7,1 sind in Mexiko mehr als 220 Menschen ums Leben gekommen. Ausgerechnet am Jahrestag des verheerenden Erdbebens von 1985 bebte die Erde wieder stark – kurz nach der alljährlichen Erbebenübung. Nach Angaben von Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong starben mindestens 226 Menschen. Allein in einer eingestürzten Schule wurden in Mexiko-Stadt mindestens 32 Kinder und fünf Erwachsene getötet.

„Dieses Erdbeben ist eine harte Probe und sehr schmerzhaft für unser Land, aber wir Mexikaner haben gelernt, dem mit dem Geist der Solidarität zu antworten“, sagte Staatspräsident Enrique Peña Nieto.

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Ausnahmezustand in Mexiko-Stadt: Dutzende Menschen sind bei einem Erdbeben der Stärke 7,1 in Mexiko ums Leben gekommen – darunter auch zahlreiche Kinder.

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Dramatisch war die Lage an der Grundschule „Enrique Rébsamen“ in Mexiko-Stadt. Dort war auch ein Kindergarten untergebracht. Bisher wurden 37 Leichen geborgen. „Wir schätzen, dass noch zwischen 30 und 40 Menschen in den Trümmern gefangen sind. Wir hören aber Stimmen, einige sind noch am Leben“, sagte Marine-Sprecher José Luis Vergara. Weitere 209 Schulen in Mexiko-Stadt wurden geschlossen, 15 davon haben schwere Schäden, sagte Bildungsminister Aurelio Nuño Mayer.

Zwei Gefängnisse evakuiert

Ausgerüstet mit Atemmasken, Fahrradhelmen, Spitzhacken und Schaufeln halfen Hunderte Freiwillige in Mexiko-Stadt bei den Rettungsarbeiten mit. Im Licht von Taschenlampen und Scheinwerfern suchten sie auch die ganze Nacht über zwischen den Steinen der zusammengestürzten Gebäude nach möglichen Überlebenden. Auch zwei Gefängnisse im Bundesstaat Puebla mussten evakuiert und Gefangene verlegt werden. Der internationale Flughafen der Hauptstadt stellte den Betrieb ein, über 180 Flüge fielen aus. Betroffen vom Beben war auch das legendäre Azteken-Stadion, durch eine Tribüne zog sich ein breiter Riss.

Präsident Enrique Peña Nieto rief die Bevölkerung dazu auf, die Straßen für Krankenwagen frei zu halten „und die Arbeit der Rettungshelfer zu erleichtern“, wie er in einer Videobotschaft sagte.

Auch die Bundesstaaten Morelos und Puebla sind betroffen

Da mehrere Krankenhäuser beschädigt wurden, mussten Verletzte teils unter freiem Himmel von Ärzten notdürftig versorgt werden. Nach Angaben des Energieunternehmens CFE waren 3,8 Millionen Menschen zeitweise ohne Strom, auch das Telefonnetz kollabierte in der Stadt.

Neben der Hauptstadt waren besonders die Bundesstaaten Morelos und Puebla betroffen, das Zentrum lag rund 130 Kilometer Luftlinie südöstlich von Mexiko-Stadt bei Axochiapan. In Atzala im Bundesstaat Puebla stürzten während einer Taufe das Dach und die Kuppel einer Kirche ein, mindestens elf Menschen wurden hier getötet. Mindestens 700 Menschen wurden durch das Erdbeben verletzt, 400 davon schwer.

US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter: „Gott schütze die Menschen in Mexiko-Stadt.“ Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb in einem Kondolenztelegramm an Peña Nieto, die Nachricht von dem Beben erfülle sie mit großer Trauer und Bestürzung. „Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitbürgern Kraft und Stärke in dieser schweren Stunde.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb: „Mit mir sind heute viele Deutsche in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und bei den Menschen, die sich noch in Gefahr befinden und auf Rettung hoffen.“ Das Auswärtige Amt hatte am Mittwoch nach Angaben eines Sprechers noch keine Kenntnisse über mögliche deutsche Opfer.

Erde bebte kurz nach Erdbebenübung

In Mexiko-Stadt ist vor allem das Zentrum mit den touristischen Vierteln betroffen. Viele der beschädigten oder eingestürzten Gebäude wurden vor dem Erdbeben 1985 gebaut und entsprachen nicht den später eingeführten strengeren Baunormen. Bei dem schweren Erdbeben vor 32 Jahren am 19. September 1985 waren Tausende Menschen ums Leben gekommen: Die Angaben variieren zwischen 4300 und 10 000, manche Quellen sprechen sogar von 35 000 Toten.

Rund zwei Stunden vor dem heftigen Erdstoß am Dienstag - wieder ein 19. September - hatten sich Behörden, Unternehmen und Schulen noch an der alljährigen Erdbebenübung beteiligt. Kurz nach dem Testfall, bebte dann um 13.14 Uhr die Erde tatsächlich. Tausende Menschen versuchten verzweifelt, sich nach draußen zu retten.

Behörden rechnen mit steigenden Opferzahlen

Wolkenkratzer schwankten hin und her, Straßen bebten, Fassadenteile von Gebäuden stürzten zu Boden. Über der Stadt hingen Rauchschwaden, Staub lag in der Luft, Gas trat aus. In der Hauptstadt und dem angrenzenden Großraum leben rund 20 Millionen. Im VW-Werk Puebla, einem der größten Fahrzeugwerke des Konzerns, wurden nach Informationen der Wolfsburger Zentrale keine Mitarbeiter verletzt.

Mehrere Nachbeben versetzen die Menschen zusätzlich in Angst. Erst am 7. September waren bei einem Beben der Stärke 8,2 rund 100 Menschen in Mexiko umgekommen, dabei lag das Zentrum aber im Pazifik und war in Mexiko-Stadt längst nicht so stark zu spüren. Mexiko befindet sich in einer der weltweit aktivsten Erdbebenzonen mit gefährlichen Plattenverschiebungen. Der Boden des Pazifischen Ozeans taucht immer wieder unter die mexikanische Landmasse ab. Das führt zu schweren Erschütterungen.

Wegen der vielen Verschütteten rechneten die Behörden mit noch weiter steigenden Opferzahlen, für die Retter wurde die schwierige Suche nach Überlebenden zum Wettlauf gegen die Zeit.

Von RND/dpa

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